Gestern Abend im Ausschuss: Zuspruch für engagierte Eltern, aber Sorge um zu geringe Schülerzahlen

Für weitere IGS „fehlen Partner“

Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes (r.) steht voll hinter den Gesamtschul-Befürwortern.

Landkreis - (ck) · Mit dem Herzen steht die Mehrheit im Kreis-Schulausschuss hinter dem Wunsch nach einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Harpstedt. Aber der Kopf sagte auch gestern Abend klar, dass eine Elternbefragung zum jetzigen Zeitpunkt zu früh käme, um die Mindest-Schülerzahlen zu erreichen.

Der starke Elternwille in der Samtgemeinde, der sich auch diesmal wieder als „Mahnwache“ mit Werbebanner für eine IGS „Wildeshauser Geest“ und flammenden Apellen von Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes präsentierte, reicht nicht aus. Noch nicht. Denn bekanntlich reifen in der Landesregierung Überlegungen zur Lockerung der Anforderungen. Also unterbrach Ausschuss-Vorsitzender Horst Siemers (CDU) die Sitzung – bis zum 6. September.

„Diese Zeit sollten alle zu Beratungen und Gesprächen mit den Eltern nutzen“, appellierte der Bündnisgrüne Manfred Rebensburg. Der Antrag seiner Fraktion war Ausgangspunkt dieser Zwickmühle zwischen Herz und Verstand: Sie wollte die Schaffung einer IGS in Harpstedt zur Diskussion stellen und eine weitere Elternbefragung zur Bedarfsermittlung auf den Weg bringen. Rebensburg berief sich aufs Interesse von Familien aus Harpstedt, Wildeshausen und Dötlingen. Wohlwissend, dass die in dieser Umfrage zu erwartenden Zahlen nicht reichen, führte er auch IGS-Wünsche in Harpstedts Nachbarstädten Bassum und Twistringen ins Feld.

Auch Erster Kreisrat Carsten Harings stellte klar: „Für eine weitere IGS im Landkreis brauchen wir Partner.“ Aber: „Die haben wir nicht.“ Twistringen nämlich äußerte sich negativ zur Anfrage – ebenso wie der Diepholzer Landrat Gerd Stötzel. Delmenhorst und der Kreis Wesermarsch beließen es beim grundsätzlichen Interesse, wollten aber die politischen Gremien nicht übergehen.

Zudem lägen Anträge aus Ganderkesee für eine IGS in Bookholzberg vor, die ohne ein aus Ganderkesee und Hude bestehendes Einzugsgebiet kaum Erfolgs chancen hätte. Hude wolle aber ebenfalls eine Gesamtschule. Die von den Grünen beantragte IGS in Harpstedt einerseits und die UWG mit ihrem Antrag pro Bookholzberg andererseits „machen die Sache nicht einfacher“, seufzte Harings. So sehe er nicht die nötigen Anmeldezahlen als Voraussetzung für eine IGS-Genehmigung. Jüngste Berichte, wonach im Kultusministerium Überlegungen zum Herabsetzen der Mindestzahl von fünf auf vier Klassen liefen, weckten aber Hoffnung. Er plädierte dafür, diese Beratungen abzuwarten. Das sah Helmut Hinrichs (SPD) genauso: „Es bewegt sich etwas. Wir sollten warten, bis die Neuregelung auf dem Tisch liegt – sonst arbeiten wir vielleicht für die Tonne.“

In dieser „Lauerstellung“ sah Rebensburg jedoch große Gefahr, dass ein Antrag auf die neue IGS zum Schuljahr 2011/2012 nicht mehr rechtzeitig geprüft werden könne. Auch Herwig Wöbse (CDU) mahnte: „Wenn wir jetzt sagen, dass wir auf die Ergebnisse aus Hannover warten wollen, fangen die Beratungen dort gar nicht erst an – und dann gibt's nächstes Jahr keine IGS.“ Schon Regierungsschuldirektor Klaus Kapell wies auf den nötigen Zeitrahmen hin: „Eineinhalb Jahre Vorlauf wären wünschenswert.“

„Wir können hier nichts falsch machen, denn es geht ums Recht auf Bildung“, urteilte Rebensburg. Und: „Die Eltern wollen die IGS jetzt.“

Das hatten zuvor die Elternvertreterinnen Regina Huntemann und Michaela Claußen sowie Harpstedts Verwaltungschef Uwe Cordes eindrucksvoll verdeutlicht. „Von freier Schulwahl ist bisher keine Rede“, erinnerte Huntemann an den versperrten Weg zur IGS Wardenburg – wegen des anderen Einzugsgebiets. Claußen wies aufs Schulzentrum als „bedeutenden Standortfaktor“ für Harpstedt hin. Und Cordes nannte die vorbildliche Infrastruktur in der Schullandschaft der Samtgemeinde als Pluspunkt. „Hier gibt es keinen Sanierungsstau und nicht mehr viel zu investieren.“

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