Umschlagstation des Landkreises besteht seit zwölf Jahren in Neerstedt

Die Wege des Mülls sind recht komplex

Der Bagger bei der Arbeit – ein Blick in die Umschlaghalle. ·
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Der Bagger bei der Arbeit – ein Blick in die Umschlaghalle. ·

Neerstedt - Von Jürgen Bohlken. Im Minutentakt rollen Anlieferer, oft mit Anhängern voller Abfall, auf die Waage der Müllumschlagstation des Landkreises Oldenburg in Neerstedt. 23,10 Euro will die Angestellte Kerstin Hanau von einem privaten Kunden haben, der seinen Müll soeben vorschriftsmäßig in die nach Abfallarten und Wertstoffen getrennten Container geworfen hat.

„So ist es vorbildlich“, deutet Tobias Bruns auf ein Paket mit asbesthaltigem Inhalt, bei dem Folie und Klebeband ein Austreten der gesundheitsgefährdenden Fasern verhindern. ·

„Oh, das ist ja günstig“, bekommt sie zur Antwort. Deutlich über 100 Anlieferungen an einem Tag seien nichts Ungewöhnliches. In der Gartenzeit komme vermehrt Grünschnitt, vor allem bei schönem Wetter und an Sonnabenden, spricht die Beschäftigte aus Erfahrung. Ein Wertstoffhof bestand – wie auch eine Bauschuttaufbereitung – schon lange vor Beginn des neuen Milleniums in Neerstedt. Der Müllumschlag, der  vormals    in Bargloy angesiedelt war, kam hingegen vor zwölf Jahren hinzu. Tobias Bruns, Abfallberater beim Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft des Landkreises, beziffert die jährliche Gesamtumschlagsmenge an Abfällen und Wertstoffen auf etwa 13 000 Tonnen jährlich. Rund 35 Prozent entfielen auf Rest- und ungefähr 45 Prozent auf Sperrmüll. „Papier macht vielleicht fünf Prozent aus. Das sind aber nur sehr grob geschätzte Zahlen“, gibt Bruns zu bedenken.

In der Umschlaghalle werden aus Rest- und Sperrmüll Metalle und Schadstoffe aussortiert, energie- und weniger energiereiche Abfälle grob separiert, Container befüllt und die Inhalte verdichtet. Containerdienste rollen hier mit ihrer Fracht ein, aber auch Müllfahrzeuge. In der Umschlagstation landet nämlich auch ein Teil der Rest-abfälle aus den geleerten Schwarzen Tonnen. So wird etwa der Inhalt aus Müllfahrzeugen, deren Container bei den Abfuhrtouren nicht voll geworden oder – wie bei den Heckladern – nicht abkoppelbar sind, umgeladen. Ebenso Sperrmüll von anderen Wertstoffhöfen.

„Die Anlage in Neerstedt besteht aus drei Teilen. Der dritte Bereich neben Wertstoffhof und Umschlag ist die Annahme von Problemstoffen. Dazu zählen beispielsweise Farben und Lacke, Batterien, Gifte, Säuren und Laugen“, erläutert Tobias Bruns.

Die Wege des Mülls und Wertstoffe sind recht komplex. Papier, Pappe und Kartonage gehen an eine Papierfabrik in Varel bei Wilhelmshaven, Grünabfälle zwecks Kompostierung an die Kompostsysteme Nord GmbH in Ganderkesee, nennt Bruns nur zwei Beispiele.   Der Restmüll werde der Deponie in Mansie im Kreis Ammerland zugeführt. Vor der Endlagerung werde im Zuge der Aufbereitung mit mechanischer und biologischer Stufe versucht, noch möglichst viel der organischen Anteile herauszufiltern.

Dass die Verbraucher Kühlgeräte längst unentgeltlich entsorgen können, so auch in Neerstedt, sei eine Folge des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes, erläutert der Abfallberater. Die Hersteller seien danach verpflichtet, ausgediente Kühlschränke und Gefriertruhen zurückzunehmen und nach dem Stand der Technik sicher zu entsorgen. Dies übernähmen für gewöhnlich Verwertungsfirmen, mit denen entsprechende Verträge geschlossen würden.

Manche Verbraucher karren sogar Gelbe Säcke nach Neerstedt. Bruns kennt den Grund: „Sie haben vergessen, die Säcke rechtzeitig zum Abfuhrtermin an die Straße zu stellen.“ Die Anlieferung von Grüner-Punkt-Wertstoffen hält sich allerdings in Grenzen. Ein einziger Container auf dem – übrigens videoüberwachten – Gelände der Müllumschlag-station reicht an „Kapazität“ aus.

Wer asbesthaltige Abfälle in Neerstedt entsorgen will, muss besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen. „So ist es vorbildlich“, deutet Bruns auf ein Paket aus dicker Folie, umwickelt mit breitem Klebeband. Hier kann nichts von den gesundheitsgefährdenden Fasern nach außen dringen. „Vor allem bei sommerlicher Wärme macht es Sinn, den Asbest vor dem Verpacken in Folie kräftig zu wässern“, empfiehlt der Abfallberater.

Die Betriebszeiten der Müllumschlagstation dürfen durchaus als kundenfreundlich gelten, zumal auch am Sonnabend von 7.30 Uhr bis 12 Uhr Anlieferungen möglich sind. Noch bis Ende September gilt überdies an den Donnerstagen eine verlängerte Öffnungszeit bis 18 Uhr.

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