Gedenken an Opfer des Holocaust / Riethmöller: Kampf gegen Rechts halbherzig

„Weg von Sonntagsreden“

Kian Shahidi (l.) und Bodo Gideon Riethmöller legten einen Kranz nieder.

Wildeshausen - WILDESHAUSEN (dr) · Schüler des Gymnasiums sangen „Heal the World“ von Michael Jackson zur Gitarre. Zudem sprachen Bodo Gideon Riethmöller vom Landesverband Jüdischer Gemeinden und Bürgermeister Kian Shahidi zum Gedenken an jüdische Mitbürger, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.

Trotz der bitteren Kälte hatten sich einige Wildeshauser auf dem jüdischen Friedhof an der Delmenhorster Straße versammelt, denn vor genau 65 Jahren erreichten sowjetische Truppen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz in der Nähe von Krakau, in dem Menschen gefoltert und ermordet wurden.

Bürgermeister Shahidi erinnerte an die Wildeshauser Familien de Haas, de Vries, Goldstein, Herzberg und Heinemann, die Opfer des Holocaust wurden. Stellvertretend nannte er Alfred Heinemann, der 1886 in Wildeshausen geboren wurde. Er zog als Deutscher mit allen männlichen Juden Wildeshausens in den Ersten Weltkrieg, war hier später angesehener Geschäftsmann und Kassierer des Handelsvereins. Heinemann wurde wie alle Wildeshauser und Oldenburger Juden zuerst ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht und dann aufgefordert, Deutschland zu verlassen. Er kam ins Bremer Ghetto, wurde 1941 nach Minsk deportiert, wo er zusammen mit seiner Haushälterin Gold Herzberg erschossen wurde.

„Möge das Leid und die Qual dieser Menschen niemals vergessen werden“, so Shahidi.

Bodo Gideon Riethmöller fragte, ob die Vermittlung der Schrecken der Shoa ohne moralischen Zeigefinger möglich ist. In jedem Fall müsse das Wissen um die Zusammenhänge der Shoa vertieft werden. „Erinnern, mahnen, erziehen und versöhnen sind die Maxime, die umgesetzt werden sollten von allen Verantwortungsträgern dieser Gesellschaft“, so Riethmöller. Um dem unterschwellig vorhandenen Antisemitismus in der Republik zu begegnen, müssten besonders auch „bildungsferne“ Jugendliche aufgeklärt werden. „Aber auch die Politiker müssen von ihren Sonntagsreden und von ihren Textbausteinen wie „Gesicht und Flagge zeigen, wegkommen. Bisher wurde der Kampf gegen Rechts, wenn überhaupt, recht halbherzig geführt“, so Riethmöller.

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