Wardenburg ist die erste „Fairtrade Town“ im Landkreis Oldenburg

In einer Reihe mit Paris

Wardenburg - Eigentlich ging es ja um etwas Wichtiges. Wardenburg hat am Freitag als erste Kommune im Landkreis Oldenburg den Titel „Fairtrade Town“ erhalten. Aber während der Reden von Bürgermeisterin, Landrat und einem Bundestagsabgeordneten fiel es den Jugendlichen des Blockflötenorchesters Wardenburg zunehmend schwer, Interesse zu heucheln.

Entweder guckten die mehrheitlich 13- bis 15-Jährigen gelangweilt in die Luft oder verdrehten genervt die Augen. Dabei steht Wardenburg seit Freitag, 16 Uhr, in einer Reihe mit London, Rom, Paris und St. Francisco, meint zumindest der „Verein zur Förderung des Fairen Handels“, der das Siegel verliehen hatte.

„Damit will er uns ein bisschen schmeicheln“, erkannte nicht nur Stefan Depta. Der Ratsherr (Grüne) hatte die Bewerbung 2011 mit angestoßen und erntete mit seiner Deutung der Passage einige Lacher von den rund 45 Anwesenden im Wardenburger Rathaus. Der Politiker las nicht nur seine eigenen Worte vor, sondern auch die Rede einer Vertreterin des Vereins, die der Urkundenübergabe aus terminlichen Gründen nicht beiwohnen konnte.

Die Fair-Trade-Gemeinde Wardenburg – von einer Town, also Stadt, zu sprechen, kam den anwesenden Laudatoren zu Recht merkwürdig vor – hat sich dieses Siegel als 353. Kommune in Deutschland dadurch verdient, dass sie fünf Kriterien (siehe Infokasten) erfüllt. Der Titel soll laut Depta die Öffentlichkeit über den fairen Handel vor Ort informieren.

Und es habe sich in letzter Zeit auch schon einiges in der rund 16500 Einwohner zählenden Gemeinde getan, meint der Ratsherr. So serviere ein Café fair gehandelten Kaffee sowie Zucker und eine Gärtnerei verkauft fair gehandelte Blumen. Auch bietet ein Eine-Welt-Laden schon seit vielen Jahren seine Produkte an. Aber das reicht Depta nicht, der anmerkte: „Ich bin häufig der einzige Kunde im Eine-Welt-Laden.“

Auch das in diesen Tagen überall präsente Thema Flüchtlinge führte er als Argument für fairen Handel ins Feld. Dieser gibt potenziellen Flüchtlinge eine Perspektive in ihren Heimatländern, hofft er. Allerdings „müssen wir bereit sein, einen fairen Preis zu bezahlen“, forderte Depta.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Blockflötenspieler den Rathaussaal schon verlassen. Aber vorher hatten die Musiker noch jeweils eine Rose von der Gemeinde bekommen. Fair gehandelt natürlich. Eine gute Idee. Mit Rosen lässt sich manchmal leichter Aufmerksamkeit gewinnen als mit Reden.

bor

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Urteil gegen Disco-Türsteher rechtskräftig

Urteil gegen Disco-Türsteher rechtskräftig

„Schekhan-Markt“ eröffnet neuen Verkaufsraum mit breiterem Angebot

„Schekhan-Markt“ eröffnet neuen Verkaufsraum mit breiterem Angebot

Kommentare