Vom endlosen Himmel in den Stall

Michael Fröhlich bewirtschaftet einen einzigartigen Hof

„Mutti Fröhlich“ mit den kürzlich geborenen Bentheimer Ferkeln.
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„Mutti Fröhlich“ mit den kürzlich geborenen Bentheimer Ferkeln.

Michael Fröhlich ist schon fast ein Fernsehstar. Die TV-Sender geben sich auf seinem Hof die Klinke in die Hand. Gerade erst hat der NDR die Reportage „Mutti Fröhlich rockt den Hof“ auf dem idyllischen Anwesen in Wardenburg abgedreht, da fragt auch schon das ZDF an. „Das will noch in diesem Herbst hier drehen. Und der NDR braucht ebenfalls einen Nachschlag“, erzählt Fröhlich.

Wardenburg – Zum Casting für das TV-Kochduell „Grill den Henssler“ ist er ebenfalls eingeladen worden. Den „Bremer Teller“ für den Regionalsender der Hansestadt „Buten un Binnen“ hat er auch schon gekocht. So richtig kann der ehemalige Flugbegleiter den Hype um den Bauernhof und Hofladen, den er gemeinsam mit seinem Mann Stefan Schmidt betreibt, noch gar nicht begreifen. „Wir sind doch nichts Besonderes.“ Damit untertreibt der 47-Jährige allerdings. Sowohl Fröhlich als auch der Hof im Wardenburger Ortsteil Westerburg sind einzigartig.

Das Ehepaar hält und züchtet mit „Bunten Bentheimern“ und Pinzgauern nicht nur seltene, vom Aussterben bedrohte Schweine- und Rinderrassen. Für die beiden haben auch die artgerechte Haltung und das Wohl ihrer Tiere oberste Priorität. Ihre Schweine, Rinder und Schafe leben in offenen Ställen. Die Tiere können jederzeit selbst entscheiden, ob sie sich drinnen oder draußen aufhalten möchten. Die Pinzgauer Rinder leben als Herde zusammen. Außerdem wird der Nachwuchs von den Muttertieren erst getrennt, wenn dieser sich von selbst abgenabelt hat. „Bei uns sind totgetretene Ferkelchen kein Thema. Die Tiere haben genug Platz“, macht Fröhlich klar.

„Mutti Fröhlich“ in Wardenburg ein echtes Original

Der ehemalige Flugbegleiter und Chefsteward – von allen nur „Mutti Fröhlich“ genannt – ist darüber hinaus ein echtes Original. Mit einzigartigem Charme und Entertainmentqualitäten führt er Gäste über den Hof und bedient die Kunden im Hofladen. Bei ihm sind sie allerdings keine Kunden, sondern Gäste. Beim Besuch wird geplauscht und auch die eine oder andere Tasse Kaffee getrunken.

Eine Kombination, die ankommt. Vor dreieinhalb Jahren öffneten Schmidt und Fröhlich ihren Hofladen. Bereits drei Monate später überstieg die Nachfrage ihrer Gäste das Angebot. „Dabei haben wir nie Werbung gemacht“, erzählt Fröhlich. „Das lief alles über Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Mittlerweile nehmen die Besucher auch weite Strecken in Kauf, um sich in Wardenburg mit Fleisch, Marmelade oder Honig zu versorgen. „Wir haben unter anderem Besucher aus Paderborn, Bielefeld und Hamburg“, berichtet Fröhlich.

Die Schweine, Rinder und Schafe haben auf dem Hof Schmidt jede Menge Platz.

Ein weiteres Thema, das den beiden am Herz liegt, ist Transparenz. „Bei uns können Besucher jederzeit auf den Hof kommen, einen Blick in die Ställe werfen und jedes Tier sehen“, versichert Fröhlich. „Wir sind kein Streichelzoo, bei dem die Tiere hinter den Kulissen schlecht gehalten werden.“ Diese Nähe zwischen ihren Kunden und den Nutztieren ist Fröhlich und Schmidt sehr wichtig. „Die Menschen sollen sehen, dass Fleisch nicht auf Bäumen wächst. Wir wollen damit das Bewusstsein unserer Kunden stärken, dass für ein Steak oder eine Wurst ein Tier sein Leben lassen muss“, verdeutlicht Fröhlich. Deshalb müssten die Tiere eine entsprechende Wertschätzung erfahren. „Das Leben unserer Nutztiere soll so angenehm wie möglich sein. Wir begleiten sie von der Geburt bis zum Tod, bei dem wir großen Wert darauf legen, dass dieser unter der Achtung der Würde des Tieres stattfindet.“

Auf eine Bio-Zertifizierung verzichtet das Ehepaar bewusst. „Wir möchten selber entscheiden, was das Beste für unsere Schweine, Rinder und Schafe ist. Unser Anliegen ist es, dass jeder bei uns Fleisch aus natürlicher Haltung kaufen kann und wir unsere Preise entsprechend halten“, erläutert Fröhlich. Zertifikate seien teuer und sagten nicht unbedingt etwas über die Fleischqualität und Haltung aus.

Ich kann mir jetzt nach Feierabend meine Arbeit anschauen. Das ist ein tolles Gefühl.

Michael Fröhlich

Fröhlich ist ein spät Berufener. Die meiste Zeit seines Lebens arbeitete der gelernte Reiseverkehrskauf- und Hotelfachmann im Dienstleistungssektor. Viele Jahre reiste er als Flugbegleiter über den Wolken um die Welt, bevor er gemeinsam mit seinem Mann in Wardenburg sein Zuhause fand. „Ich kann mir jetzt nach Feierabend meine Arbeit anschauen. Das ist ein tolles Gefühl“, erklärt Fröhlich. Einziger Haken: Fröhlich und Schmidt haben eigentlich nie Feierabend. „Irgendetwas gibt es immer zu tun.“

Ware so lange der Vorrat reicht

Zwei Tage in der Woche – freitags und samstags – ist der Laden in dem ehemaligen Stall geöffnet. Die Ware ist so lange da, wie der Vorrat reicht. „Am Samstag ist alles leer. Wir sind dann froh, wenn für uns mal eine Packung Bratwürstchen übrig bleibt.“ Der Hof Schmidt ist trotz aller Professionalität ein Nebenerwerbsbetrieb. Um das gemeinsame Leben finanzieren zu können, arbeitet Stefan Schmidt hauptberuflich als Agraringenieur. Vor neun Jahren entschloss sich das Paar, den brachliegenden Hof, der seit fünf Generationen im Familienbesitz von Schmidt ist, zu reaktivieren. Einen Plan hatten die beiden nicht. Sie legten einfach los. Stück für Stück rüsteten sie die Ställe nach ihren Vorstellungen um.

Auch die Entscheidung Bentheimer Schweine zu halten, fiel zufällig. Zur Hochzeit bekamen sie Hanni und Nanni geschenkt, ein zauberhaftes Pärchen dieser seltenen Rasse.

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