Zuzug aus der Stadt Oldenburg ist im Umland nicht ohne Weiteres willkommen

„Speckgürtel“ gibt Kommunen zu denken

In Huntlosen sind Bauunternehmen in diesen Tagen dabei, den Zugang zu einem neuen Baugebiet zu schaffen.
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In Huntlosen sind Bauunternehmen in diesen Tagen dabei, den Zugang zu einem neuen Baugebiet zu schaffen.

Großenkneten/Wardenburg/Oldenburg – Für die Gemeinde Großenkneten war es etwas Neues: Nicht, dass in Huntlosen ein weiteres Baugebiet entsteht, sondern die Umstände. Im Areal „Huntlosen, südlich Wilhelmsstraße“ soll ein Quadratmeter Bauland mehr als 100 Euro kosten. „Damit ist Großenkneten im Speckgürtel Oldenburgs angekommen“, hieß es im Gemeinderat, der während seiner letzten Sitzung in diesem Jahr die Verkaufs- und Vergabebedingungen beschlossen hat. So möchten Politik und Verwaltung, dass dort sozialer Wohnungsraum entsteht und, sofern etwas vermietet wird, dies generell langfristig geschieht. Die Vergabe der Plätze sichert die Kommune über ein Punktesystem. Bevorzugt werden dabei klar Personen, die ihren Wohnsitz bereits in der Gemeinde haben – je länger, umso mehr Punkte für die Anwartschaft können sie erhalten. Weitere Boni gibt es, wenn Bewerber einen Arbeitsplatz in der Gemeinde haben sowie geraume Zeit ehrenamtlich im Vorstand eines Vereins arbeiten oder aber Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr sind. Damit ließe sich regulieren, dass nicht nur Personen von außerhalb der Gemeinde in Huntlosen siedeln, hieß es.

Die Bedenken, die Ratsleute in Großenkneten haben, kann Frank Speckmann, Bauamtsleiter der Gemeinde Wardenburg, durchaus nachvollziehen. „Wir merken das jeden Tag ganz deutlich“, beschreibt er die Aufgabe, sowohl den Alteingesessenen als auch den Neu-Zugezogenen aus der Stadt Oldenburg gleichermaßen gerecht zu werden. Er nennt ein kurioses Beispiel: So sei eine Familie vom Oldenburger Stadtteil Eversten nach Hundsmühlen gezogen und habe sich im Bürgerbüro der Stadt – und nicht in Wardenburg – ummelden wollen.

Gründe, insbesondere in die Gemeinde Wardenburg zu ziehen, gebe es für Städter viele: Denn in der Stadt sei im Vergleich zum Umland kein Bauland zu bekommen – und wenn, dann nur zu entsprechend hohen Preisen. Etwa in Hundsmühlen sehe das ganz anders aus, hier lägen die Bodenpreise zwischen 220 und 240 Euro je Quadratmeter, in Tungeln bei 180 bis 200 Euro und in Wardenburg zwischen 190 und 220 Euro. Von Hundsmühlen aus sei man bereits nach zwei Kilometern in der Oldenburger Innenstadt angekommen – das sei weniger als von manchen Stadtteilen aus – und nach 1 000 Metern in der anderen Richtung sei man bereits mitten im Grünen, so Speckmann. Das sei natürlich für viele Interessenten attraktiv. Für die Gemeinde ergäben sich daraus natürlich ganz eigene Herausforderungen, so der Fachmann weiter: So machten sich täglich 3 000 Berufspendler aus der 17 000-Einwohner-Gemeinde auf den Weg in die Huntestadt: „Das ist die größte Anzahl, die von außerhalb nach Oldenburg fährt.“ Auch brächten Menschen, die ein städtisches Umfeld gewohnt sind, andere Anforderungen an ihren Wohnort mit, etwa was öffentlichen Nahverkehr, Straßenbeleuchtung, aber auch den kulturellen und den Freizeitbereich angeht. Neu-Bürger in die gewachsenen örtlichen Strukturen zu integrieren, sei eine wachsende Aufgabe der örtlichen Gemeinschaften und Bürgervereine. Ein besonderes Merkmal seiner Heimatgemeinde sei die Verteilung der Einwohner: So machten die vier Orte rund um Oldenburg etwa 6 000 Personen aus, Wardenburg – das weder Stadt noch Dorf sei – ebenfalls so viele. Der Rest verteile sich auf die kleinen Ortschaften, die ihrerseits „sehr selbstbewusst“ auftreten. „Es ist immer wieder ein Spagat – jeden Tag“, sagt Speckmann. Ein sprunghaftes Anwachsen der Einwohnerzahlen habe der Wardenburger Rat allerdings nie gewollt, erläutert der Bauamtsleiter: „Es muss zur Ortschaft passen.“ Darüber hinaus versuche die Politik, wann immer möglich im Rahmen städtebaulicher Verträge die Preise zu deckeln sowie Einheimische bei der Vergabe zu bevorzugen.

Ähnliches weiß auch Bürgermeister Christian Pundt aus der Gemeinde Hatten zu berichten. „Wir versuchen, moderat auszuschreiben“, berichtet er auf Anfrage. Wichtig sei, dass die Infrastruktur mitwachse, deswegen seien die Auswirkungen von neuen Wohngebieten vorab zu klären. Das ließe sich etwa in Sandkrug erkennen. Dort entstehe eine neue fünfzügige Kita, zudem verfüge der Ort jetzt über ein neues Feuerwehrhaus. Auch versuche die Gemeinde, in dem Ort Preise und Zuzug zu regeln. Und obwohl es sich dort um private Investoren handele, würden 50 Prozent der Verträge nach den Kriterien der Gemeinde vergeben. Es solle keine Wohngebiete nur mit „Externen“ mehr geben: „Wir wollen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen“. Insgesamt sei Hatten in den vergangenen Jahren nur moderat gewachsen, so Pundt. Den Zuzug in diesem Zeitraum schätzt er abschließend auf rund 800 bis 1000 Personen bei aktuell 15 000 Einwohnern.   fra

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