250 000 Euro auch für erweiterte Maßnahmen / Schadensersatz steht noch aus

Rathaus: Sanierung viel teurer

Wildeshausen – Die Fassade des historischen Rathauses der Stadt Wildeshausen ist seit wenigen Wochen saniert. Vorbei ist die Zeit, in der Arbeiter auf Gerüsten die Fugen ausklopften und wieder verfüllten – und endlich sieht das Mauerwerk wieder so aus, wie es die Wildeshauser gewohnt sind.

Die Kosten für die Sanierung sind allerdings auf das Dreieinhalbfache gestiegen. Waren ursprünglich rund 70 000 Euro eingeplant und vom Stadtrat bewilligt, kostete die gesamte – aber in der Zwischenzeit deutlich erweiterte Maßnahme – nach Angaben von Stadtpressesprecher Hans Ufferfilge nun rund 250 000 Euro. „In dieser Summe sind jedoch die streitbefindlichen Kosten gegenüber der seinerzeit ausführenden Firma enthalten. Dabei handelt es sich um ein laufendes Verfahren“, betont Ufferfilge auf Nachfrage.

Falsche Masse musste wieder entfernt werden

Wie berichtet, hatte die erstbeauftragte Firme die Arbeiten nicht so ausgeführt, wie es von der Stadt und dem Denkmalschutz gefordert war. Gravierendste Fehler waren ein unsachgemäßes Herausschlagen der Fugen und der Einsatz von ungeeignetem Muschelkalk. Nach Auskunft der Stadtverwaltung, kurz nach Aufdeckung des Handwerkerpfusches, war nach einer labortechnischen Untersuchung festgestellt worden, dass das ursprünglich vorgesehene Material nicht zur Anwendung gekommen war und die falsche Masse wieder entfernt werden musste.

Die Firma wurde angemahnt, die Fugen erneut freizuklopfen und geeigneten Muschelkalk zu verwenden. Das allerdings klappte nicht, weil die Mitarbeiter des Unternehmens nur noch sporadisch auftauchten und dann gar nichts mehr machten. Schließlich hatte die Stadt die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen beendet und Schadensersatzforderungen angekündigt. Eine neu beauftragte Firma hatte dann im Frühjahr 2019 damit begonnen, sämtliche Fugen wieder freizuklopfen und fachgerecht zu füllen. Diesmal allerdings mussten die Handwerker das Material noch tiefer herausholen, weil das Mauerwerk stark geschädigt war.

„Im Zuge der Wiederherstellung der Fugen hat sich die Notwendigkeit ergeben, dass darüber hinaus sämtliche Maßnahmen, die der Monumentendienst bei einer Begutachtung der Außenfassade festgestellt hatte, gleichzeitig mit umgesetzt wurden“, berichtet Ufferfilge. Diese Notwendigkeiten seien aufrund der Einrüstung des Gebäudes offensichtlich geworden. „Insofern wurden die Synergien genutzt“, so der Stadtpressesprecher.

Es gibt einiges zu sanieren

Der Monumentendienst hatte schon vor Beginn der Sanierung einige Maßnahmen empfohlen, die spätestens in zehn Jahren umgesetzt werden sollten, um das Gebäude zu erhalten. Für den Außenbereich galt es, neben der Sanierung der Fugen korrodierende Eisenteile zu behandeln, Spannungsrisse im Mauerwerk zu entfernen, die Freitreppe zu reparieren und die Salzbelastung zu verringern. Doch auch am Dach gab und gibt es einiges zu tun. So waren Teile der Fachwerk-Anschlussbereiche offen und die Verbretterung, die Sparren sowie die Ziegeleindeckung geschädigt. Es wurden eine mangelhafte Vermörtelung, Schädigungen am Dachfenster sowie Insektenbefall durch den gescheckten Nagekäfer ermittelt. Auch die Wärmedämmung der Gebäudehülle wurde als unzureichend bezeichnet.

Elektrotechnik ist veraltet

Im Innenbereich hat die Stadt auch noch einiges abzuarbeiten. Dort gibt es bei Bauteilen Verformungen sowie Risse. Der Putzmörtel haftet an einigen Stellen nicht mehr, Holzbauteile sind schadhaft und Fensterbeschläge verzogen. Es gibt Ausblühungen im Mauerwerk durch Schadsalze. Weiterer Sanierungs- oder Modernisierungsbedarf wurde bei der schlechten Akustik, fehlender Lüftung und Klimatisierung, überalteter Elektrotechnik und dem nicht vorhandenen barrierefreien Zugang aktenkundig. Letztgenannter soll immerhin bis Herbst mithilfe eines Fahrstuhles in der Häusing zum benachbarten Kaufhaus Schnittker geschaffen werden. Für die weiteren Arbeiten gibt es bislang noch kein öffentlich genanntes Zeitfenster.  dr

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