300 Zuhörer in Wardenburg 

Vor der Landtagswahl: Politiker stellen sich Bauern

+
Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne), Christian Dürr (FDP), Hans-Joachim Janßen (Grüne), Johanne Modder (SPD) und Bernd Althusmann (CDU, von links) stellten sich den Fragen.

Wardenburg - Das Verhältnis zwischen Landwirten und den Politikern ist nicht immer ohne Spannungen. Vor der Landtagswahl haben sich Landespolitiker am Donnerstag einigen Landwirten bei einer Podiumsdiskussion in Wardenburg gestellt.

Helmut Urban, Geschäftsführer der Landtage Nord, ist Landwirt und Unternehmer. Seit 1984 entwickelt und vermarktet sein Unternehmen Maschinen im Landkreis Oldenburg, etwa Kraftfutterstationen oder Kälbertränkemixer. Urban ist „Bauer aus Leidenschaft“, wie er selber sagt. Knapp sieben Wochen vor der Landtagswahl diskutierte der Wüstinger nun im „Wardenburger Hof“ mit niedersächsischen Spitzenpolitikern über die Zukunft seines Berufsstandes.

Rund 300 Zuhörer aus dem Oldenburger Land und darüber hinaus verfolgten Urbans Worte aufmerksam und applaudieren ihm immer wieder – etwa, wenn er beklagte, dass Landwirte unter zu viel Bürokratie und ihrem Negativ-Image in der Gesellschaft leiden. „Unsere Kinder möchten die Betriebe weiterführen“, betonte er. Dazu bräuchten sie aber die Anerkennung der Gesellschaft. „Dafür wird nicht genug getan“, sagte Urban.

Für Althusmann fast ein Heimspiel

Für den CDU-Spitzenkandidaten Bernd Althusmann war die Diskussion fast ein Heimspiel. Er griff den Faden auf, den Urban gesponnen hatte. „Wer die Landwirtschaft immer zuerst wegen Verstößen gegen Tierschutz mit Misstrauen begegnet, der wird den Bäuerinnen und Bauern nicht gerecht“, sagte Althusmann. Er beklagte, dass es von Jahr zu Jahr weniger bäuerliche Betriebe gibt, weil Landwirte aufgeben. Die Politik dürfe diese nicht so sehr mit Vorschriften gängeln, sondern müsse bei Veränderungsprozessen Schützenhilfe geben, forderte der CDU-Mann.

SPD-Fraktionschefin Johanne Modder betonte ihre Verbundenheit mit den Bauern. Sie sei Mitglied der Landfrauen und komme vom Land, sagte die Ostfriesin nicht ohne Stolz. Die rot-grüne Politik der vergangenen vier Jahre in Niedersachsen sei eine Erfolgsgeschichte gewesen, fand Modder. Sie lobte den grünen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, sagte aber auch, die SPD habe bei vielen grünen Vorhaben die Maximalforderungen abgewendet und für einen Kompromiss gesorgt – „für das, was realistisch ist“.

Modder gibt auch Probleme zu

Man dürfe nicht ausblenden, dass es auch Probleme gebe, sagte Modder an CDU-Kandidat Althusmann gewandt. „So zu tun, als ob wir bestimmte Probleme in der Welt nicht hätten, wäre fatal“, betonte sie und wies auf erhöhte Nitratwerte im Wasser hin.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr fand, dass die Diskussion um Agrarthemen wieder sachlicher werden muss. Die Polemik tue vielen Debatten nicht gut, meinte der Liberale und führte als Beispiel den Streit um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat an. Manch ein grüner Politiker habe bewusst die Aussagen von Wissenschaftlern in Zweifel gezogen. „Die Diskussion über Landwirtschaft gerät oft leicht aus den Fugen“, sagte der Ganderkeseer.

Dass die Politik in einer Art Elfenbeinturm sitze und über die Köpfe der Landwirte hinweg entscheide, verneinte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Hans-Joachim Janßen. „Auch die Grünen sprechen regelmäßig mit dem Landvolk und mit Landwirten.“ Politik sei aber die Kunst, Interessen unterschiedlicher Gruppen in Übereinstimmung zu bringen. 

Bauern seien wichtig, aber es müssten auch die Interessen der Verbraucher berücksichtigt werden. Dass die rot-grüne Landesregierung für viele bürokratische Auflagen verantwortlich sei, unter denen die Landwirtschaft leide, wiesen Janßen und Landwirtschaftsminister Christian Meyer von sich. Die Düngeverordnung etwa sei Sache des Bundes, so Meyer.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Bayern wahren Chance auf Gruppensieg - 2:1 bei Anderlecht

Bayern wahren Chance auf Gruppensieg - 2:1 bei Anderlecht

Barca und Chelsea im Achtelfinale - Man United patzt

Barca und Chelsea im Achtelfinale - Man United patzt

Mugabes Nachfolger Mnangagwa verspricht Jobs und Demokratie

Mugabes Nachfolger Mnangagwa verspricht Jobs und Demokratie

Argentinische Marine: "Keine Spur des verschollenen U-Boots"

Argentinische Marine: "Keine Spur des verschollenen U-Boots"

Meistgelesene Artikel

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Radfahrer gerät in Oldenburg unter Lastwagen

Radfahrer gerät in Oldenburg unter Lastwagen

Kommentare