Fachtagung in Wardenburg / Pilotprojekt mit Paludikulturen in Ganderkesee geplant

Moorschutz – gut für Klima und Wirtschaft

Moor-Nutzung: Schilfernte mit einem Häcksler.
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Moor-Nutzung: Schilfernte mit einem Häcksler.

Wardenburg – Moore und Torfböden machten elf Prozent der Fläche Niedersachsen aus, sagte Landes-Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Donnerstag in Wardenburg. Doch müssten diese Gebiete nicht nur als Aufgaben, sondern künftig vielmehr als Chance für den Klimaschutz, aber auch die Wirtschaft verstanden werden. Der Sozialdemokrat hielt im Wardenburger Hof ein Grußwort im Rahmen der Tagung „Nachwachsende Rohstoffe aus vernässten Mooren“ des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und des Kompetenzzentrums „3N“ für nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie in Niedersachsen mit Sitz in Werlte.

Die Veranstaltung, die im Internet übertragen wurde, war der Auftakt des Verbundvorhabens „Produktketten aus Niedermoorbiomasse“. Dabei geht es um die nachhaltige Bewirtschaftung von derzeit noch herkömmlich landwirtschaftlich genutzten Moorböden. „Die Probleme, die durch die Entwässerung dieser Areale entstehen, werden immer deutlicher“, hatte „3N“ das Problemfeld in der Ankündigung der Veranstaltung umrissen. Mittels sogenannter Paludikulturen – einer Form der Landwirtschaft, die auf der Nutzung von nassen organischen Böden basiert – könne dem entgegengewirkt werden. Etwa durch den Anbau von Rohrkolben werde der Boden geschützt, der wertvolle Torf erhalten und die Treibhausgasemissionen des Untergrundes auf ein Minimum reduziert. Gleichzeitig versprechen sich die Beteiligten weitere positive Auswirkungen auf das Ökosystem und zudem die Möglichkeit, nachwachsende Rohstoffe für die Herstellung nachhaltiger Produkte – wie zum Beispiel Dämmstoffe – zu gewinnen. In dem Vorhaben werden erste Pilotflächen für die Paludikulturen eingerichtet, unter anderem ab Oktober 3 000 Quadratmeter im Hohenbökener Moor in der Gemeinde Ganderkesee sowie auf Flächen in den Landkreisen Vechta und Cuxhaven, sagte 3N-Projektkoordinator Dr. Colja Beyer.

„Danke, dass Sie zu einem unglaublich zentralen Thema zusammengekommen sind“, lobte der Minister die rund 50 anwesenden Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis. Lange Zeit eher unbeobachtet, sei das Thema Moorschutz in den vergangenen Jahren in das Bewusstsein der Bevölkerung geraten, so Lies. Der Handlungsbedarf bei Mooren sei „riesengroß“, unterstrich er. Doch sei es an der Zeit, diesen in Lösungen zu transformieren „und nicht nur besorgt zu sein.“ Das neue Projekt betrachte die Areale nicht nur als natürlichen CO2-Speicher, sondern beschäftige sich auch mit einer nachhaltigen Nutzung. „Sonst gibt es nur Entweder-oder“, betont er. Durch den neuen Ansatz sei beides möglich. Im Rahmen des Klimawandels ändere sich die Frage, wie künftig mit Wasser umgegangen werden sollte. Früher galt „es kommt, es geht, es muss schnell wieder weg“, so Lies. Dies könne so nicht bleiben. Doch werde ein Wassermanagement technische Eingriffe zur Folge haben müssen. fra

Inhaltlich eng beieinander: die Projektbeteiligten mit Minister Olaf Lies (2.v.r.) in Wardenburg.

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