Wardenburger Tischler fertigt Hunderte Nistkästen für Vögel an

Leimen, schrauben und hobeln für den Piepmatz

Mit einer Nagelpistole befestigt Tischler Helmut Martens in seiner Werkstatt die Wände an der Rückseite des Nistkastens. Hinter ihm liegen auf einem Rollbrett einige der 350 Kästen, die er im Winter gebaut hat.

Wardenburg/Littel - Geübt verstreichen die 83 Jahre alten Finger von Helmut Martens den Leim auf einem Holzstück, das die Rückwand eines Nistkastens werden soll. „Was sicher ist, ist sicher“, bemerkt der Tischlermeister, dessen Engagement dem Naturschutz im ganzen Landkreis Oldenburg zugute kommt.

Wie das mit den Nistkästen alles angefangen hat, weiß Helmut Martens gar nicht mehr so genau. Warum der 83-jährige Handwerker im Winter jeden Tag in seiner Werkstatt hinter dem Wohnhaus in Littel (Gemeinde Wardenburg) verschwindet und Hunderte Nistkästen baut, weiß er hingegen sehr gut: „Die kleinen Piepmätze tun einem ja leid.“

Um den Vögeln zu einem Zuhause zu verhelfen, leimt, schraubt und hobelt Martens seit Langem herum. „Ich habe das schon immer gemacht“, sagt er. Die Kästen gibt er an die Naturschutzstiftung des Landkreises Oldenburg weiter, der sie für fünf Euro verkauft. Sie hängen überall im Landkreis.

Doch noch hält er ja nur die eine Rückwand in den Händen. Flugs schmiert der Litteler auch die andere Seite mit Leim ein und schnappt sich die beiden Seitenstücke, die auf seiner auf den ersten Blick nach dem Chaosprinzip geordneten Werkbank liegen.

Im Sommer bereitet der 83-Jährige das Holz vor, kauft es beim Förster oder nimmt es „fürs Singen“ mit, wenn gerade Holz über ist. Wofür? „Das ist eine Redewendung“, erklärt er mit einem Lächeln. „Heißt soviel wie kostenlos oder für das Abbauen.“ Anschließend lässt er das Material sägen. Häufig nimmt er Weimutskiefer.

Inzwischen hat Martens einen elektrischen Bohrer in der Hand und bringt zwei kleine Öffnungen für Schrauben an, die später die Klappe des Kastens halten sollen. Mithilfe einer Nagelpistole befestigt der ehemalige Feuerwehrmann die Seitenstücke zusätzlich zum Leim an der Rückwand. Sicher ist sicher.

Aus Sicherheitsgründen gibt es auch keine Stange an der Front des Nistkastens. „Elstern könnten darauf sitzen und die Jungen rausziehen. Katzen und Marder kennen das auch“, erklärt Martens. Einmal habe er fünf Meisenküken auf dem Rasen gefunden. „Ich habe sie wieder in den Nistkasten gebracht, aber die Alten haben sie nicht mehr gefüttert.“ Es tut ihm um jeden Vogel leid.

Wenn er gerade nicht in der Werkstatt ist, sitzt er gern am Fenster und beobachtet Meisen, Stare und Rotkehlchen, wie sie umherfliegen. Auch in der Nachbarschaft hat er Nistkästen verteilt. Bei einem gar 20 Exemplare, schätzt er.

So weit ist sein jetziges Stück noch nicht. Das Bodenstück muss noch etwas gehobelt und gesägt werden. Vorne und hinten lässt der Tischler einen Spalt frei. Für die Belüftung. Sonst drohe Schimmel, meint Martens. „So etwas lernt man nur in der Praxis.“ Anschließend bringt er noch die Klappe mit dem gefrästen Einflugloch – 30 Millimeter für Meisen sowie Spatzen und 40 Millimeter für Stare – und ein kurzes Stück Kabel an, das die Klappe hält. 350 solche Kästen hat er diesen Winter gebaut, und noch scheint er dessen nicht müde zu werden.

Der Litteler besitzt auch einen Jagdschein, merkt aber an, er habe nur zwei Rehböcke geschossen. „Ich mag es lieber, sie anzuschauen“, sagt er mit einem Lächeln.

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