39-Jähriger bringt Traditionsgeschichten mit Humor in Reimform

Lars Kramer poliert Sagen auf

Auch nach mehreren Büchern noch ein gutes Team: Lars Kramer (l.) und Rudi Kohls mit den vier Bänden der Reihe „Is’ ja sagenhaft!“ Foto: backhaus

Achternmeer – Fassen kann er’s nicht, aber lassen auch nicht – das schreibt Lars Kramer im Vorwort: Der Achternmeerer hat den vierten Band seiner Reihe „Is’ ja sagenhaft!“ veröffentlicht. Erneut hat Rudi Kohls das schmale Buch mit norddeutschen Traditionsgeschichten von Usedom bis Ostfriesland illustriert.

„Speziell, aber auch ein bisschen derb“, so beschreibt Kramer seine Texte. In den sechs- oder achtzeiligen Strophen geht es flott zu: „Er wollte heil zu Kind und Mutter und holte alles aus dem Kutter. Die Flucht glich, ja, wie soll ich’s nennen, schon fast ‘nem halben Speedboot-Rennen. Der Fischer machte sich vom Acker und schlug sich dabei ziemlich wacker.“ Am Ende ist es eine vom Himmel fallende Leichenhand, die den Mann im tobenden Gewitter nach Hause geleitet. „Und die Moral von dieser Schote: Vergiss für’s Glück die Hasenpfote! ‘Ne Zombiehand am Schlüsselbund, und du bleibst geldgeil und gesund!“

Wenn er nach Sagen recherchiert, sucht er nach Geschichten mit einer Botschaft und einem humoristischen Anteil, erzählt der 39-Jährige. Den aktuellen Bezug dichtet Kramer dazu. Ein Beispiel: Die Geschichte „Der Mägdesprung auf dem Rugard“, die bei ihm „Runaway-Rugard“ heißt. In Gummistiefeln und mit wehenden Röcken rettet sich die junge Frau vor dem Junker „aus irgend so ‘nem Herrschaftsbunker“, dessen „Gegrabsche somit auch ‘ne schlimme Form von Machtmissbrauch“ ist. Nicht nur diese moderne Sichtweise auf Unterdrückungsverhältnisse, auch die neuzeitlichen Gummischuhe machen aus der alten Sage zeitgemäße Reimkunst.

Für den 39-Jährigen, der hauptberuflich als Pfleger arbeitet, ist das Schreiben ein kreativer Ausgleich in der Freizeit. Auch Rudi Kohls, der alle vier Bände illustriert hat, hat große Freude am gemeinsamen Projekt. Er hat am Computer und mit der Hand gezeichnet und für das aktuelle Buch etwas ganz Neues ausprobiert: Jede der abgebildeten Sagenfiguren hat eine Sprechblase. Außerdem hat der 67-Jährige auch eine Geschichte zu „Is’ ja sagenhaft!“ beigesteuert. Er habe sich an einen Besuch in Brandenburg erinnert, bei dem er das Grabmal eines mumifizierten Ritters besuchte, erzählt Kohls, und die Geschichte für buchreif befunden. Kramers Fassung „Die Schnäppchen-Mumie“ erzählt von dem Untoten, der für ein Verbrechen büßt: „Als sich der Deckel dann bewegte und sich der Staub allmählich legte, da ließ es manchen nach den Blicken direkt aus seinen Stiefeln kicken. Es starrte unglaubwürdig jeder auf ein Gespenst aus Fleisch und Leder.“

Mumienmann, Trompetenschlumpf, Götterwall – beim Blättern stoßen Leser immer wieder auf Wortspiele und Neuschöpfungen. Das macht ihm Spaß, sagt der Achternmeerer. Manchmal sei es nur ein Begriff, manchmal ein ganzer Satz, der ihm spontan einfällt und der dann zum Text wird. „Auf gewisse Reime bin ich stolz“, sagt der 39-Jährige. Für ihn ist der vierte Band nicht der letzte: Insgesamt hat er bereits acht Bücher veröffentlicht – „zehn wäre eine schöne Zahl“, findet er.  kab

Lesung

Lars Kramer liest am Freitag, 29. November, ab 15 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Achternmeer aus dem vierten Band seiner Reihe „Is’ ja sagenhaft!“. Das Buch ist im Engelsdorfer Verlag erschienen und kostet 8,40 Euro. Weitere Informationen unter www.larskramer.de.

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