Initiative putzt Stolpersteine und warnt vor rechtsextremen Tendenzen

Gedenken und Mahnung

Stolpersteine putzen: Am Sonnabend war die Initiative in der Stadt Wildeshausen unterwegs.
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Stolpersteine putzen: Am Sonnabend war die Initiative in der Stadt Wildeshausen unterwegs.

Wildeshausen – Mitglieder des Bündnisses „So.Wi. WIR – Solidarisches Wildeshausen“ haben am Sonnabend die Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Mitbürger, die von den Nationalsozialisten umgebracht wurden, geputzt. Zudem trafen sie sich am jüdischen Friedhof, um den in Wildeshausen geborenen und längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen, sowie der mindestens sechs Millionen weiteren Juden, die in der NS-Zeit umgekommen sind zu gedenken.

Detlev Hesse von der Arbeitsgemeinschaft „Mit Courage gegen Rechts“ betonte: „Das Gedenken an die Opfer der Pogrome in der Zeit vom 7. bis zum 13. November 1938 und dem Höhepunkt am 9. November sowie das Benennen der Täter, die Synagogen, Häuser und Geschäfte anzündeten, ihre jüdischen Nachbarn demütigten, schlugen, vergewaltigten und ermordeten, ist ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen Rechts und ist wichtiger denn je in Zeiten des gesellschaftlichen Rechtsrucks.“

Gebäude der ehemaligen Synagoge zerstört

Bei den Pogromen wurde das Synagogengebäude in Wildeshausen durch SA- und Feuerwehrangehörige am helllichten Tag und vor zahlreichen Zuschauern zerstört, obwohl das Haus kurz zuvor für 1 500 Reichsmark an einen Bäckermeister in der Nachbarschaft verkauft und von der jüdischen Gemeinde geräumt worden war.

Aus den Holzständern des Fachwerkbaus wurde später eine Scheune errichtet. Die fünf jüdischen Männer in der Stadt wurden in das KZ Sachsenhausen verbracht und dort bis Anfang 1939 festgehalten.

Juden nach Mins deportiert

Am 1. September 1939 lebten noch zehn jüdische Personen in der Stadt. Bis Mitte Mai 1940 mussten sie mit den Juden des Oldenburger Landes und Ostfrieslands Wildeshausen verlassen. Sie wurden in „Judenhäusern“ in Bremen zusammengepfercht und im November 1941 nach Minsk deportiert.

Von der Initiative heißt es: „Wir gedenken Bernhard de Haas, Fritz de Haas, Helene de Haas geb. Gimnicher, Moritz de Haas, Ruth de Haas, Sophie de Haas geb. van der Zyl, Frieda de Vries, Jenny de Vries, Jonny de Vries, Alfred Heinemann, Else Rosenbaum geb. Heinemann, Golda Herzberg, Arthur Goldstein, Harry (Hermann Herz) Renberg und Joel Renberg.“

Zum Kampf gegen Rechts gehöre es auch, die gesellschaftlichen Strukturen zu benennen, die die Verbrechen während der NS-Zeit ermöglichten und Kontinuitäten aufzuzeigen, so die Initiative in ihrer Pressemitteilung: „Denn auch 82 Jahre nach dem Novemberpogrom treten antisemitische, rassistische und sexistische Ideologien wieder immer offener zutage. In jüngster Vergangenheit zeigte sich das, als Tausende „besorgte Bürger“ im Schulterschluss mit Nazis durch die Straßen liefen, um wahlweise gegen Geflüchtete oder aber gegen die angebliche Corona-Verschwörung der Eliten zu demonstrieren.“ Nicht zuletzt sei das durch personelle Überschneidungen zwischen den Oldenburger „Corona-Demos“ und der aktiven extremen Rechten in der letzten Monaten deutlich geworden, so die Initiative abschließend.

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