Thymian Bier, „Tungelsch“ und „Kioskplörre“

My Bier: Gebraut wird, was (und weil es) schmeckt

Ein Mann steht neben einem Braukessel.
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Frank Ludwig hat bis September dieses Jahres 43 Hektoliter Bier aller Sorten in Handarbeit gebraut.

Tungeln – Frank Ludwig und Janna Claußen mögen Bier – nicht nur das Getränk, sondern alles, was mit seiner Herstellung zu tun hat. So sehr sogar, dass sie schließlich ihre gelernten Berufe an den Nagel gehängt haben – er ist promovierter Elektroingenieur, sie gelernte Krankenschwester – und sich ganz auf das Brauen von Bier sowie auf Beratung und den Vertrieb der dafür notwendigen Materialien konzentriert haben.

Zusammen betreibt das Ehepaar in Tungeln „My Bier“, einen Spezialhandel für Zutaten und Brauereizubehör. Ludwig braut natürlich auch selber, gerne auch mit lokalem Einschlag: Ob Landbier, Pale Ale, Tungeler Spezial, Lethe Bock, Wardenburger Hell und Dunkel und auch „Kioskplörre“ (zu dem Namen später mehr) – zehn Sorten sind aktuell im Angebot.

Als Firmensitz hat das Ehepaar 2017 einen denkbar passenden Standort gefunden: den alten „Tungeler Krug“ aus dem Jahr 1903 – die ehemalige Dorfkneipe. „Und die ist es immer noch“, sagt Ludwig. Dort befindet sich jetzt nicht nur das Ladengeschäft für den Brauereibedarf und die eigene Brauanlage: Die beiden Bier-Enthusiasten bieten dort an der historischen Theke und weiteren Räumen die eigenen Kreationen an, bei gutem Wetter auch in einem Biergarten.

Selbstgebrautes schmeckte besser

Geplant war das alles nicht: „Ich habe früh mit Backen und Kochen angefangen“, berichtet der 39-Jährige. „Kaufbiere“ hätten ihm damals gut geschmeckt. Und so sei eins zum anderen gekommen. Als angehender Ingenieur („wie funktioniert die Welt?“) habe er sich irgendwann selbst daran versucht – und gemerkt, dass es viel besser schmeckte. Daraus habe sich vor 16 Jahren der Versandhandel mit den Brauzutaten und dem Zubehör entwickelt, berichten die beiden weiter – buchstäblich aus dem Keller und vom Dachboden seiner Eltern in Wardenburg. Doch das war irgendwann nicht mehr genug – „die Leute wollte das anfassen“, wollten schmecken und beraten werden, so Ludwig. So entstand der Wunsch nach einem kleinen Ladengeschäft in Oldenburg, etwa 50 bis 100 Quadratmeter.

Doch das war nicht machbar: „Die Mieten waren sehr hoch, es war schwierig, etwas zu finden“, berichtet Claußen. Nach dem Kauf des „Krugs“ und einigem Renovieren konnte das Paar dann sein Konzept umsetzen. Kunde kämen aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern in das Dorf vor der Stadtgrenze Oldenburgs. „Nicht alle können sich vorstellen, dass es zuhause klappt“, erzählt sie. Umso begeistert seien die Hobbybrauer dann, wenn das eigene Erzeugnis tatsächlich gut schmeckt. „Manche bringen dann ihr Bier beim nächsten Besuch zu uns mit“, freut sie sich über die direkte Rückmeldung der stolzen Hobbybrauer. „Das ist intensiver als im Internet“, zieht sie den Vergleich zum reinen Versandhandel.

Bierbrauen nach Kundenwunsch

Ludwig berät nicht nur Hobbybrauer oder bringt Interessierten in Kursen das Brauen bei, er produziert auch im Auftrag: So hat sich ein Whisky-Freund ein Bier aus getorfter Gerste gewünscht, andere wollten den Hopfen aus dem eigenen Garten verwendet wissen, ein andere hatte den Wunsch nach einem Thymian-Bier – alles kein Problem. Ein aus Köln stammender Bierfreund sollte mit einem frischen Getränk aus dem Oldenburger Land überrascht werden – auch das war kein Problem. Allerdings durfte dieses aufgrund der geschützten Bezeichnung nicht „Kölsch“ heißen – so entstand das „Tungelsch“. Und woher stammt nun der ungewöhnliche Name „Kioskplörre“? Im Dorf gibt es einen nahen Kiosk, der auch Brötchen verkauft, berichten die beiden Tungeler. Manchmal bleiben jedoch so viele Backwaren übrig, dass selbst die örtlichen Pferdehalter nicht alle abnehmen können. Da kam die Idee auf, die Brötchen wiederzuverwenden – als ein Teil der Maische. Da sich das Produkt, das zwar aussieht und schmeckt wie Bier, sich nach deutschem Recht nicht so nennen darf, musste ein passender Name her – Kunden und Freunde im Internet stimmten ab, die „Kioskplörre“ gewann. Ob Brötchen, Hafer, Emmer, Roggen oder Dinkel: „Beim Brauen gibt es keine Tabus“, unterstreicht der 39-Jährige.

Bierbrauer, so scheint es, sind ein kommunikatives Völkchen – und stehen im Kontakt miteinander. Eben diesen hatte Ludwig auch zu Stephan Bannas, der bis vor einem Jahr in der Wildeshauser Bauerschaft Lohmühle seine Brauerei betrieb. Als er seine Firma schloss, hat der Tungeler Teile der Brau-Ausrüstung übernommen. Und verwendet sie jetzt in der Gemeinde Wardenburg.

Janna Claußen kennt sich mit den Zutaten aus.
Gut erhalten und renoviert: der „Tungeler Krug“.

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