Gericht stoppt sämtliche Besuchsrechte

Familie des Opfers Blutrache angedroht

Wardenburg - Im Ehrenmord-Prozess gegen den 37 Jahre alten Iraker, der am 17. Mai dieses Jahres in seinem Haus in Wardenburg aus Eifersucht seine Ehefrau mit neun Messerstichen in Hals und Bauch getötet haben soll, ist es am Freitag zu einer Eskalation gekommen.

Die Familie des Angeklagten soll der Familie des Opfers Blutrache angedroht haben. Erstere fordert den sofortigen Stopp des Verfahrens. Um Einfluss zu nehmen, hatten Verwandte des 37-Jährigen am vergangenen Sonntag angeblich die Familie des Opfers aufgesucht und dieser unmissverständlich klar gemacht, dass alles noch viel schlimmer kommen würde, wenn das Verfahren weitergeführt werde. 

Möglicherweise unterliegen die Angehörigen des Irakers der irrigen Annahme, dass die Familie des Opfers den Ehrenmord-Prozess vor der Oldenburger Schwurgerichtskammer stoppen kann. Die Verwandten der Ehefrau sollen in dem Gespräch auf den Rechtsstaat hingewiesen haben. Sie wollten die „Angelegenheit“ nicht intern, also unter den beiden Familien, „regeln“.

Sippen tiefer verbunden

Die beiden Sippen sind außer durch den Angeklagten und die getötete Frau noch durch eine zweite Ehe miteinander verbunden. Die Schwester des 37-Jährigen ist mit einem Mitglied aus der Familie der Toten verheiratet. Deren Angehörige schließen nun nicht aus, dass diese Ehe für ungültig erklärt und die Frau zurück in die Herkunftsfamilie geholt wird.

So oder so: Die Opferfamilie, darunter die beiden Brüder der Toten, die im jetzigen Prozess als Nebenkläger auftreten, hat das Gespräch als äußerst bedrohlich empfunden. Die Einflussnahme der Familie des Angeklagten hat den Vorsitzenden Richter während des Prozesstermins am Freitag auf die Palme gebracht. Er stoppte sofort das Besuchsrecht für den Angeklagten, der in Haft sitzt. „Hüten Sie sich davor, Einfluss auf das Verfahren zu nehmen“, sagte der Richter zu den Angehörigen des 37-Jährigen.

Auf Antrag des Oldenburger Rechtsanwaltes, der einen der Nebenkläger vertritt, mussten dann während der Anhörung der Brüder der getöteten Frau alle Zuhörer den Sitzungssaal des Oldenburger Schwurgerichts verlassen. Die Nebenkläger sahen sich ansonsten außerstande, in Anwesenheit der Angehörigen des Angeklagten als Zeugen vor der Kammer auszusagen.

wz

Rubriklistenbild: © dpa

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