Angehende Seniorenbegleiter ziehen ihre Motivation auch aus persönlichen Erfahrungen

Einsatz für das Gemeinwesen

Locker geht es zu in der Fortbildung. Die angehenden Seniorenbegleiter duzen sich und kommen bestens miteinander klar.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· „Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück; denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück.“ Diese Lebensweisheit in Reimen haben elf angehende Seniorenbegleiter aus der Samtgemeinde Harpstedt, Bassum und Ganderkesee als Leitspruch für ihre künftige Aufgabe auserkoren.

Seit zwei Wochen gibt ihnen Volkshochschuldozentin Irene Veenhuis, von allen Reni genannt, das nötige Rüstzeug in der Delmeschule an die Hand.

Durch Vermittlung über das in Wardenburg ansässige Kreis-Senioren-Service-Büro wollen die jetzigen „Azubis“ später hilfsbedürftige ältere Menschen mit kleinen Gefälligkeiten unterstützen, den Alltag besser zu meistern und der Vereinsamung entgegen zu wirken. Sie werden dann vielleicht „gebucht“, um Senioren ins Kino oder Theater zu begleiten. Womöglich auch, um ihnen bei Behördengängen zur Seite zu stehen. Nicht mehr ganz so rüstige Damen, die Hilfe beim Aufhängen ihrer Gardinen oder Tragen der Einkaufstasche brauchen, betagte Herren, die Schachpartner suchen, ältere Menschen, die wegen eingeschränkter Sehfähigkeit etwas vorgelesen bekommen möchten – das sind denkbare Zielgruppen, denen die Seniorenbegleiter in spe einen Teil ihrer Freizeit opfern möchten.

Ihre Motivation ziehen sie auch aus persönlichen Erfahrungen, so etwa Heike Grape: „Meinen Eltern fällt es nicht immer leicht, Anträge zu stellen. Um mit Behörden zurecht zu kommen, bedarf es schon mal Durchsetzungsvermögen. Da können ältere Menschen Hilfe gut gebrauchen.“ Ehrenamtliche  wollen die künftigen Seniorenbegleiter nicht so gern genannt werden, denn sie schielen überhaupt nicht darauf, zu „Ehren“ zu kommen oder gar Verdienstnadeln einzuheimsen. Bürgerschaftliches Engagement klingt ihnen zu abstrakt und hochtrabend, Freiwilligenarbeit zu beliebig – und zu wenig nach Verantwortung, die auch bei der Übernahme von Aufgaben ohne kommerzielles Interesse immer mitschwingt. Doch irgendeinen Namen braucht das „Kind“. „Engagement für das Leben in der Gemeinde nennen wir das, was wir tun wollen“, erklärt Irene Veenhuis. Während ihres ersten Treffens haben sich die Fortbildungsabsolventen mit Vorurteilen befasst: Seniorenbegleiter, so heißt es zuweilen, nähmen Arbeitssuchenden die Jobs weg, hätten offenkundig zu viel Zeit und Geld, seien nicht ausgelastet und darauf bedacht, unbedingt „in die Zeitung zu kommen“. Bestenfalls ein kleines bisschen Wahrheit stecke in solchen Meinungen, erläutert die Kursleiterin: „Genügend Zeit, in der sie kein Geld verdienen müssen, brauchen die Seniorenbegleiter in der Tat. Aber wohlhabend oder gar reich müssen sie nun wirklich nicht sein.“ Das Ansinnen, in den Medien eine Plattform zu finden, sei überhaupt „nichts Schlimmes“, zumal ein Pressebericht ja als Multiplikator wirken könne. Das Jobvernichtungsargument treffe jedenfalls nicht zu, betont Irene Veenhuis, denn die Seniorenbegleiter stießen in Dienstleistungsnischen vor, die der Arbeitsmarkt ohnehin nicht bediene.

Die von der „regio-VHS Ganderkesee-Hude“ angebotene Ausbildung deckt ein breites Themenspektrum ab. Die angehenden Seniorenbegleiter lernen, wie sie mit älteren Menschen am besten ins Gespräch kommen, erfahren Wissenswertes über Demenz und altersgerechtes Wohnen, bekommen Erste-Hilfe-Maßnahmen für den eventuellen Notfall vermittelt und werden mit „Betreuung“ konfrontiert, also mit Problemlagen, in denen Menschen wegen psychischer Erkrankungen, körperlicher oder geistiger Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst regeln können.

An der Ausbildung beteiligt sind auch externe Referenten, darunter eine Gastdozentin der Alzheimer-Gesellschaft, DRK-Seniorenheim-Leiterin Birgit Brunsch und Arnold Meyerholz aus dem Samtgemeinde-Seniorenbeirat. Wer in den laufenden (gebührenfreien) Kurs einsteigen will und an Dienstagnachmittagen (ab 15 Uhr) Zeit hat, kann sich schnell noch bei der „regio-VHS“ (Tel.: 04222/44 4 44) melden.

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