Wardenburgerinnen waren für Integrationspreis nominiert

„Einfach machen“ – notfalls mit Händen und Füßen

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Anka Addicks, Bürgermeisterin Martina Noske, Elke Willers, Inka Weber, Ingeborg Kuhz, Sozialausschuss-Vorsitzende Gunda Döbken und Irmgard Weber (von links) wollen die Situation der Flüchtlinge in Wardenburg verbessern.

Wardenburg/Hannover - Von Ove Bornholt. Auch wenn es mit dem Integrationspreis des Landes Niedersachsen nicht geklappt hat, sind die Frauen des Wardenburger Tennisclubs, die ehrenamtlich Sprachunterricht für Flüchtlinge geben, zufrieden mit der Anerkennung, die sie erfahren haben.

„Es war eine schöne Wertschätzung für uns“, meinte Sprecherin Inka Weber am Dienstag zu der Teilnahme an der Preisverleihung in Hannover mit 170 anderen Nominierten. Bei der Hilfe für all die Syrer, Afghanen und weitere Asylsuchende folgt sie dem Motto „Einfach machen“.

Rund 20 der 200 in der Gemeinde Wardenburg gemeldeten Flüchtlinge kommen regelmäßig zu den wöchentlichen Deutschkursen. Dort treffen sie auf Inka Weber, ihre Schwiegermutter Irmgard Weber, Maren Schneider, Elke Willers, Ingeborg Kuhz, Elisabeth Günther, Anka Addicks und Faye Otten. Die jüngeren Frauen kümmern sich um die Kinder der Teilnehmer und gehen mit ihnen zum Beispiel Tennis spielen. Währenddessen versuchen die anderen, Deutschkenntnisse zu vermitteln.

„Es ist schwierig, aber es geht“, sagte Irmgard Weber. „Notfalls mit Händen und Füßen. Es muss ja auch nicht Grammatik hoch drei sein, sondern Umgangssprache.“ Wichtig sei es, nicht zu hohe Ansprüche zu haben. „Wenn jemand ein halbes Jahr einmal die Woche kommt, spricht er kein perfektes Deutsch“, stellte sie nüchtern fest. Konkret teilen sich die Ehrenamtlichen auf, jeder nimmt ein bis drei Flüchtlinge. Dann zeigen sie auf Gegenstände wie eine gelbe Paprika. Anschließend machen sie gemeinsam etwas damit, zum Beispiel nach einem Rezept mit der Paprika und anderen Zutaten kochen. So sollen die Flüchtlinge Schritt für Schritt lernen.

Eigentlich sollte das alles digital ablaufen. Inka Weber hatte einen Aufruf im Verein gestartet, alte Geräte zu spenden. 16 Computer und Laptops waren zusammengekommen, doch da die Teilnehmer teilweise überhaupt kein Deutsch konnten, stießen sie schnell an ihre Grenzen. „Wir müssen mit den Leuten reden“, wurde Weber klar.

Und es funktioniert. Inzwischen kennt man sich. „Eine der Frauen hat mich vorm Supermarkt angesprochen. Sie stand ein wenig verloren herum. Da bin ich schnell mit ihr rein und habe eingekauft“, erinnerte sich Irmgard Weber. Je öfter die Flüchtlinge kommen, desto mehr öffnen sie sich. „Es gibt eine Frau, die ist jetzt anderthalb Jahre hier. Nun zeigt sie ihre schönen Haare, trägt kein Kopftuch mehr. Sie ist hier angekommen“, freute sie sich. Das dauere oft etwas, weil die Asylbewerber „zwischen den Stühlen sitzen und nicht wissen, ob sie bleiben dürfen“.

Aber es gibt auch die, die nicht zu den Tennis-Frauen kommen und auch sonst kaum Integrationsangebote annehmen. „Flüchtlinge müssen auf Wardenburger Bürger zugehen und sie kennenlernen“, sagte Inka Weber. Ihre Schwiegermutter ergänzte: „Wenn nicht, läuft die Integration nicht.“

Bürgermeisterin Martina Noske, die die Ehrenamtlichen ins Rathaus eingeladen hatte, kennt das Problem. „Wir haben auch Familien, in denen die Frau das Haus nicht verlässt. Daran müssen wir arbeiten.“

Und Inka Weber hat auch schon etwas Neues vor. Sie will Schwimmkurse für geflüchtete Frauen anbieten. Ganz nach dem Motto „Einfach machen“.

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