Landgericht geht von Totschlag aus 

Ehrenmordvorwurf gegen Iraker ist vom Tisch

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Ermittler hatten Spuren gesichert. 

Wardenburg - Überraschende Wende: Der Mordvorwurf gegen den 37 Jahre alten Iraker, der seine Frau in Wardenburg getötet haben soll, ist vom Tisch. Die Oldenburger Schwurgerichtskammer erteilte den rechtlichen Hinweis, dass im vorliegenden Fall auch eine Verurteilung wegen Totschlags infrage komme.

Der Mann soll der Frau in Anwesenheit seiner fünf Kinder neun Messerstiche in Hals und Bauch versetzt haben, die zum Tod führten. Deswegen muss er sich vor Gericht verantworten. Der Prozess begann am 13. Oktober und biegt nun auf die Zielgerade ein. Die Plädoyers sind für Mitte Dezember geplant.

Die Anklage hatte die Tat ursprünglich als Ehrenmord eingestuft. Die Ehefrau soll ein Verhältnis mit ihrem Schwager gehabt haben. Deswegen hätte sie sterben müssen. Aus verletzter Ehre zu töten, erfüllt das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe. Nur: Die Beziehung mit dem Schwager ist lange her, das Ehepaar hatte schon wieder zusammengefunden. Deswegen konnte von einem „Ehrenmord“ eigentlich keine Rede mehr sein.

Dem 37-Jährigen war auch angelastet worden, seine Ehefrau heimtückisch ermordet zu haben. Sie habe geschlafen und sei deswegen arg- sowie wehrlos gewesen. Indes: Nur bei den ersten beiden Stichen schlief die Frau. Ob diese oder die späteren Attacken, als das Opfer nicht mehr arglos war, zum Tod führten, konnte nicht geklärt werden. Damit ist auch das Mordmerkmal der Heimtücke vom Tisch. Es bleibt aber ein Totschlag, der mit einer hohen, aber zeitlich begrenzten Strafe geahndet werden kann.

Mediziner helfen jungem Mann

Auf der Richterbank kam es während des Prozesses zu einem schweren Zwischenfall. Einer der beiden Schöffen brach bewusstlos zusammen. Die Prozessbeteiligten hatten sich die Obduktionsfotos anschauen müssen. Das war offenkundig zu viel für den jungen Mann gewesen.

Der Richter zog sofort seine Robe aus und legte sie dem Ohnmächtigen unter den Kopf. Schnell wurde ein Notarzt alarmiert. Doch der musste nicht mehr kommen. Am Verfahren nimmt auch ein Psychiater teil. Außerdem war der Obduzent, also der Gerichtsmediziner, noch anwesend. Die ausgebildeten Mediziner kümmerten sich um den Schöffen, der dann auch alsbald das Bewusstsein wiedererlangte. 

wz

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