IHK-Auswertung: Insolvenzen im Oldenburger Land insgesamt gesunken

Die Statistik und die wirtschaftliche Realität

Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Firmeninsolvenzen im Oldenburger Land gesunken – vermutlich wegen der Corona-Hilfen. Symbolfoto: dpa
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Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Firmeninsolvenzen im Oldenburger Land gesunken – vermutlich wegen der Corona-Hilfen. Symbolfoto: dpa

Oldenburg/Landkreis – Die Pandemie ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Für manche Branchen, wenngleich nicht für alle, stellt sie eine teils existenzbedrohende Extremsituation dar – andere proftieren jedoch von der jetzigen Situation. Die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK) hat die Insolvenzen im Oldenburger Land für das Jahr 2020 analysiert und kommt dabei zu einem Ergebnis, dass negativen Erwartungshaltungen in dem Kontext zunächst widerspricht.

Nach Auswertung der IHK meldeten im vergangenen Jahr 214 Unternehmen Zahlungsunfähigkeit an – das sind 15 Firmen weniger als im Vorjahr (minus 6,6 Prozent). Niedersachsenweit sei die entsprechende Zahl um mehr als 14 Prozent gefallen. Diese Angaben basierten auf den Daten des Landesamtes für Statistik Niedersachsen, heißt es in dem Bericht aus Oldenburg.

„Diese Zahlen geben nicht die tatsächliche Situation der Wirtschaft wider“, sagt darin Thomas Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer der IHK. „Denn durch die Corona-Pandemie wurde das Insolvenzrecht mehrmals geändert, und Unternehmen waren zeitweise ganz von der Pflicht befreit, Insolvenz anmelden zu müssen. Auch derzeit gilt noch eine eingeschränkte Insolvenzpflicht. Das verzerrt den Vergleich zu den Vorjahren“, bewertet er die Situation. Zu befürchten sei, dass die Insolvenzzahlen erheblich ansteigen werden, wenn die entsprechenden Regelungen wieder verschärft werden.

Regional betrachtet sowie in den einzelnen Brachen gab es demnach Unterschiede in der Insolvenzentwicklung: Im Landkreis Oldenburg ist die Zahl gestiegen: Mussten 2019 insgesamt 21 Firmen ihre Zahlungsunfähigkeit erklären, waren es nun 25. Ähnlich sieht es im Landkreis Vechta aus: 24 Betriebe weist die Statistik hier aus (2019: 21). Für Delmenhorst nennt die IHK 31 Insolvenzen, zuvor waren es 18. Deutlich fällt der Rückgang im Kreis Cloppenburg aus: aktuell 47 Firmen zu 61 im Vorjahr.

Die meisten Insolvenzen hätten das Dienstleistungsgewerbe, den höchsten Anstieg das Verkehrsgewerbe sowie Bereiche Informationstechnologie und Kommunikation angemeldet, so die IHK weiter. Bei der zukünftigen Entwicklung müsse allerdings berücksichtigt werden, dass der Gesetzgeber zum Jahresbeginn das Insolvenzrecht an EU-Vorgaben angepasst habe: „Damit wird ein neues, im Wesentlichen außergerichtliches und vom Unternehmen selbstverantwortlich geführtes Sanierungsverfahren eingeführt. Das ermöglicht es den Betrieben, mit ihren Gläubigern Sanierungsmaßnahmen zu vereinbaren, zum Beispiel einen Schuldenerlass.“

Hinzu komme, dass die Bundesregierung die sogenannte Insolvenzantragspflicht (Unternehmen müssen spätestens drei Wochen nach ihrer Zahlungsunfähigkeit oder sechs Wochen nach Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen) bis Ende April verlängert habe, erläutert IHK-Volkswirt Jürgen Thomas im Gespräch mit unserer Zeitung. Und dabei sei das letzte Wort noch nicht gesprochen: Sollten die Lockdown-Maßnahmen verlängert werden, sei eine auch eine weitere Ausweitung denkbar. Zusammen mit den gewährten Corona-Hilfen wirke sich das auf die Statistik aus.

Was die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung angehe, dürften Selbstständige nicht vergessen werden: „Die meisten melden ihren Betrieb einfach ab“, so der Ökonom. Das komme insbesondere bei Freiberuflern vor, denen die Nachfrage weggebrochen sei. Bei der Betrachtung der Gesamtlage müsse bedacht werden, dass die Firmeninsolvenzen in Deutschland seit Jahren stark rückläufig seien. Und wie wird sich die Situation tatsächlich entwickeln? „Das kann keiner sagen“, so Thomas. Der Landkreis Oldenburg habe sich immer durch einen sehr guten Branchenmix ausgezeichnet und stünde damit besser als andere Landkreise da. Dies ließe die Vermutung zu, dass die Zahlen nicht deutlich nach oben gehen werden. Die IHK bietet Unternehmen, die sich in Schwierigkeiten befinden, mit dem seit Jahren laufenden Sprechtag „Unterstützung im Krisenfall: Runder Tisch“ Unterstützung an, so der IHK-Experte. Betroffene bekämen dabei eine 40-minütige Einzelberatung. Die nächste Möglichkeit besteht am Freitag, 19. Februar, ab 9 Uhr in Form einer Videokonferenz. Anmeldungen im Internet unter www.ihk-oldenburg.de/event/1611.  fra

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