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Kein Mikroplastik mehr im Abwasser

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Von: Gero Franitza

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Jemand zeigt einen Rohling und ein fertig geschliffenes Brillengas.
Damit aus einem Rohling ein Brillenglas wird, muss einiges an Material (meist Plastik) durch Schleifen entfernt werden. © Franitza

Wardenburg – Wo Brillengläser geschliffen werden, entstehen feinste Rückstände – aus Glas und nicht zuletzt aus Mikroplastik. Diese werden üblicherweise mit dem Wasser, das während des Schleifprozesses zum Einsatz kommt, entsorgt. „Das hat mich schon immer geärgert“, sagt Optikermeister Wolfgang Hitschler aus Wardenburg. Er ist zusammen mit seiner Frau Dörte van Düllen seit 27 Jahren Inhaber von „Optik am Glockenturm“ in Wardenburg.

Seit acht Monaten hat er Abhilfe für das Problem gefunden – und die ist nicht nur gut für die Umwelt und nachhaltig, sie erleichtert den beiden Experten zudem die Arbeit – und wurde von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg (WLO) finanziell gefördert. Möglich macht das ein neuartiges Filtersystem einer deutschen Firma, berichtet Hitschler. Seines Wissens nach ist es bislang das Erste dieser Art auf dem Markt.

Um aus einem Rohglas ein fertiges Brillenglas zu machen, muss in es in einem Automaten geschliffen werden. Die darin befindliche Schleifscheiben, die mit kleinsten Industriediamanten besetzt sind, bringen den Rohling buchstäblich in Form – hochgenau und wesentlich schneller, als es von Hand möglich wäre, berichtet Hitschler. Damit die Scheiben nicht zu heiß werden, ist Wasser zur Kühlung nötig – gleichzeitig nimmt es auch noch den „Schleifstaub“ mit auf. Dieses wurde bislang eher umständlich in Kanistern aufgefangen und dann im Abwasser entsorgt. Denn eine gesetzliche Vorgabe zum Reinigen des Wassers gebe es noch nicht. Das habe ihn sehr gestört, berichtet Hitschler. Über eine Fachzeitschrift sei er dann auf die neue Technik aufmerksam geworden.

Ein Mann zeigt auf eine Maschine unter einem Tisch.
Kein Mikroplastik und kein Abwasser mehr: Augenoptikermeister Wolfgang Hitschler setzt auf eine neuartige Filtertechnik. © Hitschler

Ressourcenschonend und umweltfreundlich

Nachdem er sich noch mit Kollegen darüber ausgetauscht hatte, entschied er sich für die Anschaffung des zertifizierten Reinigungssystems. Die Kosten dafür beziffert der 62-jährige Augenoptikermeister auf „im unteren fünfstelligen Bereich“. Die kompakte Filter-Anlage passt sich unauffällig in die Werkstatt ein. Doch das Auffangen der mit Mikroplastik versetzten Flüssigkeit ist noch nicht alles: Denn im Anschluss wird das benutzte Wasser gereinigt und kann – somit ressourcenschonend – in einem geschlossenen System wiederverwendet werden. Zurück bleibt lediglich eine kleine Menge weißen „Schlamms“, der separiert und einmal im Monat von der Firma gegen einen geringen Betrag abgeholt wird. Das Material werde dann aufgearbeitet, recycelt und in anderen Produkten wiederverwendet, so Hitschler.

Sicherlich falle bei „Optik am Glockenturm“ relativ wenig Material an, so Hitschler. Doch fühle er sich mit der umweltschonenden Lösung jetzt „wesentlich wohler“ als zuvor. Rechne man die Menge eines einzelnen Betriebes auf die rund 9 000 Augenoptiker in Deutschland hoch, könne es einmal eine ganz andere Einspar-Dimension gewinnen. Doch nicht nur Hitschler und van Düllen waren von der neuen Technik überzeugt, sondern auch die WLO. Dort hatte sich Hitschler vor der Anschaffung um eine finanzielle Unterstützung beworben. „Das ging ganz unbürokratisch“, sagt er rückblickend. Nach nur drei Wochen habe er eine positive Rückmeldung erhalten: Im Rahmen des „Markterschließungsprogrammes des Landkreises Oldenburg“ sei die Anschaffung mit dem Höchstbetrag von 2 500 Euro unterstützt worden.

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