Besonderen Gottesdienst am Sonntag im Vorfeld des Musikfrühstücks ökumenisch gefeiert

Was wären wir ohne die Handwerker?

Szenerie mit Symbolcharakter: Ohne Dachdecker und Tischler gäbe es kein Dach und keine Fenster, ohne Elektriker kein Licht, ohne Bäcker keine leckeren Brötchen und kein Brot. Die Schaufensterpuppe wäre obdachlos und hungrig. Und ohne Schneider stünde sie auch noch nackig da.

Harpstedt - HARPSTEDT (ak) · Wer aus der Not eine Tugend macht, kann durchaus einen Volltreffer landen. Das bewies sich am Sonntag in der Harpstedter Christuskirche.

Zum großen Bedauern der Aktiven Werbegemeinschaft war die Gewerbeausstellung nicht zustande gekommen; der Handwerkergottesdienst mit Beteiligung von Firmen, der im Rahmen der Ausstellung geplant war, sollte gleichwohl ökumenisch gefeiert werden. Darin waren sich Pastorin Elisabeth Saathoff von der evangelischen und Susanne Eissel von der katholischen Gemeinde einig, denn: „Gerade in Zeiten, da nicht alle wirtschaftlichen Erwartungen erfüllt werden, ist es wichtig, sich der Grundlagen zu vergewissern, auf denen wir leben.“

So fanden sich nicht auf dem ursprünglich auserkorenen   Schaugelände  beim Koems, sondern in der Kirche zahlreiche Gemeindemitglieder ein. Sie erlebten einen „schönen Gottesdienst“, wie eine Besucherin hinterher urteilte. Neben dem Altar war ein stilisiertes Haus aufgebaut; unterm Dach des Gebäudes präsentierte sich eine schicke männliche Schaufensterpuppe in kariertem Hemd und Jeans mit leckeren Brötchen. Bevor die Gemeinde diese Szene näher erklärt bekam, galt es aber, Max, Lucy, Jano, Levin und Kim aus drei Familien zu taufen. Zu den Täuflingen zählte auch Kims Mutter. Pastorin Saathoff zeigte sich von der ungewöhnlichen Alterszusammenstellung – von Baby und Kleinkind bis hin zum Jugendlichen und zur erwachsenen Frau – sehr angetan. „Danke für diesen guten Morgen, danke für meine Arbeitsstelle und die Musik“, sang die Gemeinde mit Unterstützung des Posaunenchores.

„Was bleibt, wenn wir uns nicht mehr über ein volles Auftragsbuch definieren können?“, spannte Pastorin Saathoff den Bogen von den Täuflingen zu den vielen anwesenden Handwerkern. Durch die Taufe werde ein Mensch belastbarer hinsichtlich seiner Zuversicht auf Gott und dessen „Ja“ – unabhängig von irgendwelchen erbrachten Leistungen. „Am Anfang waren Himmel und Erde, den Rest haben wir gemacht“, stand auf einem Plakat als Werbung für das Handwerk geschrieben, das die Pastorin der Christusgemeinde in Oldenburg entdeckt hatte. Adam und Eva hätten nach der Vertreibung aus dem Paradies den Beruf des Kürschners und Schneiders erfunden, als sie sich gegen die plötzliche Kälte ein Fell zuschnitten. „Jesus war Zimmermann, und die meisten seiner Jünger waren Fischer“, lenkte die Geistliche den Blick weiter auf die vielen Verzierungen an Harpstedter Häusern – und auf den Hilferuf nach einem Handwerker sowie dessen beruhigende Worte: „Das kriegen wir hin“.

Hart sei das vergangene Jahr für viele Selbständige gewesen – infolge wirtschaftlicher Einbrüche und eines sehr langen Winters. „Was wären wir ohne Handwerker?“, demonstrierten eben diese an der aufgebauten Hauskulisse. Ohne Dachdecker und Tischler gäbe es kein Dach und keine Fenster, ohne Elektriker kein Licht, ohne Bäcker keine Brötchen, und ohne Schneider stünde besagte Schaufensterpuppe schließlich nicht nur ohne Dach über dem Kopf, sondern auch noch nackig da. Nach dem Gottesdienst strömte ein Teil der Kirchgänger auf den Marktplatz und gönnte sich ein „kühles Blondes“ beim Benefiz-Musikfrühstück.

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