Ehemalige Vorstandsmitglieder der TSGW beklagen Elend und Misswirtschaft

Vorwurf gegen Tierschützer: Missstände lange ignoriert

+
Die Katzenunterbringung der Tierschutzgruppe ist bei weitem nicht kostendeckend.

Wildeshausen - Ehemalige Vorstandsmitglieder der Tierschutzgruppe Wildeshausen (TSGW) erheben schwere Vorwürfe gegen den Verein. So sollen jahrelang verdorbenes Futter verfüttert, Mitarbeiter schwarz bezahlt und Spendengelder unrechtmäßig verwendet worden sein. Dazu kommt die Anklage der Tierquälerei.

Tagelang kursierten die Vorwürfe nur anonym, nun stehen die ehemaligen Vorstandsmitglieder Birgit Beninga und Randolph Zenker sowie drei weitere Personen offen zu der massiven Kritik, die nicht nur das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg, sondern auch das Hauptzollamt in Oldenburg und den Deutschen Tierschutzbund beschäftigt.

Die Unterbringung der Tiere im Außenbereich des Katzenhauses wurde vom Veterinäramt bemängelt.

Die Vorsitzenden der Tierschutzgruppe, Christina Poppe und Claudia Heick, hatten bereits im Vorfeld einen Teil der Vorwürfe gegenüber unserer Zeitung zurückgewiesen. Allerdings können die ehemaligen Vorstandskollegen einige weitere Missstände gut belegen, so dass sie eine Klärung im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung fordern. Grundsätzlich kritisieren Beninga und Zenker, dass seit Jahren die Tierheimleitung über keine Sachkundebescheinigung nach dem Tierschutzgesetz verfügt, die jedoch zwingend erforderlich ist.

„Es ist erstaunlich, dass weder das Veterinäramt noch die Kommunen, die Verträge mit der Tierschutzgruppe abgeschlossen haben, einen derartigen Nachweis abgefragt haben“, so Zenker, der dem Vorstand zudem vorwirft, Futter für Hunde verwendet zu haben, das wegen Ablaufs des Mindesthaltbarkeitsdatums gespendet worden war. „Das war schon verdorben. Es wurde aber weiter verfüttert.“

Im Hundezwinger am Klärwerk sei es, so Beninga, zu Tierquälerei gekommen, weil die Zwinger nicht tiergerecht gewesen seien. Hunde hätten dort viele Stunden alleine in der Kälte verbracht.

Das freiliegende Stromkabel des Ölradiators hätte von einem Hund durchgebissen werden können, so dass die Gefahr von Stromschlägen bestand. „Das Elend war zum Kotzen“, so Beninga. „Aber wir hatten das Gefühl, dass wir mit unserer Kritik gegen die Wand geredet haben.“

Es gibt weitere schwere Vorwürfe: „Mitarbeiter wurden über Jahre schwarz und durch Sachleistungen bezahlt, weil die Verträge keine andere Möglichkeit für sie zuließen“, so Beninga. Dabei hätten einige Mitarbeiter nebenbei Hartz-IV-Leistungen bezogen. „Es wurde quasi mit dem Geld der Gemeinden und der Stadt Wildeshausen Schwarzarbeit bezahlt. Dieses geschah von den Vorsitzenden vorsätzlich.“

Gleichzeitig legt Zenker Schriftstücke vor, aus denen hervorgeht, dass ehemalige Vorstandsmitglieder sich für „Eigenbedarf“ Spendenbescheinigungen für Sachleistungen haben ausstellen lassen, die aber nie für die TSGW erbracht worden sind. „Hier ging es um mehrere tausend Euro“, so sein Vorwurf.

Auch die Klage, die TSGW würde seit Jahren daran gehindert, ein neues Tierheim zu bauen, lassen die ehemaligen Vorstandsmitglieder nicht gelten. „Es gibt vom Tierschutzbund klare Anleitungen für einen Tierheimneubau“, so Zenker. „Die wurden aber nicht verwendet. Stattdessen hat Frau Poppe einen zehn Jahre alten und damit hinfälligen Bauplan mit aktuellen Statikberechnungen vorgelegt.“ Dieser sei aus naheliegenden Gründen vom Veterinäramt zurückgewiesen worden. So sei die Raummindestgröße ebenso wenig beachtet worden, wie es eine Betriebsbeschreibung, bezugnehmend auf die Tierhaltung und die Betriebsabläufe, gegeben habe.

„Es gibt Tierheimberater beim Tierschutzbund. „Sie wurden aber nicht angesprochen“, erklärt Beninga. Genauso wenig habe die Tierschutzgruppe Hilfe angenommen, was die Verträge mit den Kommunen betrifft. Diese seien nicht kostendeckend. „Spenden dürfen aber nicht zur Erfüllung von Fundtierverträgen verwendet werden. Das ist aber geschehen“, sagt Zenker.

„Wir wollten das herumreißen, wollten es ändern, aber die Vorsitzenden haben nicht reagiert. Es sind Verfehlungen einzelner, die dem Tierschutz durch ihr Handeln erheblichen Schaden zugefügt haben und das Ansehen des sozialen Ehrenamts in den Schmutz treten“, meinen die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder.

Die Tierschutzgruppe hat den Vorgang ihrem Anwalt übergeben. · dr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Rundfunkbeitrag 2018: Alles Wissenswerte über Höhe, Umzug und Befreiung

Rundfunkbeitrag 2018: Alles Wissenswerte über Höhe, Umzug und Befreiung

Polizei in Utrecht hat Hinweise auf Terrormotiv

Polizei in Utrecht hat Hinweise auf Terrormotiv

Das passiert mit Ihrem Körper, wenn Sie Ihren Job hassen

Das passiert mit Ihrem Körper, wenn Sie Ihren Job hassen

Neuseelands Parlament gedenkt der Opfer von Christchurch

Neuseelands Parlament gedenkt der Opfer von Christchurch

Meistgelesene Artikel

Schwelender Müll: Sattelzugfahrer muss in Gewerbegebiet stoppen

Schwelender Müll: Sattelzugfahrer muss in Gewerbegebiet stoppen

Die Konsequenzen des Klimastreiks

Die Konsequenzen des Klimastreiks

Mann bei Verkehrsunfall in Wildeshausen schwer verletzt

Mann bei Verkehrsunfall in Wildeshausen schwer verletzt

Auf dem Weg zur Fahrradkommune

Auf dem Weg zur Fahrradkommune

Kommentare