Dafni Toutziaridou und Michael Finkeldey sind als Pilzsachverständige tätig

Es ist die Vielfalt, die fasziniert

Michael Finkeldey (links) und Dafni Toutziaridou fasziniert die Vielfalt der Pilze. ·
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Michael Finkeldey (links) und Dafni Toutziaridou fasziniert die Vielfalt der Pilze.

Klattenhof - Von Martin Siemer. Über verschiedene Pilzsorten informieren, mit Vorurteilen aufräumen und das Verständnis der Menschen für die Natur wecken – das sind die Ziele von Dafni Toutziaridou und Michael Finkeldey.

Die Klattenhofer sind ehrenamtlich als Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) tätig, beraten bei Fragen rund um das Gewächs und bieten auch Führungen, unter anderem über die Volkshochschule, an. Es sei vor allem die Vielfalt der Pilze, die sie fasziniert, sagen die beiden.

Der 39-jährige Finkeldey hat schon in frühester Kindheit seine Liebe zur Natur entdeckt. Das erste Pilzbuch kaufte er sich vom Taschengeld, erinnert sich der Klattenhofer, der sich sein Wissen über die Pilze über Jahre autodidaktisch beibrachte. Bei der DGfM absolvierte er schließlich eine Ausbildung zum Pilzsachverständigen. „Das brachte System in die Sache – vor allem, weil man sein Wissen von einem anderen Profi gegenprüfen lassen konnte“, sagt Finkeldey.

Vor der Wiedervereinigung Deutschlands war das Wesen der Pilzsachverständigen in den alten Bundesländern staatlich organisiert. Nach der Wende fiel diese Regelung weg. Jetzt gibt es unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM), die gegenwärtig über rund 500 geprüfte und legitimierte Pilzsachverständige verfügt.

Eine davon ist Toutziaridou, die durch ihren Mann zur Mykologie, der Wissenschaft von den Pilzen, kam. Vor acht Jahren lernte sich das Paar kennen, das in unmittelbarer Nähe zum Waldgebiet Stühe wohnt und damit die Pilzwelt quasi vor der eigenen Haustür hat. Der Verzehr der Pilze steht bei ihnen aber nicht im Vordergrund. Die Faszination für die Vielfalt der Gewächse bildet den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Mehr als 6 500 verschiedene Großpilze seien allein in Europa bekannt. „Wenn ich alle kennen würde, wäre ich ein Genie“, meint Toutziaridou mit einem Lächeln.

Von ihrer Arbeit hätten viele Menschen eine vollkommen falsche Vorstellungt, erzählen Finkeldey und Toutziaridou. Zwar beraten sie bezüglich Essbarkeit und Giftwirkung von Pilzen sowie zu ihrer Rolle für Mensch und Umwelt. „Wir sind aber keine Pilzsortierer“, betont Finkeldey, und seine Frau ergänzt: „Ich möchte auch keine Rasenmäher ausbilden.“ Denn es komme durchaus vor, dass unerfahrene Pilzsammler alles, was sie an Pilzen finden, zunächst einmal abschneiden und dann erwarten, dass die beiden Sachverständigen die essbaren von den giftigen trennen. „Gelegentlich sollen wir das auch am Telefon machen. Das geht aber überhaupt nicht“, betont Toutziaridou. Schließlich tragen die beiden bei ihren Beratungen stets eine große Verantwortung. Den Rat der Pilzsachverständigen suchen auch die Giftnotrufzentralen. „Wir sind über die DGfM bei den Notrufzentralen gelistet“, sagt Finkeldey.

Zu ihrer Arbeit gehört auch die Aufklärung. Denn einige Menschen hätten ein seltsames Verständnis zur Natur. „Ein befreundeter Mykologe hatte mal eine Exkursion mit Schülern. Bevor es losging, verteilte die Lehrerin erst einmal Schutzhandschuhe“, berichtet Toutziaridou mit einem Kopfschütteln. Um Vorurteile abzubauen, geben die Klattenhofer ihr Wissen in Kursen weiter. „Ich habe aber manchmal das Gefühl, dass die Teilnehmer im Anschluss nicht mehr ganz so frei sind.“ Denn die Fachleute beschränken sich natürlich nicht nur auf die essbaren Pilze. Sie stellen das gesamte Gebiet vor und erklären, dass dieselbe Pilz art immer wieder anders aussehen kann. Auch Finkeldey und Toutziaridou müssen deshalb auf dem Laufenden bleiben und streifen regelmäßig durch die Wälder.

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