Nach zweiter Entschärfung Nachsuche am Montag

Wie viele Minen liegen hier noch?

Kilometerweit war die Rauchwolke nach der kontrollierten Sprengung am Mittwochabend zu sehen.

Hude - (ck) · Sechs Minuten nach der gewaltigen Detonation zerstreute sich das Großaufgebot an Einsatzkräften wieder in alle Richtungen. Doch die Beamten der Polizei, die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, Aktive aus drei Huder Ortsfeuerwehren und die DRK-Helfer sehen sich wohl bald wieder.

Denn nach der Entschärfung der zweiten Weltkriegsbombe innerhalb von nur neun Tagen am Mittwochabend zwischen Hemmelsberg und Tweelbäke steht am Montag eine intensive Erkundung des Gebiets an. „Wahrscheinlich liegt hier noch viel mehr“, ahnte Polizeihauptkommissar Wolfgang Gottschlich, der den Einsatz souverän leitete. Die Sprengung der 400-Kilogramm Torpedo-Mine mit 210 Kilogramm explosiven Inhalts ging ohne Verletzte und Sachschäden vonstatten.

Gegen 15 Uhr hatten Arbeiter während ihrer Horizontalbohrungen am Fahrbahnrand erneut eine noch „scharfe“ Torpedo-Mine getroffen – wie schon am Montag vergangener Woche. Erneut erwiesen sich die Fachleute vom Oldenburger Stützpunkt des Kampfmittelbeseitigungsdienstes als schnelle Truppe und begutachteten den Fund. Dabei erkannten sie, dass sich diese Entschärfung deutlich komplizierter darstellen dürfte als der vorherige Einsatz an fast der gleichen Stelle. „Die Mine war beschädigt und teils mit Schlamm und Wasser durchsetzt“, erläuterte Kerstin Epp, Sprecherin der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land. Also entschieden sich die Spezialisten dafür, die zylindrische Mine im Erdreich zu lassen, dort den Sprengkopf abzutrennen und ihn vorab kontrolliert zu zünden.

Gut gesichert: Der nach der Teilsprengung übrige Hauptteil der Torpedo-Mine lag in der Sandgrube zur kontrollierten Detonation bereit.

Bevor es knallen konnte, rollte die Maschinerie der Benachrichtigung aller Bürger im Umkreis von 1 000 Metern an. Beamte von zehn Streifenwagen und ein Krad-Polizist fuhren alle Straßenzüge und Höfe ab, klingelten an den Türen und baten die Bewohner darum, das Schutzgebiet zu verlassen. Zudem gab es Durchsagen per Lautsprecher und im Radio. Auch die Feuerwehren Altmoorhausen, Wüsting und Hude mit 25 Brandschützern beteiligten sich an der Aktion. Sie und Freiwillige der „Schnell-Einsatz-Gruppe“ (SEG) vom DRK Hude sowie Mitarbeiter der Gemeinde Hude fuhren einzelne Betroffene zur Grundschule Wüsting, wo der Hausmeister mehr als 50 Evakuierte versorgte. Kaffee und Kaltgetränke gestalteten die Wartezeit angenehmer.

Unterdessen brachten Pferdebesitzer ihre Tiere in Sicherheit, die Besatzung des Polizeihubschraubers „Phoenix“ aus Neusüdende drängte zwei Sportflugzeuge aus der Gefahrenzone – und immer wieder fielen Radler und Spaziergänger auf, die sich näher heranpirschen wollten. Das verzögerte die erste Sprengung, aber um 19.37 Uhr knallte es.

Nun konnte der zweite sensible Teil anlaufen. Ein Baggerfahrer barg die 400 Kilogramm-Mine, die Kampfmittelbeseitiger sicherten sie auf ihrem Lastwagen und steuerten die nahe gelegene Sandkuhle an, die sie schon kannten. Dort hatten sie bereits den ersten, von der Bauart her identischen Fund in die Luft gejagt. „Die schlimmste Gefahr ist vorbei“, atmete Gottschlich durch. „Jetzt liegt das Ding in einem Trichter – da kommen keine Splitter heraus.“

Hauptkommissar Wolfgang Gottschlich koordinierte den Einsatz. Auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Gerd Wiechmann (hinten) war am Ort.

Dennoch „beerdigten“ die Sprengmeister das mit Zündern präparierte Geschoss unter einem Sandhaufen, ehe sie ihr Okay gaben. Der Hubschrauber kontrollierte den Umkreis noch einmal nach eventuell weiteren Personen. Und um 21.04 Uhr schoss hinter den Bäumen zuerst ein Pilz aus Rauch und Staub empor, ehe Sekunden später eineinhalb Kilometer weiter der Knall bei den Beobachtern ankam. Ein kurzes Echo, ein Zucken durch den Boden, das erst in den Knien endete – und ein spürbarer Hüpfer in der Magengegend – dann war es wieder ruhig. Außer vor dem Hemmelsberger Schützenhof, wo sich einige Bürger getroffen hatten. „Sag mal, war Dein Schornstein immer schon so schief?“, fragte ein Nachbar den anderen grinsend.

Offenbar schon. Denn: „Die Sprengung ist wie geplant verlaufen“, berichtete Hauptkommissar Gottschlich, der permanent per Handy mit den Kampfmittelbeseitigern in Kontakt stand. Um 21.10 Uhr verständigte die Einsatzleitung alle Wartenden in der Wüstinger Schule, und die Feuerwehr- und Polizeiposten an den Straßensperren zogen ab. Die Warnbaken und Schilder luden die Kollegen der Straßenmeisterei aber nicht auf die Fahrzeuge, sondern räumten sie nur zur Seite. Denn am Montag müssen sie das Teilstück der Bremer Straße und deren Zufahrten sowieso wieder sperren.

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