Autobahn-Kommissariatsleiter Georg Hettwer vor Pension / Tragisches und Komisches / Lufthansa-Lob

Viele Kapitel Polizeigeschichte

Georg Hettwer wechselt morgen vom Chefzimmer der Autobahnpolizei Ahlhorn in den Ruhestand. Seinen historischen Helm (rechts), den „Tschako“ aus Zeiten der Bereitschaftspolizei, nimmt er mit nach Hause.

Ahlhorn - (ck) · Seine Dienstmützen-Sammlung hat Georg Hettwer sicher im Karton verstaut. Die Kleidungsstücke spiegeln einige Kapitel Polizeigeschichte wieder, die er seit 1967 miterlebte. Kopfbedeckungen in grün und weiß zeugen von Hettwers Einsatz auf dem Land, sein Motorradhelm erinnert an die Zeit bei der „motorisierten Verkehrspolizei“ – und ein echter Tschako stammt aus der „68-er“-Epoche mit Straßenschlachten und fliegenden Steinen, vor denen die historische Haube schützen sollte. Nun nimmt Georg Hettwer seinen Hut: Er hat das Pensionsalter erreicht und verlässt das Chefzimmer der Autobahnpolizei Ahlhorn, in dem er nicht nur ausgeräumt, sondern in fast zwei Jahrzehnten zuvor vieles umgeräumt hat. Morgen händigt Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau dem 61-Jährigen seine Entlassungsurkunde aus.

Seit 1998 leitet Hettwer das Kommissariat – länger als jemals jemand vorher auf diesem Abschnitt, dessen Revier die A1, A 28 und A 29 in den Landkreisen Vechta, Cloppenburg, Oldenburg und Diepholz umfasst. „Der Alltag auf der Autobahn hat sich total verändert“, bilanziert der Erste Polizeihauptkommissar. „Als ich hier anfing, ging es ums Sichern und Überwachen des Verkehrs. Aber auf unseren Strecken finden wir die komplette Bandbreite der Kriminalität – von Umweltdelikten über Betäubungsmittel- und Menschenschmuggel bis zu Einbrechern, die sich ihre Tatorte gezielt nach der Nähe einer Anschlussstelle aussuchen.“

Vor 19 Jahren stieß der Wardenburger zunächst als stellvertretender Leiter zur Ahlhorner Truppe – nach neunmonatigem Intermezzo als Leiter der Einsatzstaffel in Oldenburg. Zuvor hatte sich der gebürtige Lastruper ein Jahr als stellvertretender Chef der „motorisierten Verkehrspolizei“ Delmenhorst seine Sporen verdient. Keine Zwischenstation möchte der 61-Jährige heute missen – auch nicht die Zeit zwischen 1975 und 1990 als Leiter der Polizei in Wardenburg. „Das war der typische Landdienst. Wenn eine geschlagene Ehefrau nachts an der Wohnungstür klingelte, war man ebenso zur Stelle wie tagsüber.“ Schon dort mussten Hettwer und Kollegen mit schweren Unfällen klarkommen. „Einige gehen unter die Haut – das ist heute noch so. Wenn der Verursacher einer Kollision zusehen muss, wie jemand stirbt, brennt sich das ein.“ In solchen Situationen rückt Hettwer selbst mit aus – aber ebenso bei Karambolagen ohne Verletzte. „Oft steht die Entscheidung über aufwändige Bergungen und längere Sperrungen an. Das kann richtig Geld kosten. Spätere Beschwerden landen auf meinem Tisch – und ich kann dann dafür gut gerade stehen, weil ich dort war.“

Allerdings bekam Hettwer auch positive Post – etwa von einem Vater, der für die erfolgreiche Fahndung nach Töchterchens verlorenem Teddy dankte. 2006 lobte die Lufthansa die Beamten, weil sie einen Piloten aus dem Stau zum Airport Bremen eskortierten. Er musste während der Fußball-WM eine Nationalmannschaft fliegen. „Im Brief stand, dass wir das Turnier gerettet hätten...“

Bevorzugte Behandlung genießt aber niemand – das gilt ebenso für Fußballstars. „Den Bus der deutschen Nationalmannschaft hatte eine Streifenwagenbesatzung mal beim gefährlichen Überholen erwischt“, berichtet der Erste Hauptkommissar. „Da half auch der von Torwart-Trainer Sepp Maier angebotene Autogrammball nichts.“

Denn bei Delikten wie gefährlichem Fahrverhalten oder Temposünden als Unfallursache Nummer eins versteht Hettwer keinen Spaß. 1 500 Crashs pro Jahr mit teils hohen Schäden haben ihn und sein Team dies gelehrt: „Wir kontrollierten schon mit selbst gebastelten Anlagen aus alten Videokameras und geeichten Stoppuhren. Erst später kamen Kamerawagen, mobile Überwachungssysteme und neueste Technik.“ Damals wie heute ärgern den Familienvater Unterstellungen, die Polizei wolle Geld scheffeln. „Die Ursache liegt vielmehr im Erleben schlimmer Unfälle.“

Trotzdem verunglimpfte die Boulevard-Presse seine Ordnungshüter mal als „Raubritter auf der A1“. Da blickte Hettwer zu seinem alten Helm herüber, den er 1968 während der Studentenunruhen als Mitglied der Bereitschaftspolizei Hannover trug: „Wir sicherten damals die Auslieferung der Bild-Zeitung ab. Beim Lesen dieser Überschrift tat mir das dann kurzzeitig leid...“

Vielleicht lernt der frisch gebackene Pensionär den Bußgeldkatalog ja nun aber doch von einer anderen Seite kennen. Denn in der neu gewonnenen Freizeit will er „die Belastung meines Wohnmobils austesten“. Und seine sechs Enkelkinder dürften Georg Hettwer ebenso auf Trab halten wie die Leidenschaft fürs Radfahren durch halb Europa.

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