Heinrich Oentrich und Walter Kossen: Schrankenwärter und Fahrdienstleiter

Viehanhänger zu hoch für „fallenden“ Schrankenbaum

Heinrich Oentrich (links) und Walter Kossen mit einem Fahrplan von 1979. ·

Wildeshausen - Von Joachim DeckerStündlich verkehrt heutzutage in Wildeshausen die NordWestBahn. Das heißt für Verkehrsteilnehmer: warten an den Schranken, die sich automatisch schließen und öffnen. Das aber war nicht immer der Fall – bis vor einigen Jahren gab es noch die Schrankenwärter. Einer davon war in der Kreisstadt Heinrich Oentrich, der bis 1987 am Bahnübergang Ahlhorner Straße das Schrankenwärterhäuschen besetzt hat.

Mit einem Schmunzeln erzählt Oentrich (81), dass der Schrankenwärter auf Plattdeutsch „Isenboonpohldol-unopdreier“ (Eisenbahnpfahlrunterundraufdreher) heißt.

Im Wildeshauser Bahnhof war Walter Kossen (78) bis zu seiner Pension im Jahr 1995 als Fahrdienstleiter tätig – zuständig für die eigentliche Sicherheit auf den Schienen. Heute ist auch hier alles automatisiert. Und auch wenn beide schon seit vielen Jahren Pensionäre sind, so haben sich die Wildeshauser nie aus den Augen verloren und treffen sich regelmäßig zum Klönschnack.

So auch jetzt wieder, als Kossen auch noch einen alten Fahrplan aus dem Jahr 1979 aus der Tasche „zauberte“. „Wir hatten damals pro Schicht etwa 30 Zugbewegungen auf unseren Gleisen“, rechnen die beiden vor. Dabei habe es sich um Personen- und Güterzüge gehandelt.

„Zu diesen Zugbewegungen gehörten natürlich auch die Anschlussgleise der Firmen Müller und Dinklage, Krischel, Weyhausen und der Genossenschaft. Wenn diese Gelände angefahren werden mussten, dann mussten auch die Schranken geschlossen werden“, erzählt Oentrich. Von seinem Schrankenwärterhäuschen an der Ahlhorner Straße aus hatte er zugleich auch die Schranke Bargloyer Straße zu bedienen. „Es waren zunächst 22 Kurbelumdrehungen, bis die Bäume begannen, sich zu bewegen. In dieser Zeit ertönte ein Signal, um die Verkehrsteilnehmer darauf hinzu-weisen, dass gleich die Schranken geschlossen werden. Heute geht dafür das rote Warnlicht an den Bahnübergängen an“, betont Oentrich.

Das Gemecker der Passanten über geschlossene Schranken habe ihn nie aus der Ruhe bringen können: „Immer wieder gab es einige Leute, die meinten, dass ich die Schranke kurz noch einmal aufmachen soll, weil sie keine Zeit hätten. Aber das hat uns kalt gelassen, wir hatten schließlich für Sicherheit zu sorgen und unsere Pflicht zu erfüllen.“ Eine Aussage, die sein damaliger Dienstvorgesetzter Walter Kossen nur bestätigen kann.

Per Schienenkontakt bekam Oentrich ein Signal von dem nahenden Zuges: „Wenn dieses ertönte, musste ich die Schranken schließen. War der Kontakt nicht in Ordnung, mussten wir uns eben auf die Zeit verlassen.“ In seinem Wärterhäuschen hatte er zwei Kurbeln – eine für die Ahlhorner- und eine für die Schranken der Bargloyer Straße. „An jeder Kurbel hingen somit vier Schrankenbäume.

Noch sehr gut kann er sich an einen Mercedes mit Viehanhänger erinnern: „Die Schranke ging schon runter, da wollte der Fahrer mit dem Gespann noch eben schnell die Schienen passieren. Leider zu spät, der Anhänger war um einige zu hoch für den ,fallenden‘ Schrankenbaum und zerbrach ihn.“

Aber Oentrich war nicht nur Schrankenwärter, sondern auch Stellwerkswächter und Betriebsaufseher: „Zu meinen Aufgaben gehörte auch das Stellen der Weichen. Davon befanden sich eine zwischen Ahlhorner- und Bargloyer Straße und drei auf dem Bahnhofsgelände. Es waren die Weichen 15, 16, 18 und 19.“

Über die Arbeit des Fahrdienstleiters Walter Kossen berichten wir gesondert.

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