Resonanz auf Solotheater enttäuschend

Unterhaltsame Reise

Christiane Hess schlüpfte in mehrere Rollen.

Dünsen - (ak) · Sehr erfolgreich tourt die Vollblutschauspielerin Christiane Hess mit ihrem Solotheater „theater am barg“ seit einigen Jahren durch die Lande.

Am Freitagabend machte die quirlige Hannoveranerin mit einer Vorliebe für Sagen und Legenden aus dem Leinetal Station in der Dünsener Zufluchtskirche. Diese öffnet unter dem Motto „Kultur am Glockenturm“ neuerdings ihre Pforte verstärkt für Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen.

Etwas enttäuschte Gesichter gab es bei Meike Schmidt und Jutta Hohnholtz vom ausrichtenden Heimatverein hinsichtlich der nur wenigen Besucher im Kirchenraum. Sehr bedauerlich, denn das noch neue Kulturprogramm wartete mit einem Höhepunkt auf. Mit ihrem Programm „Götter, Glocken, Gläubige“ entführte Hess die Zuschauer in die norddeutsche Tiefebene längst vergangener Zeiten.

Die erste der drei mitunter wundervoll gruseligen Geschichten spielte in Mandelsloh. Dort gibt es wie in Dünsen eine Glocke und einen Glockenturm. Darüber sind die germanischen Götter sauer, denn der heidnische Glaube gerät zunehmend in Vergessenheit. So beschließt der einäugige Odin, etwas zu unternehmen. Welch ein Glück für ihn, dass die Mandelsloher verpennt hatten, ihre Glocke zu weihen, denn sonst wäre diese für Odin tabu gewesen. Der Glocke brauchte die Gottheit nicht zweimal ihren Abflug nahe zu legen. „Cool“ fand sie den Gedanken und machte sich auf den Weg zur alten Liebe, der Glocke Maria.

Christiane Hess übernahm nicht einfach die Erzählrolle, sie spielte in atemberaubendem Wechsel von Mimik, Sprache und Körperhaltung die unterschiedlichen Rollen. Barfuß im schlichten Leinenkleid, die Augen wirkungsvoll schwarz umrandet und nur ein einfacher Tisch vor dem Altar reichten als Requisiten und Maske. Dafür redeten neben einem flotten Mundwerk auch die Hände Bände, und die Füße unter dem langen Rock hatten zudem eine gewaltige Rolle. Da stampfte nicht nur die Gottheit kräftig auf, auch ein Riese hinterließ seine Fußspuren, und die Entstehung von Bodensee und dem Steinhuder Meer bekam so eine sagenhafte Erklärung.

Wenig lustig ging es Mitte des 16. Jahrhunderts in Neustadt am Rübenberge zu. Viele Frauen ließ der damalige Herrscher Herzog Erich II. als Hexen verbrennen. Ein Fluch lag auf dem Bau seines neuen Schlosses, der nur mit dem Opfer eines Kindes gebannt werden konnte.

„Ich liebe Sagen und Märchen“, erzählt Christiane Hess. Sie machte daraus in historischer Fleißarbeit und viel eigener Fantasie ganz persönliche Erzählungen und auf den Leib geschnittene Rollen – zum Lachen und Gänsehaut bekommen. Ein neues Programm sei momentan im Entstehen, verriet die in Paris und London ausgebildete Schauspielerin. „Es war einmal an einem Freitag, da habe ich den schönsten, jammernden Zwergenchor gehört“ – vielleicht auch in der Zufluchtskirche? Schade für die vielen Dünsener, die diese einmalige, unterhaltsame Reise ins gar nicht so finstere Mittelalter versäumt haben.

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