Kesselrohre kaputt / Kluwe fordert Unterstützung

Ungewöhnlicher Urlaub in Eiseskälte

Anke Herrbeck reicht die Rohre an Torben Kluwe weiter.

Harpstedt - HARPSTEDT (cs) · Torben Kluwe hat sich eine Woche Urlaub genommen. Ab in die Sonne? Temperaturen über dem Gefrierpunkt? Fehlanzeige. Der 36-Jährige ist von morgens um acht bis abends um 19 Uhr in der eiskalten Fahrzeughalle der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde beschäftigt. Denn die Kesselrohre der Dampflokomotive der Museumseisenbahn „Jan Harpstedt“ werden zurzeit ausgebaut.

Die knapp neun Jahre alten Rohre sind größtenteils verschlissen. Normalerweise zieht durch die 270 rund 2,30 Meter langen Rohre Rauch vom Feuer in den Schornstein. Um diese ist Wasser, das die Wärme aufnimmt. Weil die nun teilweise rostige Mulden haben, kann Wasser über den Kessel ins Feuer tropfen. Zehn Rohre waren verschlissen – „da war uns das Risiko zu groß“, so Kluwe. Denn bei zu großem Schaden geht nichts mehr.

Diese Woche nun ist der 36-Jährige gemeinsam mit Anke Herrbeck und Oliver Dreyer von der Spezialfirma „Eisenbahnwerkstätten“ aus Krefeld dabei, die Rohre auszubauen. Ganz genau müssen die Längen gemessen werden, dann werden bei dem Unternehmen in Krefeld neue Rohre passend zurechtgeschnitten und voraussichtlich im März eingebaut. „In der Zwischenzeit reinigen wir den Kessel und lassen den TÜV kommen“, berichtet Kluwe.

Einfach gestalten sich die Arbeiten zurzeit nicht. Schuld sind die Minusgrade. Aus Sicherheitsgründen darf in dem Kessel nicht mit elektrischen, sondern nur mit Druckluftgeräten gearbeitet werden. Normalerweise in geschlossenen Räumen kein Problem – aber die Fahrzeughalle wird nicht beheizt. Durch die Feuchtigkeit an den Druckluftmaschinen frieren die Schläuche der Geräte schnell ein.

Und auch für Herrbeck, Dreyer und Kluwe ist die Kälte nicht angenehm. „Das ist echt schlimm, mit der Woche haben wir uns vertan“, meint Kluwe. „Ich bin froh, dass die Leute das durchziehen“, zollt er Herrbeck und Dreyer Respekt. „Aber sie werden ja wenigstens bezahlt.“ Anders als der 36-Jährige selbst. Wie alle Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde engagiert er sich freiwillig für die alten Maschinen. „Es ist hart an der Grenze, was Ehrenamtlichen hier zugemutet wird“, moniert er. „Ich brauche kein Kärtchen, mit dem ich fünf Prozent Rabatt beim Freibad bekomme, sondern Unterstützung – beispielsweise in Form einer geheizten Halle“, findet Kluwe deutliche Worte. Schon lange sei keine Unterstützung durch die Politik mehr gekommen. „Da muss etwas passieren“, meint Kluwe. „Wenn ich hier morgens auf den Hof komme, frage ich mich schon, warum ich das mache.“

Und so geht es nicht nur ihm: Zwei andere wichtige Leute aus dem Verein könnten im Winter nichts machen, weil das zu sehr auf die Gesundheit gehe, erklärt der 36-Jährige. Wichtige Arbeiten müssen aber nunmal in den kältesten Monaten des Jahres gemacht werden. Wenn die Saison am 1. Mai wieder beginnt und „Jan Harpstedt“ über die Schienen rattert, dann können nur kleinere Reparaturen gemacht werden, die an einem Tag erledigt sind.

Trotz allem: An den Kesselrohren wird mit Hochdruck weitergearbeitet. Im wahrsten Sinne des Wortes: Von der einen Seite schlägt Dreyer mit einem Drucklufthammer gegen die Rohre, am anderen zieht Herrbeck die langen Stangen aus dem Kessel, und Kluwe räumt sie beiseite. Hand in Hand für den guten Zweck. Das hat Anerkennung verdient.

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