Diskusssion mit Kultusminister Bernd Althusmann über die inklusive Schule und die mögliche Umsetzung

Überlebt die Sprachheilschule ?

Niedersachsens Kultusminister Dr. Bernd Althusmann (Zweiter v.r.) stellte sich in der Sprachheilschule Neerstedt den Fragen rund um das Thema „Inklusion“.

Neerstedt - (ts) · Gehören Förderschulen schon bald der Vergangenheit an? Fakt ist, die von der UN geforderte Inklusion, die die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Handicap vorsieht, wird kommen – und in Niedersachsen wahrscheinlich schneller, als viele vermutet hätten. „Ich habe den Rohgesetzesentwurf bereits in der Tasche. Und der sieht vor, dass wir mit der Umsetzung der Inklusion bereits am 1. August 2011 beginnen“, sagte Niedersachsens Kultusminister Dr. Bernd Althusmann gestern Abend während einer Diskussionsrunde in der Sprachheilschule Neerstedt.

Welche Auswirkungen das nun konkret auf die Förderschulen hat und wie die Umsetzung praktisch aussehen wird, vermochte der Minister nicht zu sagen. „Das müssen wir noch in den Fraktionen diskutieren“, erklärte er den Zuhörern, darunter die Landtagsabgeordneten Ansgar Focke und Karl-Heinz Bley, Dötlingens Bürgermeister Heino Pauka, Landrat Frank Eger und natürlich die beiden Neerstedter Schulleiter Jürgen Möhle (Sprachheilschule) und Ufke Janssen (Grundschule).

Letztere hatten zu Beginn als Team das Konzept der Schule vorgestellt, dabei die gute Zusammenarbeit und das Ziel, die Rückführung der Förderschüler in die Grundschule, hervorgehoben. „Dieses Gute sollten wir bewahren, aber auch Neues wagen“, sagte Janssen, der mit Möhle ein gemeinsam mit den weiteren Vertretern des Schulverbunds Huntetal erarbeitetes Zukunftskonzept vorstellte. Dieses beinhaltet unter anderem ein Kompetenzzentrum Sprache in Neerstedt.

Dass es auch bei der Umsetzung des Inklusionsgedankens Kompetenzzentren und Schwerpunktschulen geben müsse, wollte Althusmann nicht leugnen. Aber an welchen Standorten, das sei offen. „Sie wollen von mir natürlich wissen, ob die Sprachheilschule überleben wird oder nicht. Das ist die Kernfrage“, sagte Althusmann. Ein „Ja“ oder „Nein“ gab es allerdings nicht. Dafür verwies der Kultusminister auf den Grundgedanken. „Und dieser sieht vor, die Inklusion an allen Schulen zur Selbstverständlichkeit zu machen“, so Althusmann. Dabei müsse die Qualität an oberster Stelle stehen. Für die Umsetzung bedeute dies kleinere Klassen, zusätzliche Lehrer mit entsprechender Ausbildung, und auch auf die Schulträger kämen Investitionen zu. „Die Frage ist, ob dann neben der inklusiven Schule überhaupt noch ein Parallel-Angebot sinnvoll und notwendig ist?“, so der Kultusminister. „Da werden wir uns entscheiden müssen.“

Befürchtungen, dass in der inklusiven Schule förderbedürftige Kinder auf der Strecke bleiben, teilten mehrere Zuhörer. „Ich kann mir momentan nicht vorstellen, wie das Know-how bei diesen Kindern ankommen soll“, sagte Regierungsschuldirektor Klaus Kapell. Auch Bley gab zu Bedenken, dass diese Schüler dann möglicherweise nicht mehr die Zuwendung erhielten, die sie benötigten. Althusmann räumte ein, dass es noch viel zu klären gebe. „Die Inklusion ist nichts, was man in Eile umsetzen sollte“, sagte er.

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