Landwirtschaft leidet unter der Wetterlage / Bis zu 50 Prozent weniger Ertrag bei der Ernte

Tropfen auf den heißen Stein

Wilhelm Soller mit Enkel Jonathan (3): „Das Gras färbt sich zum Teil schon gelb.“

Harpstedt - HARPSTEDT (jp) · Erst ein Winter, der bis weit in das Frühjahr reichte, dann wochenlange Hitze, Temperaturen über 35 Grad und Regen, der viel zu spät kam: Besonders die Landwirtschaft hat dieses Jahr mit dem ungewöhnlichen Wetter zu kämpfen. Wilhelm Soller bestellt neben den eigenen Feldern als Lohnunternehmer auch fremde Flächen – und weiß, wie sich die extreme Wetterlage auf die Landwirtschaft auswirkt.

„Im Prinzip betrifft die Trockenheit alle Kulturen, die wir anbauen.“ Besonders sei aber das Getreide betroffen: „Bei der Gerste gab es dieses Jahr sogar 50 Prozent weniger Ertrag als sonst. Das sind schon große Verluste.“ Aber auch der Weizen bleibe von dem Wetter nicht verschont. „Das Problem in diesem Jahr war nicht nur die Hitze. Der Winter hielt bis ins Frühjahr an, sodass sich alles um etwa einen Monat verschoben hat.“ Nachdem der Dünger auf die Felder ausgebracht worden war, verhinderte eine erste Trockenperiode das Auflösen. „Aber auch die Gülle kann ohne Wasser nicht in den Boden einziehen.“

Beim Mais stehe noch nicht ganz fest, inwieweit das Wetter Schäden verursacht habe. „Ich schätze aber, dass es auch in diesem Bereich Einbußen von etwa 30 Prozent geben wird“, meint der Landwirt. Bei den Kartoffeln und den Zuckerrüben sehe es ähnlich problematisch aus. „Kartoffeln bekommen nach starkem Wassermangel Risse und bleiben sehr klein.“ Nicht ganz so dramatische Auswirkungen hat das Wetter auf Gras, Heu und Silage: „Auch da gab es weniger Ertrag als sonst. Das Gras, das zurzeit auf den Wiesen wächst, färbt sich zum Teil schon gelb. Für die Kühe reicht es zurzeit gerade noch so – aber es wird knapp, wenn es nicht bald über einen längeren Zeitraum regnet.“

Doch die lange Trockenheit hat auch noch andere Konsequenzen. „Das Korn wird ,notreif', das heißt, es vertrocknet einfach durch den Wassermangel frühzeitig. Zudem sind die Böden extrem hart, was die Ernte erschwert.“ Kunden fragen den Lohnunternehmer hin und wieder, ob es durch die Ernteeinbußen nicht günstiger werde. „Dabei ist der Kostenaufwand sogar höher“, berichtet Wilhelm Soller. „Der harte Boden erschwert die Arbeit, und es wird deutlich mehr Diesel benötigt.“

Zusätzlichen Wasserverlust habe auch das nahe gelegene Wasserwerk zu verantworten: „Dort wird trotz der schwierigen Wetterlage Grundwasser abgepumpt. Dadurch werden unsere Kulturen weiter belastet. Und wir können nichts dagegen unternehmen, denn das Wetter ist eben leider höhere Gewalt.“ Andere angrenzende Gebiete sind im Gegensatz zur Region Harpstedt weniger betroffen. „In Delmenhorst gab es in diesem Jahr deutlich mehr Wasser. Dort scheint es zu reichen.“ Der Niederschlag der vergangenen Tage kam für das Getreide leider zu spät, für Gras und spätere Kulturen war er eher ein Tropfen auf den heißen Stein. „Manche Landwirte müssen schon den diesjährigen Wintervorrat anbrechen“, so Wilhelm Soller: „Ohne Wasser ist nunmal alles nicht dasselbe. Es geht einfach nicht.“

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