Rückkehrappell für Luftlandeunterstützungsbataillon 272 auf der Burgwiese

„Trennung ist nicht zu üben“

Abschreiten der Front: Oberstleutnant Markus Klebb und Bürgermeister Kian Shahidi. ·
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Abschreiten der Front: Oberstleutnant Markus Klebb und Bürgermeister Kian Shahidi.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. „Fest zupacken – nie loslassen“, lautet die Devise des Luftlandeunterstützungsbataillons 272. Das stellten auch die vier Freifaller gestern Abend deutlich unter Beweis, die mit ihrem zielgenauen Absprung auf der Wildeshauser Burgwiese den Rückkehrappell für das Bataillon einleiteten. Viele Ehrengäste konnten hierzu begrüßt werden.

Mit dem Musikstück „Anker gelichtet“ marschierten der Ehrenzug und die Truppenfahne, angeführt vom Marinemusikkorps „Nordsee“, vor rund 350 Schaulustigen auf, ehe es offiziell wurde. Schützengilde (Offiziere, Wachkompanie und König) sowie der Stab des Bataillons hatten bereits Stellung bezogen.

Im Frühjahr waren 144 Soldaten zum Einsatz am Hindukusch nach Afghanistan geflogen. Da lag es für den Kommandeur der Luftlandebrigade 31, Oberst Gert Gawellek, und Bataillonskommandeur Markus Klebb nahe, den Rückkehrappell in die Bataillons-Patenstadt Wildeshausen zu verlegen. „Alle 144 Soldaten sind wieder zurückgekehrt. Mit dieser Feststellung könnte ich diesen Appell schon beenden, da der militärische Auftrag erfüllt ist“, betonte Klebb „Aber zu einer professionellen Nachbereitung gehört nach meinem Verständnis unseres Berufes, dass wir die Rückkehr auch unter Beteiligung der Öffentlichkeit dokumentieren.“

Die Trennung von der Familie, die Unausweichlichkeit des Feldlagerlebens und nicht zuletzt der Umgang mit der Gefährdung durch den Feind seien die drei am stärksten belastenden Faktoren gewesen. „Wir üben alles für den Einsatz, aber getrennt zu werden von der Familie können wir nicht üben. Jedem Politiker, der uns Soldaten in einen Einsatz entsendet, muss das bewusst sein. Diese Trennung spaltet nicht nur geographisch Einsatz und Heimat, sondern auch das Denken, Fühlen und Verstehen“, betonte Klebb.

Ihm gehe es nicht um die Gier nach Anerkennung, sondern vielmehr darum, dass sich die Öffentlichkeit für den Einzelnen des Bataillons weiterhin interessiere: „Jeder sollte sich damit auseinandersetzen, warum wir im Namen der Bundesrepublik außerhalb unserer Heimat eingesetzt werden.“ Klebb machte deutlich, dass im Einsatz nichts so ist wie sonst zu Hause: „Die kaputte Glasscheibe oder der Streit mit der Oma werden zu Nebensächlichkeiten. Die nächste Versorgungsfahrt ins Stadtgebiet von Kunduz oder die ständige Einsatzbereitschaft der Sanitätskräfte sind Themen, die die Soldaten sieben Tage in der Woche beschäftigen.“ Er sei davon überzeugt, dass nur das Darstellen und Erläutern des Auftrages hilft, Verständnis für die Soldaten zu bekommen: „Und darum stehen wir heute hier in unserer Patenstadt.“

Bürgermeister Kian Shahidi versicherte den Soldaten, dass die Stadt besorgt gewesen sei um jeden einzelnen Soldaten: „Wir sind stolz darauf, dass die Einsatzkräfte, die wir hier in der Stadt in den Einsatz verabschieden durften, wohlbehalten wieder zurückgekehrt sind. Ich freue mich, dass Sie sozusagen als Botschafter Wildeshausens in Afghanistan waren und dort großartig so geholfen haben.“

Im Anschluss stand im Rathaus ein Empfang mit rund 90 geladenen Gästen auf dem Programm.

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