Belgier Alexis Wauters und Tina Polnnier seit 2006 im Planwagen unterwegs

Traum von ewiger Freiheit

Oben wird geschlafen, am Tisch darunter gegessen und bis in die Nacht geredet. Fotos (2): jp

Harpstedt - Von Josephine PabstKLEIN KÖHREN · Stellen Sie sich vor, Sie laden Ihr gesamtes Leben auf einen Planwagen. Ihr Hab und Gut, alles, was Ihnen wichtig ist und in Ihrem Leben Bedeutung hat, findet Platz auf neun Quadratmetern. Jeden Tag wachen Sie auf, frühstücken in Ihrem Wagen und machen sich bereit für eine etwa 20 Kilometer lange Reise. Am Nachmittag suchen Sie sich einen Schlafplatz und schon beginnt ein neuer Tag. Schwer vorstellbar? Alexis Wauters und Tina Polnnier aus dem belgischen Antwerpen haben sich für ein Leben dieser Art entschieden.

Die ungewöhnliche Geschichte der beiden Belgier ist schnell erzählt: Alexis Wauters absolvierte eine Ausbildung als Schweißer. Danach beschloss er, Künstler zu werden und besuchte die Hochschule. Dort lernte er die Kunststudentin Tina Polnnier kennen, beide wurden ein Paar. Er erzählte ihr von seinem Traum: Eine Reise nach Australien auf unbestimmte Zeit. Ihr war das zu weit, sie einigten sich auf eine Rundreise durch Europa in einem selbst gebauten Planwagen, der von zwei Norwegischen Fjordpferden gezogen wird. Ein weiteres reiste zur Arbeitserleichterung mit. Unterwegs kamen ein Hund, drei Ziegen, eine Henne und Freund Johannes dazu, dessen Nachnamen die beiden nicht kennen. Ein viertes Pferd wurde unterwegs geboren.

Im September 2006 begannen sie ihre Odyssee quer durch Europa, die sie diese Woche zum Dorfgemeinschaftshaus in Klein Köhren führte. „In Belgien ging es los, dann sind wir durch Frankreich, Deutschland, Tschechien, die Slowakei und Rumänien gezogen“, erzählt Tina. Gedacht war es als „Experiment“ – eines, das immer noch andauert. Im Winter kehren Alexis und Tina immer für sechs Monate der Fremde den Rücken, um in Belgien wieder leben und arbeiten zu können. „Mit unseren Tieren können wir nicht in unsere alte Heimat Antwerpen zurückkehren“, meint Tina Polnnier. „Jetzt bewohnen wir einen Resthof, den wir gemietet haben.“ Schade findet sie, dass sich bisher wenige Kontakte zu anderen Künstlern ergeben haben. „Meistens sprechen wir mit Landwirten oder Leuten aus den Dörfern, die sich für unseren Lebensstil interessieren.“

Am Eingang des Wagens sitzt die Henne in einer Holzkiste, daneben drückt Tina eine weiße dickflüssige Masse durch ein Tuch. „Selbst gemachter Ziegenkäse“, erklärt sie stolz. Zum Frühstück gibt es Ziegenmilch, dazu ein Ei. „Mit unserem Fahrrad fahren wir in den nächsten Supermarkt und kaufen ein bisschen ein.“ Gekocht wird auf zwei Herdplatten, mit Gas. Bis um zwölf werden wieder die Sachen verpackt. „Dann fahren wir 15 bis 20 Kilometer und suchen uns einen geeigneten Schlafplatz“, erzählt Alexis. „Dafür fragen wir Landwirte um Erlaubnis, auch, um die Pferde einzäunen zu dürfen.“ Häufig gebe es einige Lebensmittel, meistens Kraftfutter für die Tiere, fast immer Wasser. „Die Leute denken oft, wir haben viel Zeit. Aber die haben wir wirklich nicht“, betont der 32-Jährige Künstler. „Bis für die Tiere und die nächste Nacht alles bereit ist, ist der Tag längst vorbei.“ Zurzeit sei das „finanzielle Problem“ allerdings vorrangig. „Das Geld ist alle“, erklärt Tina. Trotzdem: Ein Stück Freiheit hat sie sich mit Alexis gesichert. „Wir können tun und lassen, was wir wollen“, betonen sie. „Wir leben den Traum, den andere nur träumen.“

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