Simmerhausen: Biogaskraftwerk plötzlich wieder aktuell

Totgesagte leben länger

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenSIMMERHAUSEN · In Vergessenheit geraten sind die etwa acht Jahre zurückliegenden Pläne einer Huntloser Gesellschaft aus Landwirten, zusammen ein Biogaskraftwerk mit 2,5 Megawatt Leistung im Gewerbegebiet Simmerhausen zu betreiben. Die Firma „Farmatic“ sollte den Anlagenbau übernehmen. Sie ging in die Insolvenz – und der Betreibergesellschaft das Geld aus. Nun könnte das umstrittene Bauprojekt doch noch in die Tat umgesetzt werden. Neue Investoren aus der Gemeinde Wardenburg wollen das Kraftwerk realisieren und werden vermutlich kräftig auf die Tube drücken.

Sie müssen nämlich noch in diesem Jahr anfangen zu bauen und die Anlage bis Ende 2012 in Betrieb genommen haben. Das beinhaltet die Genehmigung, die am 30. Juni 2010 verlängert worden war. Die EWE, der die Gewerbefläche zuletzt gehörte, hat das Areal bereits an die Investoren veräußert. Weil es um ein großes Bauvorhaben gewerblicher Natur geht und die Biogasanlage nicht im Zusammenhang mit Landwirtschaft steht, liegt die Zuständigkeit als Genehmigungsbehörde beim Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg. „Wir als Fachbehörde werden aber beteiligt – wie auch die Gemeinde Prinzhöfte“, sagte Peter Nieslony, Leiter des Kreisbauordnungsamtes, auf Nachfrage. „Wir halten das Thema für wichtig. Wir werden sehr genau hinschauen, ob die alten Voraussetzungen, die zur Erteilung und Verlängerung der Genehmigung geführt haben, dem heutigen Stand noch entsprechen, oder ob nicht möglicherweise nachgebessert werden muss.“

Morgen soll es ein Gespräch zwischen Gemeinde, Landkreis, Gewerbeaufsicht und Investor geben. Schon heute befasst sich der Prinzhöfter Rat in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Thema. „Anders als bei privilegierten Anlagen im Außenbereich gibt es bei solchen gewerblichen Vorhaben keine Verpflichtung, die Substrate von Flächen aus der näheren Umgebung herbeizuführen“, stellte Nieslony klar. „Ich gehe davon aus, dass wir das Projekt in dem kommenden Gespräch im Detail vorgestellt bekommen. Die oder den neuen Investoren kennen wir selbst noch nicht“, sagte Uwe Rottmann, Leiter des Gewerbeaufsichtsamtes in Oldenburg.

Prinzhöftes Bürgermeister Herwig Wöbse gab zu, dass die Gemeinde die Fläche in Simmerhausen selbst hätte erwerben können, um im Zuge einer Weiterveräußerung womöglich anderes Gewerbe dort anzusiedeln. „Wenn wir gewusst hätten, dass wir sie zu dem Preis bekommen, der mit dem Käufer vereinbart worden ist, wäre das eine Überlegung wert gewesen.“ Nach Kenntnis der EWE-Pressestelle kann die Kommune ihr Vorkaufsrecht immer noch nutzen. Sie werde darauf vom Notar hingewiesen, sofern dies nicht schon geschehen sei. Heinrich Bitter, Sprecher der früheren Interessengemeinschaft (IG) Simmerhausen-Hockensberg, wunderte sich nicht über die Kommune. „Das Oberhaupt unserer Gemeinde war schon damals für die Anlage“, erinnert er sich. „Es ging den Landwirten darum, ihre Gülle loszuwerden. Und das ist vielleicht nach wie vor der Fall. Möglicherweise gibt es noch immer eine Menge Befürworter. Wir als Bürgerinitiative und Gegner der Anlage hatten damals jedenfalls keineswegs die Landwirtschaft auf unserer Seite.“ Die Frage, ob er die IG reaktivieren wolle, beantwortete Bitter mit einer Gegenfrage: „Muss man sich dafür wirklich noch krumm legen?“

Aus dem insolventen Unternehmen „Farmatic“ ging bereits 2004 eine neue Gesellschaft hervor, die wieder gut im Geschäft ist. Ob jetzt die Farmatic Anlagenbau GmbH (Nortorf) das 2,5-Megawatt-Kraftwerk errichten soll, war dort gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

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