Delmenhorster Markthalle soll für 1,18 Millionen Euro zum Veranstaltungszentrum werden

Teures Problemkind

Seit 40 Jahren in der Schwebe: Die Markthalle in Delmenhorst.

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrDELMENHORST · In Delmenhorst machte am Montag ein Flugblatt die Runde. „Die Politik eiert seit Jahren herum“, verkündete Anke Reuter-Pielot darin: „Eine baldige Entscheidung ist nicht in Aussicht.“ Deshalb, meint sie, sollten die Bürger die Sache mit der Markthalle jetzt endlich selbst in die Hand nehmen.

Dass die Delmenhorsterin ihrem Ärger Luft macht, ist wohl selbst für die verantwortlichen Politiker in der Stadt wahrlich nicht unverständlich. Die Markthalle, um die es geht, ist seit beinahe 40 Jahren „Problemkind“, Investoren kamen und gingen – die Schwierigkeiten blieben. Die neueste Idee: Die Halle soll saniert und zum Veranstaltungszentrum umgebaut werden. Dazu ist die Stadt gerade dabei, die Spuren der Vergangenheit zu beseitigen.

Anfang der 70-er Jahre hatte ein finanzstarker Investor die 1920 entstandene Halle zu einer Ladenpassage umgebaut, ein Konzept, das mit immensem Leerstand und roten Zahlen endete. Handlungsbedarf sah die Stadt jedoch erst 2006 und beschloss, im Jahr 2008 einen Investorenwettbewerb auszuschreiben. Die Markthalle sollte wieder zur Markthalle werden, wie Oberbürgermeister Patrick De La Lanne es zu seinem Amtsantritt angekündigt hatte – eine Idee, die zwei Jahre später wieder verworfen wurde. „Die ursprüngliche Nutzung ist inzwischen vom Tisch“, berichtet Sina Dittelbach von der Pressestelle der Stadt. Grund war neben der Frage nach der Wirtschaftlichkeit vor allem der zunehmende Verfall des Gebäudes, der, so eine Beschlussvorlage des Stadtrats vom 29. November dieses Jahres „keinen weiteren Aufschub bei der Sanierung dulde“. Also rang sich der Rat zwei Wochen später, nach vier verschenkten Jahren, dazu durch, die etwa 900 000 Euro teure Sanierung selbst zu übernehmen und zusätzliche 275 000 Euro zu investieren, um die Halle veranstaltungstauglich zu machen. Dazu müssen Zwischendecken, Wände und alte Fenster, die in den 70-ern mit viel Aufwand eingebaut wurden, wieder entfernt werden. „Das war der Wunsch der Politik“, so Dittelbach. Pech für die Investoren Jörg Neunaber und Heinz Stoffels, die bis dahin auf eine Nutzung als Markthalle hingearbeitet hatten, denen die Stadt nun aber die Tür vor der Nase zugeschlagen hat.

Bis Januar soll nun, laut Dittelbach, „ein Nutzungskonzept vorgelegt werden. Die Tendenz geht ganz klar Richtung Veranstaltungszentrum.“ Die Planung ist schon weit gediehen. In der Beschlussvorlage des Rats ist von Ausstellungen, kleinen Messen und Konzerten, Vorträgen und sogar Ausschusssitzungen die Rede, die in der neuen alten Markthalle durchgeführt werden könnten. Ob sich eine solche Einrichtung allerdings nachhaltig behaupten kann, scheint fraglich. Als Ausrichter für Messen stünde die Halle in unmittelbarer Konkurrenz zum „com.media-Zentrum“, das im Innenraum mit über 800 Quadratmetern über ungleich bessere Voraussetzungen verfügt. Darüber hinaus ist schon lange der Bau einer Stadthalle für Delmenhorst an den Graftwiesen im Gespräch, das zusätzliche Veranstaltungen von der Markthalle abziehen würde. „Erst einmal steht eine Stadthalle nicht ganz oben auf der Tagessordnung“, meint Dittelbach, bekennt aber: „Viele Stimmen fordern das, und natürlich wird man sich damit befassen.“

Anke Reuter-Pielot hat jedenfalls „die Nase voll, dass die Politiker nicht in die Füße kommen“ und plant die Gründung einer Bürgerinitiative. „Es gibt doch 1 000 gute Ideen. Vielleicht kommt der Geistesblitz dieses Mal ja von ungewohnter Seite.“

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