Keineswegs Ruhe in Großenkneten: 500 Arbeiter überprüfen und warten Erdgasaufbereitungsanlage

18 Tage vollkommener Stillstand

Norbert Stahlhut, Hans-Ulrich Pape und Dieter Brüggmann (v.l.) bereiten sich auf den Shut-Down vor.

Oldenburg - GROSSENKNETEN (cs) · Die Zimmer rund um Großenkneten seien im August ausgebucht, sagt Hans-Ulrich Pape. Grund ist kein großes Fest, sondern der größte Shut-Down in der 38-jährigen Geschichte von ExxonMobil in der Erdgasaufbereitungsanlage in Großenkneten. Etwa zwei Jahre hat das Team rund um Shut-Down-Manager Pape geplant und vorbereitet. Mehr als 500 Arbeiter werden im Juli und August auf dem Gelände erwartet. Denn während des Shut-Downs – also des Herunterfahrens der Anlage – sollen die technischen Geräte überprüft und gewartet werden. An erster Stelle steht dabei die Sicherheit.

Das versichern Pape, Dieter Brüggmann, Leiter Erdgasproduktion und -aufbereitung Südoldenburg, und Norbert Stahlhut, Leiter Unternehmenskommunikation von ExxonMobil Production Deutschland (EMPD).

Alle zehn Jahre werde die Anlage heruntergefahren, wodurch der gesamte Betrieb stillstehe, erläutert Pape. Nun ist es wieder so weit. Kleinere Shut-Downs sind schon fast Routine, wird doch jährlich einer der drei Gasreinigungsstränge auf der Großenkneter Anlage außer Betrieb genommen. Das steht auch jetzt wieder auf dem Programm, Strang eins werde am 27. Juli für zwei Monate heruntergefahren. Am 12. August geht dann gar nichts mehr: Die gesamte Gasförderung wird eingestellt, ebenso die Reinigung. Bis zum 30. August soll es dann aber alles andere als still sein auf dem Gelände. Rund 500 Arbeiter werden erwartet, die sämtliche Anlagen, Leitungen, Behälter und Apparate kontrollieren, warten und notfalls reparieren. Auch an den 75 Sauergasbohrungsstellen in der Region wird gearbeitet – mit noch einmal 150 Leuten.

Spektakuläre Arbeiten werden erwartet, wie der Austausch eines großen Absorbers. Vor zwei Jahren war das gleiche mit dem anderen Absorber passiert. Dazu kommen unter anderem noch 20 Kühler und zwei Hauptleitungen, die erneuert werden. Außerdem werden alle Anlagen von außen und innen inspiziert und vom TÜV abgenommen – auch die beiden 145 Meter hohen Kamine. Kommen Überraschungen, muss schnell reagiert werden – der Stillstand ist schließlich teuer. Insgesamt investiert EMPD rund 20 Millionen Euro in die Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Und 18 Tage lang muss das Unternehmen auf die 500 000 Kubikmeter Gas pro Stunde verzichten, die normalerweise durch die Anlage fahren.

Am spannendsten wird es für die Verantwortlichen, wenn die gesamte Produktion Ende August wieder hochgefahren wird. Denn auch ein neues Prozessleitsystem soll installiert werden. Jede kleinste Meldung muss von alt auf neu übertragen werden. Außerdem wird der Kompressor in Hespenbusch über zwei der vier Leitungen ans „Gasnetz“ angeschlossen. Im engen Zeitplan sind auch Arbeiten am Wochenende sowie in der Nacht vorgesehen  – knapp die Hälfte der 18 Tage Stillstand wird allein für das Runter- und Hochfahren der Anlage benötigt.

Das Wichtigste aber ist die Sicherheit – für die Mitarbeiter und für das Umfeld der Anlage. „Wir müssen die Sicherheit gewährleisten – damit die Bürger ruhig schlafen können“, so Stahlhut. Alle Arbeiter bekommen eine spezielle Einweisung, ein Team ist für die Einhaltung der Sicherheit zuständig. Spuren Firmen oder Arbeiter nicht, haben sie den Auftrag verloren – diesen Fall habe es in einer anderen Anlage gegeben, berichtet Stahlhut. Wer zum ersten Mal auf einer Anlage wie der Großenkneter arbeitet, bekommt einen Mentor zur Seite gestellt. „Das sind wir den Leuten schuldig“, so Stahlhut.

Bevor es so weit war, dass alle Planungen abgeschlossen waren, dauerte es. „Wir mussten ungefähr 2 500 unterschiedliche Vorgänge planen“, so Pape. Arbeiter mussten gefunden werden – in der Region, aber auch im Ausland. Ersatzteile mussten zum Teil bereits vor einem Jahr bestellt werden.

Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass Pape, Stahlhut und Brüggmann ein riesiger Felsbrocken vom Herzen fällt, wenn die Großenkneter Anlage nach den Arbeiten wieder reibungslos läuft.

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