Sandabbau: Samtgemeinde muss nachlegen / Sonst greift wieder Privilegierung

Suche nach geeigneten Flächen beginnt erneut

Schon genehmigt ist der Sandabbau in Ortholz, wo entgegen den einst von der Samtgemeinde festgelegten Ausschlusskriterien doch Wald geopfert wird. Die gelb skizzierte Fläche umreißt nur in etwa das Abbaugebiet. Zu dem Gemeindeweg (links) sind 50 Meter Abstand einzuhalten. Die Abbau-Bagger sind noch nicht angerückt.Luftbild: Hartmann

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenDie vier im Jahr 2002 im Flächennutzungsplan dargestellten Konzentrationsflächen genügen nicht für alle Ewigkeit, um die Steuerung des Sandabbaus zu rechtfertigen. Will die Samtgemeinde dauerhaft die Privilegierung im Außenbereich außer Kraft setzen, so muss sie mittelfristig „nachlegen“ und weitere Angebotsflächen ausweisen, auf die der Bodenabbau begrenzt werden soll. Verzichtete sie darauf, wäre einem Wildwuchs von „Kraterlandschaften“ Tür und Tor geöffnet.

Die Vorgehensweise ist die gleiche wie zu Beginn der „Steuerung“ über den F-Plan: Zunächst muss die Kommune anhand eines Kriterienkataloges festlegen, welche Areale für den Bodenabbau nicht in Betracht kommen, also „tabu“ sein sollen. Bebaute Flächen, Straßen und Wege, Naturdenkmale und Naturschutzgebiete zählen ohnehin dazu. Die Samtgemeinde kann aber auch etwa Areale mit besonderem Wert für  Erholung sowie Wald vom Sandabbau ausschließen. Die übrigen Gebiete, dargestellt in einer Positivkarte, bilden dann die Grundlage für die Findung geeigneter Konzentrationsflächen.

Anhand der bisher geltenden Kriterien hat Planer Hans Meyer 15 Bereiche mit recht bis sehr guter Eignung für den Bodenabbau festgestellt: Auf den insgesamt 1 418 Hektar lagern rund 111 Millionen Kubikmeter Sand. Diese Menge würde, das bisherige „Abbautempo“ zugrunde gelegt, für rund 300 Jahre reichen. „Da ist also noch mehr als genug da“, erläuterte Meyer am Dienstag vor dem Planungsausschuss der Samtgemeinde im Hotel „Zur Wasserburg“. „Sie sind im Grunde genommen Sand-exporteur“, sagte er. „Es wäre schön, wenn wir auch etwas davon hätten“, erwiderte Walter Raem (SPD).

Meyer empfahl, acht Areale in den Gemeinden Prinzhöfte, Kirchseelte und Groß Ippener mit einer Gesamtgröße von 740 Hektar bei der Suche neuer Konzentrationsflächen in die engere Wahl zu ziehen. Bereits im F-Plan dargestellt hat die Samtgemeinde das Abbaugebiet Ort-holz/Große Höhe, das als samtgemeindeweit einziges Vorranggebiet für die Rohstoffgewinnung (Sand) im neuen Landesraumordnungsprogramm enthalten ist.

Die von Meyer empfohlenen acht Suchräume sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Womöglich wird die Samtgemeinde bei der erneuten Findung von Konzentrationsflächen andere Kriterien anlegen als zu Beginn der Sandabbau-Steuerung. So sprach sich Heinrich Ehlers (CDU) dagegen aus, Wald generell zur Tabu-Zone zu erklären. Schließlich sei nicht jede Forstfläche wertvoll. Auch sei nicht einzusehen, dass immer nur die nördlichen Kommunen, insbesondere Groß Ippener und Kirchseelte, „abgegraben“ würden. Tatsächlich gibt es nach Meyers Darstellung auch im Süden der Samtgemeinde, in der Gemeinde Winkelsett, Sandvorkommen in guter Qualität und mit einer überragenden Mächtigkeit von nahezu 20 Metern. Dieser Bereich sei aber für die Unternehmen eher unattraktiv, schon wegen der vergleichsweise großen Entfernung zu den (Bau-)Stellen, wo Sand in großen Mengen – im Straßenbau – benötigt wird. Weite Fahrwege bedeuten für die Abbauer zusätzliche Kosten. Die Samtgemeinde aber darf die Marktbedürfnisse in ihrer „Steuerungsplanung“ nicht völlig ausklammern. „Sie sollten schon dort Flächen ausweisen, wo der Sand auch tatsächlich nachgefragt wird“, riet Meyer. „Sonst könnte man Ihnen vorwerfen, eine Verhinderungsplanung zu betreiben.“ Den Ausschuss konnten die Argumente des Planers nicht völlig überzeugen. Nach Meyers Sachstandsbericht müssen Politik und Verwaltung nun zunächst klären, ob die alten Kriterien zur Ermittlung der „Tabu-Flächen“ beibehalten oder modifiziert werden sollen. Der Ausschussvorsitzende Gert Weidenhöfer (CDU) wünschte eine klare Definition „harter“ (also von Rechts wegen einzuhaltender) und „weicher“ Ausschlusskriterien.

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