Englischer Panzer schoss Bauwerk auf dem Hof Zum Heitzhausen 1945 in Brand

Stummer Zeuge im Wald erinnert an frühere Mühle

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Vor dem Krieg war die Mühle ein prägendes Gebäude. ·

Harpstedt - Von Christian Hannig. Es war die Zeit, als Eltern ihre Kinder ermahnten, Schutz in den Erdlöchern zu suchen, „wenn ihr ein Flugzeug am Himmel seht“. Gemeint waren die Ein-Mann-Schützenlöcher, die es im Zweiten Weltkrieg auch vor den Toren Wildeshausens gab.

Stummer Zeuge, umgeben von Wald: der Mühlensockel. ·

Zeitzeugin Anna Heitzhausen entsinnt sich: „Als Kinder spielten wir gern in unserer Mühle. Die hölzernen Zahnräder knarrten beim Mahlen so schön.“ Die Geschichte des Anwesens Zum Heitzhausen in der Gemeinde Winkelsett begann aber schon weit früher. Zum Hof gehörte einst eine Wassermühle. Die allerdings genügte bald nicht mehr den Anforderungen. Anna Heitzhausens Urgroßvater Hermann Heinrich erbat um 1839 vom König in Hannover die Genehmigung zum Bau einer Windmühle. Deren Flügel drehten sich bereits wenige Jahre später. Auch Bauern aus Mahlstedt, Hölingen und Simmerhausen lieferten nun ihr Getreide zum Mahlen an.

Wer heute Ausschau nach der Mühle hält, sucht sie vergebens. Anna Heitzhausen kennt den Grund. Was im April 1945 geschah, hat sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Die Alliierten läuteten das Ende von Krieg und Nazi-Diktatur ein. Vorrückende englische Truppen vermuteten in der Mühle des Hofs Zum Heitzhausen einen Späh-Ausguck der Deutschen. Einer ihrer Panzer fuhr ganz nah heran und schoss sie am 9. April in Brand. Da nur der Sockel gemauert war, während der Aufbau aus Holz und das Dach aus geteerten Schindeln bestand, brannte das Bauwerk bis aufs Fundament nieder. Die sich entwickelnde – enorm große – Hitze ließ sogar einen der Mühlsteine zerbersten.

„Unseren Hof im Wald“, berichtet Anna Heitzhausen, „entdeckten die Soldaten erst später. Einer der englischen Panzer fuhr bis vors Haus und zielte direkt auf die Fassade.“ Ja, und dann, so die Senioren, sei eine laute Warnung zu vernehmen gewesen: „Weiße Flagge – oder wir schießen!“

Dem eingemauerten Grundstein der Mühle lässt sich das Datum der Errichtung des Bauwerks, 13. Juli 1842, entnehmen. Auch Hermann Heinrich Heitzhausen, der frühere Besitzer, ist darauf verewigt. Eine kleine Anekdote: Der Steinmetz hat beim Namen Heitzhausen das „t“ in der Mitte vergessen. ·

Steinerne Zeugen an die Ereignisse von damals lassen sich immer noch auf dem Anwesen entdecken. Vor der Haustür, in die Erde eingelassen, ruht einer der Mühlsteine. Teile des geborstenen Exemplars fanden Verwendung beim Bau einer Treppe. Der 1979 aus den Mühlentrümmern gesicherte Grundstein findet sich eingemauert in einer Hauswand wieder. Wald umgibt die Reste des vernichteten Bauwerks – begrünte Geschichte zwischen Hof und Katenbäke. „Das war das Arbeitshaus des Müllers“, deutet Anna Heitzhausen auf eine efeuumrankte Ruine; „der letzte hieß Friedrich Wehausen.“ Das Fenster sei zur Mühle hin ausgerichtet gewesen. „So konnte der Müller die Flügelumdrehungen stets überwachen.“ Auch an einen einstigen kleinen Unterstand erinnert sich Anna Heitzhausen: Die Pferde der Bauern, die Getreide anlieferten, hätten dort die Möglichkeit gehabt, sich wettergeschützt auszuruhen.

Geschichte wird lebendig, wenn Zeitzeugen Ereignisse aus eigener Erinnerung schildern. Anna Heitzhausen ist wahrlich ein gutes lebendes Beispiel dafür.

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