Rat lehnt Aufhebung des eigenen Beschlusses ab:

Bürgermeister-Petermann-Straße wird umbenannt

Die Pogromstele an der Huntestraße ist eines der Erinnerungsmale an die Judenverfolgungen. Jetzt sollen die Stolpersteine folgen. ·
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Die Pogromstele an der Huntestraße ist eines der Erinnerungsmale an die Judenverfolgungen. Jetzt sollen die Stolpersteine folgen. ·

Wildeshausen - Gleich zwei sensible Themen hatte der Rat der Stadt Wildeshausen am Donnerstagabend auf seiner Tagesordnung. Die Abgeordneten befassten sich zum wiederholten Mal mit der Umbenennung der Bürgermeister-Petermann-Straße.

Im Juni 2012 hatte der Rat für eine Umbenennung votiert. Hintergrund war die politische Tätigkeit Hermann Petermanns während des 3. Reiches. Seit 1931 war er Ortsgruppenleiter der NSDAP, von 1933 bis 1945 Bürgermeister. Nach dem Krieg wurde er 1964 Landrat und 1968 erneut Wildeshauser Bürgermeister. Er wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, 1982 eine Straße nach ihm benannt.

Ratsherr Karl Schulze Temming-Hanhoff hatte die Aufhebung des Beschlusses beantragt. „Der Beschluss bedeutet eine Diskriminierung der Familie Petermann gegenüber Gesinnungsgenossen der NS-Zeit, die weiterhin Namensgeber von Wildeshauser Straßen sein dürfen“, begründete er seinen Antrag, den er während der Sitzung leicht veränderte. Statt den Ratsbeschluss aufzuheben, forderte er eine Aussetzung. „Es müssen weitere belastete Straßennamen überprüft und eventuell umbenannt werden.“ Damit fand er bei seinen Ratskollegen jedoch kaum Zuspruch. „Hermann Petermann ist nicht schlechter als wir, aber auch nicht besser. Wir werfen keinen Stein auf ihn“, sagte Traute Sandkuhl (Grüne).

„Der Ratsbeschluss zur Umbenennung ist seinerzeit ohne meine Zustimmung erfolgt. Aber das Fass jetzt wieder aufzumachen, tut nicht Not“, ergänzte Rainer Kolloge (UWG). Mit großer Mehrheit lehnte der Rat den Antrag Schulze Temming-Hanhoffs ab.

Kontrovers wurde die geplante Verlegung der Stolpersteine als Erinnerung an die Opfer der Judenverfolgung diskutiert. „Wenn ein Mitbürger, ein Betroffener, damit nicht einverstanden ist, dann müssen wir zum Nachdenken kommen. Wir als Nachfolgegeneration der Tätergeneration schließen einen Betroffenen aus“, sagte Manfred Rebensburg (Grüne). Er meinte damit Bodo Gideon Riethmüller an, der mit dieser Form der Erinnerung nicht einverstanden ist. Rebensburg regte eine andere Form des Gedenkens an: „Warum müssen es unbedingt diese Stolpersteine sein ?“

In langen Gesprächen habe man einen ausgeglichenen Kompromiss gefunden, mit dem auch Riethmüller einverstanden gewesen sei, erklärte Kolloge. „Wer sich daher jetzt immer noch gegen die Verlegung dieser Stolpersteine ausspricht, der muss das substanziell begründen.“

Charlotte von Olearius betonte, dass dem Arbeitskreis für Toleranz und Demokratie im Präventionsrat der Stadt ein respektvoller Umgang mit den Opfern und ihren Hinterbliebenen wichtig sei.

Bei vier Nein-Stimmen und vier Enthaltungen sprach sich der Rat für die Stolpersteine aus. · msi

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