Fachleute rätseln über Motiv

Steine aus Großgrab gestohlen

Michael Wesemann an der Stelle, an der vor einem Jahr ein Stein entwendet wurde.

Wildeshausen - WILDESHAUSEN (dr) · Unbekannte Täter haben in den vergangenen Jahren fünf Trägersteine aus einem Großsteingrab in Holzhausen gestohlen. Damit wurde die über 5 000 Jahre alte Grabstelle unwiderruflich zerstört. Die Denkmalschützer sind machtlos und können die Schäden nur dokumentieren.

Hinweise, dass Steine weggekommen sind, haben den Verein „Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen“ und über dessen Mitglieder auch die Bezirksarchäologin Jana Esther Fries erreicht. Die Mitarbeiter in Oldenburg sind über die Beschädigung der Steingräber sehr verärgert und hilflos: „Was sollen wir machen?“, fragt Fries. „Wenn die Steine später irgendwo an der Hofeinfahrt liegen, kann man sie nicht mehr erkennen.“

Betroffen war in den vergangenen Jahren das unter Denkmalschutz stehende Steingrab auf dem Grundstück des Landwirts Heinrich Deepe in Holzhausen. Da die Steine bis zu einen Meter lang sind, dürften sie von ortskundigen Menschen abtransportiert worden sein. Das aber geht nur mit Trecker, Frontlader oder Seilwinde.

Die Gräber sind älter als die ägyptischen Pyramiden. Es sind Kollektivgräber, in denen früher mehrere Menschen bestattet wurden. Ursprünglich hatte ein Grab 16 Trägersteine und sieben Decksteine und war unter einem Erdhügel verborgen. Die Hügel sind in der Regel längst verschwunden, die Decksteine liegen neben den Trägersteinen. „Dennoch müsste jeder erkennen, dass es sich um prähistorische Grabanlagen handelt“, sagt Jana Esther Fries. Bereits im Jahr 2004 habe der mittlerweile im Ruhestand befindliche Bezirksarchäologe die Mitteilung bekommen, dass vier Steine gestohlen wurden. „Wir haben das damals dokumentiert.“ Dass nun ein weiterer Stein entwendet wurde, sei sehr ärgerlich. „Wir informieren die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Die kann Anzeige gegen Unbekannt erstatten.“ Gleichzeitig könne sie nur an die Bevölkerung appellieren, sich zu melden, wenn sie etwas Auffälliges bemerkt. Immerhin lassen sich die Steine nur mit recht großem Aufwand entfernen.

Michael Wesemann vom Referat Archäologie beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege begutachtete den Schaden zusammen mit Svea Mahlstedt, Vorsitzende des Vereins „Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen“. Die beiden Fachleute stellten fest, dass der letzte Stein vor knapp einem Jahr weggekommen sein muss. „Es ist uns aber ein Rätsel, warum“, so Wesemann. Der Stein habe an einer schlecht zu erreichenden Stelle gelegen. Viel leichter wäre es gewesen, andere Steine zu nehmen.

Das Großsteingrab ist am Wegesrand nicht ausgezeichnet. Zudem ist nicht dokumentiert, ob die Grabkammer erhalten ist. „Das könnte man prüfen“, so Wesemann, der das Thema bei der Bezirksarchäologin zur Sprache bringen möchte. Seine Hoffnung: „Wenn das Grab bekannter ist, dann schrecken die Täter vielleicht davor zurück, Steine zu stehlen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Brände in Kalifornien - Trump wütet auf Twitter

Brände in Kalifornien - Trump wütet auf Twitter

Flammenhölle von Malibu trifft auch Promis

Flammenhölle von Malibu trifft auch Promis

Wie werde ich Manufakturporzellanmaler?

Wie werde ich Manufakturporzellanmaler?

Brexit: Neue Dynamik, aber kein Durchbruch

Brexit: Neue Dynamik, aber kein Durchbruch

Meistgelesene Artikel

Mercedes zerschellt am Baum – Fahrer stirbt am Unfallort

Mercedes zerschellt am Baum – Fahrer stirbt am Unfallort

Überholversuch im Regen scheitert: Fahrer stirbt bei Unfall

Überholversuch im Regen scheitert: Fahrer stirbt bei Unfall

Der Gänsemarkt erweist sich als Publikumsmagnet

Der Gänsemarkt erweist sich als Publikumsmagnet

Tempo 177 auf der Landstraße

Tempo 177 auf der Landstraße

Kommentare