Anwohner aus Garmhausen befürchtet Belastung / Filteranlagen sind gesetzlich nicht vorgeschrieben

Staub aus Mastanlage gesundheitsschädlich?

Wilfried Papenhusen zeigt auf den Staub auf der Photovoltaikanlage des Maststalls. ·

Wildeshausen - Wenn Hans-Jürgen Brandt an klaren Tagen zum benachbarten Hähnchenmaststall mit Photovoltaikanlage auf dem Dach in Garmhausen (Landgemeinde Wildeshausen) blickt, beschleicht ihn oft ein mulmiges Gefühl. Rund um zwei Entlüftungsausgänge auf den Modulen sammelt sich weißer Staub wie Schnee.

„Das passiert meistens, wenn die Ausstallung kurz bevorsteht“, so Brandt. Er fragt sich, warum der Staub nicht aus den nachträglich angebauten Entlüftungstürmen entweicht und ob der Staub vielleicht gesundheitsgefährdend ist. „Wenn mein Auto frisch gewaschen ist, dann habe ich schnell Staub wie Mehl auf dem Lack“, sagt er angesichts der Emissionen aus der Mastanlage. „Mein Nachbar betreibt die Anlage sicherlich so, wie es ihm genehmigt wurde. Aber ich bin wirklich besorgt. Und genügen die staatlichen Vorgaben?“

In der Sorge bestärkt ihn Wilfried Papenhusen, Vorsitzender des Bündnisses MUT, das sich gegen Massentierhaltung richtet. „Aus den Entlüftungsschächten einer Mastanlage dringen gesundheitsgefährdende Keime“, erklärt er. Er halte es für fahrlässige Körperverletzung, wenn sich der Staub in unmittelbarer Nähe von Mastanlagen niederschlage. Bedenklich findet es Papenhusen, dass nach Brandts Beobachtungen aus den hohen Entlüftungstürmen an der Seite des Gebäudes nichts sichtbar entweicht, sehr wohl aber aus den mittleren Lüftungsöffnungen. „Das sieht nach Zwangsentlüftung aus“, vermutet er. Bislang, so Papenhusen verärgert, seien in der Geflügelmast keine Filter vorgeschrieben.

Das bestätigt auch Peter Nieslony, Leiter des Bauamtes im Kreishaus. „Es werden Ablufttürme angeordnet, um die Verteilung der Stallluft in der Atmosphäre zu optimieren.“ Ein Filter sei jedoch nicht Stand der Technik und auch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Zudem gebe es keine Regelung, dass kontinuierlich gemessen werden müsse, in welcher Konzentration Bioaerosole den Stall verließen.

„Die Staubfrachten sind jedoch bestimmbar“, so Nieslony. Ein Gutachter sei vor der Genehmigung des Stalles dafür zuständig, zu prüfen, dass Grenzwerte eingehalten werden. „Entscheidend ist, ob es sich um eine erhebliche oder nicht-erhebliche Belastung handelt.“ Als privilegierte Anlagen seien Mastställe nur im Außenbereich möglich, die Nachbarn müssten jedoch geschützt werden.

Nieslony äußert durchaus Verständnis für die Sorgen von Bürgern. In diesem Fall sichert er Hans-Jürgen Brandt zu, die Situation zu überprüfen, wenn er eine schriftliche Nachricht bekommt. Für Papenhusen bedeutet das immerhin schon mal einen ersten Schritt. Wenn es nach MUT geht, sollten aber schon bald in allen Ställen – wenn es sie denn schon geben muss – Filteranlagen installiert sein. Was das betrifft, hat der Landkreis vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg einen Teilerfolg errungen.

Hintergrund: Im Rahmen eines Hauptsacheverfahrens vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg muss jetzt geklärt werden, ob der Einsatz von Abluftreinigungsanlagen in der Geflügelhaltung dem Stand der Technik entspricht und ob der Einsatz einer solchen Anlage wirtschaftlich verhältnismäßig ist. Das entschied der 12. Senat des OVG aufgrund einer Beschwerde des Landkreises Oldenburg. Dieser hatte dem Betreiber einer Mastanlage in der Gemeinde Großenkneten die Auflage erteilt, eine Abluftbehandlung zum Schutz der umliegenden Wohnbebauung zu betreiben. Das Verwaltungsgericht Oldenburg hatte den Landkreis jedoch im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes verpflichtet, die Errichtung und den Betrieb der Mastställe bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache ohne Abluftbehandlung zu dulden. Das OVG sieht durchaus Anhaltspunkte für Annahme, dass Bioaerosole aus Tierhaltungsanlagen zu schädlichen Umwelteinwirkungen führen und somit Filteranlagen schützend wirken könnten. · dr

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