Motopädin arbeitet wöchentlich in Gruppen mit Kindern der „Kasperburg“

Spielerisch die Lust auf Tanz und Bewegung wecken

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Mit Hilfe einer dicken Turnmatte ein „Sandwich“ kreieren – daran finden die Kinder in den Übungsstunden mit Susanne Kattenbaum großen Gefallen. Links Nicole Heuer, heilpädagogische Fachkraft in der „Kasperburg“.

Kirchseelte - Von Jürgen Bohlken. Auf so manchem Dachboden schlummert es noch: Blechspielzeug, das mit einem Schlüssel aufgezogen werden will, damit es sich bewegt – vielleicht in Form eines hüpfenden Frosches, eines sich drehenden Karussells oder einer anmutigen Ballerina.

Susanne Kattenbaum lässt solche Dinge in ihrer täglichen Arbeit schon mal „lebendig“ werden. Die 48-Jährige betreibt in Hude eine Tanz- und Bewegungswerkstatt. Ihre Übungsangebote in Motopädie (Psychomotorik) und kreativem heilpädagogischen Tanz sind darüber hinaus in Kindergärten gefragt. Zu ihrer Klientel zählt schon seit Januar 2012 die „Kasperburg“ in Kirchseelte.

Kürzlich ging es in einer Übungseinheit mit Bezug zu Weihnachten um Geschenke zum Spielen mit Federantrieb. Die Tanzpädagogin und staatlich anerkannte Motopädin Susanne Kattenbaum ließ ihre Schützlinge in die Rollen unterschiedlicher aufziehbarer Dinge schlüpfen, drehte auf dem Rücken der Kiddies symbolisch einen Schlüssel und setzte sie so „in Gang“. Die Kinder empfanden Ballerina, Frosch und Co. tänzerisch nach. Passend zur Musik verlangsamten sich ihre Bewegungen mehr und mehr – ganz wie bei den mechanischen Spielsachen, denen ja auch nach und nach „die Puste ausgeht“.

Susanne Kattenbaum will Körperwahrnehmung, -bewusstsein und -koordination sowie ein Gefühl für den Raum vermitteln. Die Kinder sollen ihre eigene Bewegungsvielfalt entdecken und erweitern, erleben, wie viel Raum ihre Bewegung einnimmt, und erfahren, welche Grenzen ihnen ihr eigener Körper zeigt. Ein spielerischer, freier und vor allem phantasievoller Zu-

Finanzierung aus

eigenem Etat

gang zum Tanz ist der Huderin wichtig. Sie möchte die „Eigenaktivität“ der Mädchen und Jungen stärken, die Lust an der Bewegung wecken und dabei genügend Raum für Improvisation wahren. „Ich gebe die Idee rein, und die Kinder haben dann die Möglichkeit, eigene Handlungsabläufe auszuprobieren“, erklärt die 48-Jährige ihre Arbeitsweise.

Einmal wöchentlich kommt sie zu den „Kasperburg“-Kindern. In Kleingruppen geht sie nachein-ander mit insgesamt drei Gruppen ins benachbarte Dorfgemeinschaftshaus. Dort schließen sich jeweils zwei Motopädie-Stunden an eine Stunde therapeutischen Tanz an. In den Genuss dieser Angebote kommen nicht nur die Integrations-, sondern auch die Regelkinder. Nach elf Übungseinheiten wechseln die „Tänzer“ zur Motopädie – und umgekehrt. „Wir finanzieren die Übungsstunden aus unserem eigenen Etat“, unterstreicht Kita-Leiterin Tanja Kutscher. Die „Kasperburg“ sei ein Integrationskindergarten und nehme die damit verbundenen Aufgaben sehr ernst: „Wir geben lieber Geld für die motorische Förderung und Unterstützung aus als beispielsweise für die Anschaffung neuen Spielzeugs.“

Nach Kräften versucht die „Kasperburg“, die Arbeit von Susanne Kattenbaum zu unterstützen. „Wenn sie Material braucht, bestelle ich es“, sagt Tanja Kutscher. Sie deutet auf angeschaffte Klötze aus Schaumstoff, die schon in Motopädie-Stunden Verwendung gefunden haben: Die Kinder empfanden damit eine Baustelle und die dort üblichen Bewegungsabläufe spielerisch nach. „Sie haben die Klötze etwa aneinander gereiht, sie zu Quadraten zusammengelegt oder damit in die Höhe gebaut“, erläutert die Motopädin. Die menschliche Schubkarre, früher gewissermaßen fast schon Pflichtprogramm in Schulsportstunden, durfte auf der „Baustelle“ natürlich nicht fehlen. Susanne Kattenbaum flechtet nicht nur motorische Elemente in ihre Arbeit mit den Kindern ein, sondern richtet ihr Augenmerk ebenso auf Wahrnehmung, kognitive, sprachliche und sozial-emotionale Fähigkeiten.

Ihr erklärtes Grundprinzip ist es, „die inneren Impulse des Kindes immer unter Berücksichtigung seiner aktuellen und entwicklungsbedingten Gestimmtheit zu begleiten und seine individuellen Stärken und Schwächen zu akzeptieren“.

Motorische Defizite im Kindesalter sind in der immer stärker von elektronischen Medien bestimmten Gesellschaft ein weit verbreitetes Problem. Hinzu kommt: In vielen Familien sind heute beide Eltern voll berufstätig. „Da bleibt oftmals nicht mehr viel Zeit, mit den Kindern rauszugehen“, weiß Susanne Kattenbaum. In ihrem Motopädie-Angeboten arbeitet sie mit Kleingruppen aus nur vier oder fünf Kindern. Das gibt ihr die Möglichkeit, hier ganz gezielt und bedarfsgerecht die Förderschwerpunkte zu setzen.

· Kontakt unter Telefon 04408/30 89 393 (Susanne Kattenbaum, Tanz- und Bewegungswerkstatt „Tanzzeit“ in Hude).

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