Ingrid Debbeler in den Ruhestand versetzt / 1954 Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Kaufhaus Schnittker begonnen

„Sollte Absätze für Bettschuhe holen“

Unter den Schnittker-Schwestern Elisabeth, Anna und Agnes (von links) absolvierte Ingrid Debbeler ihre Lehrzeit.

Wildeshausen - Von Joachim Decker· Ein paar Tränen hatte sie schon in den Augen, und auch Johannes Lenzschau junior, Geschäftsführer des Kaufhauses Schnittker in Wildeshausen, fielen die Worte schwer, als er mit Seniorchef Johannes Lenzschau gestern die langjährige Mitarbeiterin Ingrid Debbeler offiziell in den Ruhestand verabschiedete. „In unserem Haus geht damit eine Ära zu Ende, Ingrid war neben meinem Vater die Letzte aus der alten Garde der Schnittker-Schwestern“, betonte Lenzschau.

Damit sprach er die Schwestern Elisabeth, Anna und Agnes Schnittker an, die das Lebensmittel- und Kolonialwarengeschäft bis 1962 geführt haben, ehe Johannes Lenzschau senior die Geschäftsführung des heute 125 Jahre alten Kaufhauses übernahm.

„Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich 1954 mit 14 Jahren meine dreijährige Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Bereich Lebensmittel unter den Schnittker-Schwestern begonnen habe“, erzählt die Scheidende. Damals habe es fünf Mitarbeiter gegegen: „Die Chefinnen haben immer darauf geachtet, dass die Auszubildenden alles von der Pike auf lernen.“

Hierzu der Seniorchef: „Genau so war es. Wir waren praktisch schon ein Vollsortimenter auf 150 Quadratmetern Verkaufsfläche. Im Angebot waren neben Lebensmitteln auch Glas, Porzellan, Geschenkartikel, Spielzeug, Kurz- und Lederwaren sowie Kinderwagen- und -möbel.“

Besonders an die Sonnabende kann sich Ingrid Debbeler noch sehr gut ereinnern: „Geöffnet hatten wir schon damals bis 14 Uhr, erst danach ging es ans Saubermachen. Hatten wir freitags schon bis etwa 22 Uhr gründlich den Lebensmittelbereich geputzt, so war am Sonnabend unter anderem der Fußboden dran.“ Nachdem das Bohnerwachs aufgetragen worden sei, habe es erst einmal leckeren Kuchen und Kaffee gegeben: „Dann aber mussten die Bohnerklötze geschwungen werden, bis der Boden wie neu aussah.“ Auch die männlichen Auszubildenden seien nicht von diesen Tätigkeiten befreit gewesen.

Mit einem lauten Lachen denkt Ingrid Debbeler an den 1. April 1955 zurück: „Ich hatte ein Jahr meiner Lehrzeit rum, da hat mich Johannes erst einmal so richtig in den April geschickt. Er hat mir den Auftrag erteilt, im Schuhhaus Melcher Absätze für Bettschuhe zu holen. Natürlich bin ich darauf reingefallen.“

Auch wenn nach ihrer Rückkehr (1965) das Kaufhaus unter anderer Leitung gewesen sei, so habe sich nichts geändert: „Die Arbeit hat nach wie vor Spaß gemacht, wir waren stets wie eine große Familie.“ Das bestätigt auch der Geschäftsführer, der die Leitung am 1. November 1995 übernommen hat: „Ich kenne Ingrid schon so lange. Ich war damals noch Kind.“ „Stimmt ! Mit dem Ketcar oder Dreirad ist Johannes durch den Laden geflitzt“, bestätigt die Ruheständlerin.

Einig waren sich Vater und Sohn Lenzschau, dass die Scheidende an der gesamten Entwicklung des Kaufhauses beteiligt war: „Jeden Umbau bis zur heutigen Verkaufsfläche von fast 700 Quadratmetern hat sie mitgemacht.“ Was aber viel wichtiger gewesen sei, sie sei bei den Kunden sehr beliebt gewesen. „Und sie hatte stets ein gutes Auge für Glas und Porzellan und wusste, was den Kunden anspricht“, fügt der Junior an. „Über viele Jahre hat sie uns daher auch in puncto Einkauf unterstützt und zu den großen Fachmessen nach Bielefeld, Hamburg und Frankfurt begleitet.“

„Das hat mir stets sehr viel Spaß bereitet“, sagt Ingrid Debbeler. „Aber im Mittelpunkt standen für mich immer die Kunden. Da war es egal, ob jemand mit Schlips oder im Blaumann ins Geschäft kam, die Beratung war immer die gleiche.“

Worte, bei denen Junior und Ehefrau sowie der Senior recht nachdenklich werden: „So richtig wissen wir aber noch nicht, was dann ab Montag ist. Unsere scheidende Kollegin wird uns genauso wie den vielen Kunden aus Wildeshausen und umzu fehlen.“

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