Auch Künstler müssen ans Geld denken: Der 22-jährige Gitarrist Marcel Sakautzky erklimmt langsam die Karriereleiter

„Soll ich denn verhungern?“

Auf der Bühne will er lieber pointieren, als im Mittelpunkt zu stehen: Marcel Sakautzky.

Oldenburg - Von Charlotte SteenkenDELMENHORST · Er sei im Moment wie ein Fußballspieler auf der Ersatzbank, sagt Marcel Sakautzky. Falle jemand aus, dann dürfe er auf das Spielfeld. Der 22-Jährige meint das positiv: Er ist Gitarrist, war gerade auf einer Tournee durch Litauen, später durch die deutschen Metropolen, besucht den bekannten Hamburger Pop-Kurs, wo Musiker von „Wir sind Helden“ oder „Seeed“ schon mitmachten – das vielversprechende Talent aus Delmenhorst tut einiges dafür, um bald richtig durchstarten zu können.

Schon jetzt geht es aufwärts: „Ich fange an, die Leute kennen zu lernen, deren Namen man kennt“, freut sich der Delmenhorster, der erst mit 16 Jahren – nachdem er jahrelang Schlagzeug spielte – zum ersten Mal in die Saiten einer Gitarre griff und sich selbst das Spielen beibrachte. Am schönsten sei es, mit diesen Leuten auf der Bühne zu stehen – wie während seiner Tour mit dem Jazzpianisten Alexander Blume durch Litauen oder den sieben Auftritten in Städten wie Berlin, München und Hamburg mit Niko Weidemann. Bei einem der Konzerte war Annett Louisan dabei, deren chansonhafte Popsongs Sakautzky auf der Gitarre begleitete. „Das war auf jeden Fall etwas Besonderes.“ Ein leises Lächeln umspielt seine Lippen, und die Augen werden noch glänzender, als er an eine Begegnung in Berlin denkt. „Ich war mit Niko unterwegs zum Probenraum, als wir einem Pärchen begegneten. Niko unterhielt sich mit der Frau, ich mit dem verlebt aussehenden Typen, die Mütze tief ins Gesicht gezogen und von Heuschnupfen geplagt. Nach dem Gespräch erzählte mir Niko, dass das Jan Plewka, der Sänger von Selig, war.“ So merke er langsam, dass er „angekommen“ sei. „Das ist eine schöne und lehrreiche Erfahrung.“

Sakautzky steht auf der Bühne nicht im Mittelpunkt. Er ist mit Solokünstlern unterwegs, die er an seiner Gitarre begleitet – und hat sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden. Bis vor kurzem spielte er noch mit der regional bekannten Band „Zeitweise“, mittlerweile ist er ausgestiegen. „Ich mag es lieber, wenn jemand anderes im Zentrum steht und man selber das Ganze ein bisschen aus der Ferne betrachten kann“, so der Gitarrist. „Es gefällt mir besser, dreimal in 120 Minuten zu pointieren.“

Ehrlich gibt er auch zu, dass für ihn der Weg nach oben leichter ist, steht er mit erfahrenen und populären Musikern auf der Bühne. Mit einer Band sei es anstrengend, sich einen Namen zu machen, weiß der 22-Jährige. „Außerdem kann man so viel mehr lernen über das Musiker-Sein, über die Musik als Job.“

Denn das ist es: Schon seit mehreren Jahren lebt Sakautzky von seinem Talent. Geld verdient er nicht nur mit Auftritten, sondern auch als Dozent an einer Privatschule, gelegentlich macht er Veranstaltungen an der Bremer Hochschule für Künste. Einfach ist es nicht immer, genug zum Leben zu verdienen. „Wenn du keine großen Projekte hast, ist die Zukunft kaum planbar“, weiß der Musiker. „Jemand, der sicherheitssüchtig ist und immer einen Plan B braucht, wird es schwer haben, die Musik zum Beruf zu machen.“

Musik ist Leidenschaft, klar. Aber manchmal müssen für das Geld eben auch Kompromisse geschlossen werden. Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Künstlerleben und dem Dasein als Geschäftsmann, der sich seine Existenz finanzieren muss. „Ich habe mal in einem Interview gesagt, dass ich nie mit einer Tanzband zusammenspielen wollte. Vor kurzem hatte ich eine Anfrage...“ Zugesagt habe er zwar nicht – aber „wenn nichts mehr im Kühlschrank ist, soll ich dann verhungern?“. „Musikern wird immer vorgeworfen, dass sie Künstler sind und nicht ans Geld denken dürfen – aber das geht nicht“, sagt er.

Reife Worte für einen 22-Jährigen – Sakautzky wirkt älter, als er ist. „Ich habe gemerkt, dass ich überall der Jüngste bin. Meine Kollegen sind im Schnitt über 30 Jahre alt“, sagt er. Dass er ein Ausnahmetalent sei, davon wolle er nichts hören. „Das einzige was zählt, ist das Ergebnis.“ Das jugendliche Alter hat aber nicht nur Vorteile. Viele Schüler des Dozenten sind älter als er selbst. Da muss der „Jungspund“ oft erst beweisen, dass seine Ratschläge zum Erfolg führen können.

Diesen Beweis muss er auch in der Musikbranche noch antreten. Die deutschen Traumpartner? „Jan Delay und Clueso“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Unfassbar gute Bands“, so die Begründung.

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