Diakonie Himmelsthür trennt sich von „intensiv-betreuten“ Bewohnern / Vergewaltigung angezeigt

„Sind an Grenzen gestoßen“

Als die damalige Ministerin Mechthild Ross-Luttmann (r.) vergangenes Jahr zu Besuch in der „Intensiv-Betreuung“ der Diakonie Himmelsthür war, hatte Jörg Arendt-Uhde (4.v.l.) noch die Hoffnung auf einen Erfolg des Projektes. Archivfoto: dr

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg · Die Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen wird sich noch in diesem Jahr von vier früher sexuell verhaltensauffällig gewordenen und zwei wegen Körperverletzung angezeigten „intensiv-betreuten“ Bewohnern trennen.

„Sie bekommen bei uns kein Wohnangebot mehr“, so der Regionalgeschäftsführer Niedersachsen Nord der Diakonie, Jörg Arendt-Uhde, zu unserer Zeitung. Ein Betreuungsvertrag sei bereits gekündigt, bei den anderen würde die Kündigung gerade geprüft. Damit ziehen die betreffenden Kunden bald ganz aus Wildeshausen weg oder werden für eine Übergangszeit in einem kurzfristig anzumietenden Wohnangebot außerhalb der Stadt unterkommen, wo sie wie bisher rund um die Uhr betreut werden.

Viele Wildeshauser aus der näheren Umgebung dürften diese Ankündigung erleichtert aufnehmen, denn seit Monaten treibt sie große Sorge um, dass es bei ihnen im Ort zu Straftaten kommen könnte. Die Anwohner erlebten mit, dass die Polizei immer wieder auf dem Gelände der Diakonie vorfuhr. Im Rahmen einer Einwohnerfragestunde äußerte ein Anwohner unlängst im Stadthaus, dass es unter den Bewohnern sogar zu einer Vergewaltigung gekommen sei.

Der Vorwurf des sexuellen Übergriffes eines Bewohners an seiner Freundin, so erklärt Arendt-Uhde im Gespräch mit unserer Zeitung, sei sofort angezeigt worden, die Berufsbetreuer seien eingeschaltet, und die Staatsanwaltschaft ermittele.

Der Geschäftsführer bestätigt auch, dass die Diakonie nicht erst seit diesem Vorfall in intensivem Kontakt zur Polizei stehe. Das schon deswegen, weil man es sich zur Aufgabe gemacht habe, die Polizei lieber einmal mehr als einmal zu wenig zu rufen.

Vorfälle gab es zumeist in Verbindung mit den Bewohnern eines konkreten Hauses. Dort leben seit etwa drei Jahren 34 Menschen mit „komplexem Unterstützungsbedarf“. Sechs von ihnen sind früher straffällig geworden, und auch aktuell kommt es bei diesen Menschen punktuell zu Ausfällen. Auch Mitarbeiter seien geschlagen worden, bestätigt Arendt-Uhde. Natürlich habe man auch da die Polizei gerufen. Ebenso wie bei dem Vorfall, bei dem im Bereich Tagesstruktur mehrere Fenster eingeworfen worden seien. „Wir haben das aber nicht angezeigt, weil der Schaden ja bei uns lag.“

Als Anbieter der Diakonie wolle man sich grundsätzlich der gesellschaftlichenAufgabe stellen, Eingliederungshilfe auch für sehr problematische Menschen mit herausfordernden Verhal-tensweisen anzubieten. Denn auch ihnen müsse die Möglichkeit eröffnet werden, wieder einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

„Hier sind wir aber mit unserer Betreuung an Grenzen gestoßen“, so Arendt-Uhde. Es sei nicht gelungen, diesen Personenkreis auf dem Himmelsthür-Gelände optimal zu betreuen. „Der Fachbereich Intensivbetreuung wird deshalb hier abgebaut. Wir suchen intensiv nach einer Nachfolgelösung.“

Während die früher straffällig gewordenen Menschen ganz aus Wildeshausen fortziehen werden, sollen die anderen Personen mit komplexem Unterstützungsbedarf außerhalb der Stadt Wohnformen finden. „Für die Mehrheit werden wir im kommenden Jahr eine Lösung haben“, sagt der Regionalgeschäftsführer, der aber auch deutlich macht, dass es sich bei diesen Menschen nicht um Straftäter handelt.

Vorwürfen von Mitarbeitern, die Diakonie wolle unangenehme Vorfälle „unter der Decke halten“, begegnet Arendt-Uhde offensiv. „Bei uns entwickelt sich viel zum Positiven. Wir wollen aber noch besser werden. Warum sollten wir das gefährden, indem wir Sachverhalte unter den Teppich kehren?“ Außerdem: „Wir ermuntern unsere Mitarbeiter immer wieder, alles zu hinterfragen. Sinnvoll wäre es dann aber auch, wenn diese Kritik in unseren Besprechungen geäußert würde.“

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