Ernüchternder Besuch vom GUV: FI-Schutzschalter, Rauchmelder und Steckdosenschutz fehlen / Fußballtore nicht verankert

Sicherheit kommt im Kindergarten zu kurz

Spielgerät mit Gefahrenpotenzial: Ein Kind könnte auf die Idee kommen, den Kopf durch eine der ovalen Öffnungen zu stecken.
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Spielgerät mit Gefahrenpotenzial: Ein Kind könnte auf die Idee kommen, den Kopf durch eine der ovalen Öffnungen zu stecken.

Harpstedt - Von Jürgen BohlkenViel Arbeitskraft und womöglich nicht unerhebliche Mittel wird die Samtgemeinde investieren müssen, um Sicherheitsmängel im DRK-Kindergarten Harpstedt zu beseitigen. Fast zweieinhalb Stunden lang inspizierte Kurt Hülsen, Leitende Aufsichtsperson des Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes (GUV) Oldenburg, am Dienstagnachmittag das Außengelände und die Einrichtung. Das Ergebnis wirft ein nicht sehr schmeichelhaftes Bild auf die Kommune. Sie muss voraussichtlich eine längere Mängelliste zeitnah abarbeiten.

Die Elternratsvorsitzende Marion Häußer warf der Samtgemeinde eine „stiefmütterliche“ Behandlung des Kindergartens vor. Sie nahm an der Inspektion ebenso teil wie Klaus Viehmeier aus dem Bauamt, Einrichtungsleiterin May-Britt Mundt sowie Adelheid Nahler und Reinholde Lehmhus aus dem Kindergartenkuratorium. Eine Mutter, die mit dabei war, hatte vor einigen Wochen im Amtshof vorgesprochen, das nicht vorschriftsmäßige Eingangstor sowie ein 20 mal 40 Zentimeter großes Loch im Maschendrahtzaun beanstandet und damit gedroht, den GUV einzuschalten. Die Samtgemeinde kam ihr zuvor, holte sich den „Inspektor“ selbst „ins Haus“ – und schoss damit ein Eigentor. Schon beim Betreten des Grundstücks bot sich dem Gast vom GUV ein unschönes Bild: Besagtes Loch im Zaun klaffte dort noch immer. Kurt Hülsen missfiel auch, dass Jungen und Mädchen die Riegel an beiden Zugangstoren – beim Parkplatz und am Container – eventuell selbst öffnen können. Heute übliche kindgerechte Schließmechanismen mit „Drücker“ oder dergleichen fehlen.

An anderer Stelle verstand der Fachmann überhaupt keinen Spaß: Zwei kleine Fußballtore sind nicht fest mit dem Boden verbunden. Sie könnten umkippen und ein Kind schlimmstenfalls mit der Latte im Genick treffen. Entfernen oder verankern – andere Optionen als diese sah Hülsen nicht.

Er monierte Steckdosen ohne Schutzkappen und vermisste eine FI-Schutzschalter-Absicherung in der Elektrik sowie funkvernetzte Rauchmelder. Der Flur zu den Gruppenräumen ist aus seiner Sicht in einem zu starken Maße „zugestellt“ – eine Gefahr im etwaigen Brandfall, da der Korridor als Fluchtweg dient.

Der Maschendrahtzaun rund um das Gelände reicht nicht bis zum Boden, sondern endet teilweise bis zu zehn Zentimeter darüber. Kinder könnten versuchen, durch die Schlupflöcher zu kriechen und sich möglicherweise verletzen.

An verschiedenen Stellen fehlt Füllsand – auch als Schutz, falls es zu Stürzen von Spielgeräten kommt. An einem Holzturm im Freien könnten zwei ovale Löcher in der Bretterverkleidung spielende Jungen und Mädchen dazu animieren, die Köpfe hindurch zu stecken.

Die unteren Fensterbänke des Kindergartengebäudes am Krippenspielplatz, der im Übrigen immer noch

Vor „Visite“

nachgebessert

nicht mit einer Schaukel bestückt ist, ragen nur wenige Zentimeter über den Boden, sind aber an den Kanten nicht abgeschliffen. Bei den „Elefanten“ fehlt im Gruppenraum am Herd ein „Not-aus“-Schlüsselschalter. An der Treppe zum Spiel-Podest beanstandete der GUV-Fachmann das Geländer und regte eine Nachrüstung von vertikalen Verstrebungen oder aber Platten mit Handlauf an. Auch diverse Spiegel, die nicht aus Sicherheitsglas sind, blieben seinen geschulten Augen nicht verborgen.

Die Lautstärke im Raum der „Krokodile“ gab Anlass zu der Anregung, eine Lärmschutzdecke einzubauen. Einige Boiler entsprechen nicht den Vorschriften, weil das Wasser darin auf Temperaturen über 45 Grad erhitzt werden kann. Die schwergängige Eingangstür zum Kindergarten beanstandete der „Prüfer“ hingegen nicht. Im Container sagten ihm die Fenster nicht zu. Kinder könnten sie öffnen und versuchen, hinaus zu klettern.

Immerhin: Einer „stiefmütterlichen Behandlung“ des Kindergartens will Kurt Hülsen dann doch nicht das Wort reden, wie er gestern auf Nachfrage kundtat. Vor ein paar Wochen wäre sein Urteil vielleicht anders ausgefallen. Die Samtgemeinde ließ nämlich vor der „Visite“ Nachbesserungen vornehmen: Am Sonnabend vor einer Woche bekam das Geländer der Rampe zum Krippen-Eingang eine Verkleidung in OSB-Platten. Hier war zuvor ein zum Glück folgenloser Unfall geschehen: Ein zweijähriges Mädchen fiel durch die Metallkonstruktion des Geländers in die „Rabatten“, blieb aber unversehrt. Die angebrachten OSB-Platten wellen sich indes bereits. Kanten stehen ab. Ein Kind könnte sich die Finger einklemmen – auch das ist schon einmal passiert.

Den größten Fauxpas leistete sich die Samtgemeinde aber bei den Treppenabgängen zum Untergeschoss, die sie erst vor einigen Wochen mit Schutztoren versehen ließ. Eine Gefahr bargen die Stufen vor allem für die ganz Kleinen aus der „Füchse“-Gruppe in sich, die sich bei etwaigen Stürzen hätten schwer verletzen können. Rund ein Jahr (!), seit Einrichtung der Krippengruppe, bestand dieses Risiko.

Kurt Hülsen wird nun einen detaillierten Prüfbericht abfassen, darin allerdings genau differenzieren – zwischen „weichen“ Gefahrenlagen und schwerwiegenden Mängeln, die sofort abzustellen sind.

Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes wollte gestern noch nicht Stellung nehmen, sondern sich zunächst von Klaus Viehmeier über die Ergebnisse der „Sicherheitsbegehung“ informieren lassen.

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