Musikschüler geben Kostproben ihres Könnens / Bandbreite reicht von „Hänschen klein“ über Chopin bis Deep Purple

Selbst die Kleinen kommen groß raus

Wer ein Großer in der Musik werden will, muss in jungen Jahren anfangen: Die Gitarrenschülerinnen Lina Marie Reichel und Jule Meyer bezauberten mit „Hänschen klein“, erst a cappella und dann mit Gesang. Reichlich Applaus war der verdiente Lohn für ihren Mut.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken· Der Text sei noch nicht ganz fertig, erzählt Sabrina Müller aus Harpstedt. „Lampenfieber“ soll das erste eigene Stück der Band „Die Krankenschwestern“ heißen, in der die Elfjährige E-Gitarre zupft. Das passt wie die Faust aufs Auge. Denn etwas Muffensausen haben alle Kinder und Jugendlichen, die beim Herbstkonzert der „Strings“- Musikschule Harpstedt vor rund 90 Zuhörern im „Alten Pfarrhaus“ vorspielen.

Femke Bobrink (8) und Elena Budzin (9) strahlen trotz der inneren Anspannung große Ruhe aus. Die beiden Mädchen, die bei Dozentin Jowita Albers Blockflöte lernen, wollen unter anderem ein Laternenlied zum Besten geben. Sie hätten schon mehrmals vorgespielt, erzählen sie stolz.

Für Anica Menkens-Siemers ist die Musik längst mehr als ein sinnvoller Zeitvertreib. Noch ehe die Zwölfjährige das Konzert eröffnet, setzt sie sich ans Klavier und wärmt sich mit einem Extrakt aus Mozarts „Türkischem Marsch“ auf. Der große Amadeus hätte seine Freude daran gehabt, denn ihr Spiel klingt sehr professionell. Schiefe Töne? Fehlanzeige. Taktgefühl, Tempi und das Gefühl für die Musik stimmen. Der „Türkische Marsch“ sei schon ziemlich anspruchsvoll, gesteht das Nachwuchstalent aus Ganderkesee ein. Ob das Klavierspielen manchmal zur Verzweiflung führe? Das Mädchen schüttelt den Kopf. „Nein, so schlimm ist es nicht.“

Wer es zu etwas bringen will, braucht Disziplin. Anica nimmt seit vier Jahren Klavierunterricht und übt etwa anderthalb Stunden am Tag. Musikschulleiter Peter Rabe kündigt sie im Herbstkonzert als Gast und „Privatschülerin unserer Dozentin Jowita Albers“ an. Schon mit Chopin kann die Zwölfjährige richtig punkten. Gefühlvoll intoniert sie das romantische Regentropfen-Präludium, und die dramatischen Passagen spielt sie mit viel Pathos. Nach zwei kürzeren Stücken von Brahms macht sie den Platz am Klavier frei für Gregor Ott und die traditionelle Weise „Scarborough Fair“.

Die Eltern im Publikum drücken ihren Schützlingen derweil kräftig die Daumen, hören über den einen oder anderen nicht getroffenen Ton einfach hinweg und spenden reichlich Applaus. Akustisch, elektrisch, klassisch, volkstümlich, bluesig oder auch rockig – an Abwechslung mangelt es nicht. Jule Meyer und Lina Marie Reichel lernen erst seit kurzem Gitarre. Aber auch sie dürfen schon mitmischen und bringen „Hänschen klein“ zu Gehör, erst a cappella, dann mit Gesang. Jelko Meyer reiht sich mit dem wohl bekanntesten E-Gitarrenriff der Musikgeschichte in den Reigen ein – aus Deep    Purples „Smoke on the Water“. Sandra Katharina Müller (13) aus Harpstedt hat ihr Herz an Klavier und Flöte verloren und serviert ihrem Publikum einen Tango und eine alte spanische Melodie. Ihre Schwester Sabrina rockt indes mit den „Krankenschwestern“, und die lassen es mit „The final Countdown“ von Europe richtig krachen. „The Five Seasons“ nennt sich eine Jungen-Band, die auch „Deemter-Brothers“ heißen könnte und in dem mehrstündigen Programm mit vorgetragenen Eigenkompositionen zu gefallen weiß.

Musikschulleiter Peter Rabe freut sich indes, dass „Strings“ in Harpstedt Fuß fassen konnte. „Wir sind seit drei Jahren hier und haben etwa 100 Musikschüler im Alter von drei bis 54 Jahren.“ Fünf Dozentinnen und drei Dozenten obliegt die Ausbildung. Der Nachwuchs rekrutiert sich zuweilen sogar aus den eigenen Reihen: „Ich möchte, dass meine Tochter musikalisch aufwächst“, sagt Jowita Albers. Ihre Vanessa, vier Jahre jung, wird behutsam an die Welt der Klänge herangeführt – mit Orffschen Instrumenten im Rahmen der musikalischen Früherziehung. Dass der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, steht ihr ins Gesicht geschrieben.

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