Duo Greszik/Knipper gibt Gitarrenkonzert auf der „Marktkieker“-Terrasse

Selbst Cover-Versionen klingen wie eigene Stücke

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken„Wenn irgendwo Kultur drauf steht, kriegen die Leute oft Angst“, weiß Gunnar Greszik aus Erfahrung. Die akustische Gitarrenmusik, die er zusammen mit Fritz Knipper macht, gebe dazu keinen Anlass. „Sie hat so gar nichts Gehrocksteifes. Wenn wir ein Klassik-Stück spielen, klingt es nicht wie Klassik. Eine Jazz-Nummer hört sich bei uns nicht nach Jazz und ein Popsong nicht wie Pop an“, erzählt der 37-Jährige. „Das sensationelle Konzert-Duo“ nennen er und sein kongenialer Partner sich ganz unbescheiden. Am Sonnabend, 21. Juli, 20 Uhr, bringen sie auf der „Marktkieker“-Terrasse in Harpstedt Stücke von Bach bis Bowie, aber auch eigene Kompositionen zu Gehör.

Zwar covert das Duo so ziemlich alles, was sich in der Musikgeschichte einen Platz erobert hat, doch dank pfiffiger Improvisationen klingt kein Titel wie das Original oder nachgespielt, weder Edith Piafs „La vie en rose“ noch Mozarts „Deh vieni alla finestra“ (Feinsliebchen, komm ans Fenster) aus „Don Giovanni“, weder das durch Louis Armstrong bekannt gewordene „What a wonderful world“ noch Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“, in dem Gunnar Greszik auch seine gesanglichen Qualitäten offenbart. Blues und Country fühlt sich der in Dünsen aufgewachsene Musiker und freiberufliche Musiklehrer besonders verbunden. Das erste Stones-Album, das Greszik schon mit neun Jahren in den Händen hielt, kam einer musikalischen Offenbarung gleich. „Das muss ,Beggars Banquet‘ gewesen sein“, orakelt er, aber im nächsten Moment, nach einem Geistesblitz, korrigiert er sich: „Nein, ,Let it bleed‘“.

Schon in seiner Kindheit begann er Gitarre zu spielen. „Mit 15 gehörte ich der ersten ,SchweinemuckeBand‘ an“, sagt er schmunzelnd im Rückblick auf ungezählte Auftritte auf Schützenfesten. Missen möchte er diese Zeit nicht. „Wenn ich mein Leben lang nur Klassik gespielt hätte, wäre mein Ansatz heute bestimmt ein anderer.“

Fritz Knipper, die zweite – mit 68 „Lenzen“ deutlich ältere – Hälfte des Duos, hat die Beatles noch selbst live gesehen. Ein Titel der legendären Pilzköpfe, „Strawberry fields forever“, findet sich folgerichtig auf der gemeinsam mit Gunnar Greszik eingespielten Demo-CD „Von Bach bis Bowie“ wieder. Mit dem Programm touren die beiden Virtuosen seit rund zwei Jahren durch die Region. „Wir kommen wohl auf etwa 50 Konzerte im Jahr“, schätzt Greszik. „Fritz war mein alter Lehrer“, spielt er auf seine Zeit an der Uni Oldenburg an, als er, wie er augenzwinkernd verrät, sozusagen als „Lebensversicherung“ Musik auf Lehramt studierte. So kam der Kontakt zu Gitarrendozent Knipper zustande, aus dem sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelte – und eine fruchtbare künstlerische Zusammenarbeit, die nun schon rund zehn Jahre

„Künstler aus der

Region holen“

währt. Auf der Bühne greifen die Künstler in die Saiten elektrisch verstärkter Konzertgitarren. „Wir spielen einfach alles. Ich glaube nicht, dass es das in dieser Form sonst so gibt“, mutmaßt Greszik.

„Ein sensationelles Konzertduo erlebten die Besucher bei einem Programm für zwei Gitarren in der Burg Blomendal“, schrieb einst Ulf Fiedler in einer Rezension, die in einer großen Bremer Tageszeitung erschien. Auf ihn geht der Name zurück, unter dem Greszik und Knipper „firmieren“. Ob Tschaikowsky-Walzer, Chanson oder David Bowies „Ashes to ashes“, Bebop, Latin-Jazz, Tex-Mex oder lateinamerikanische Klassik – die beiden Meister der Spontanität drücken Standards aller nur erdenklichen Musikrichtungen mit, wie es scheint, großer Leichtigkeit sowie virtuosem Spiel und teils rotzfrechen Improvisationen ihren individuellen Stempel auf. Bisweilen glaubt der Zuhörer, viel mehr als nur zwei Gitarren zu hören.

Das Konzert auf der „Marktkieker“-Terrasse läuft in der Reihe „Gitarre total“ des Kunst- und Kulturvereins (KuK), um die sich nun Udo („Cojack“) Rösner kümmert. „Meine Intention ist es, Künstler aus der Region, das heißt, aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern, nach Harpstedt zu holen“, erläutert er. KuK werde selbst begleitend zum Konzert Wein und andere Getränke anbieten, fügt Birgit Blocksdorff hinzu. „Ermäßigung gibt es diesmal nicht nur für unsere Mitglieder, sondern auch für Schüler, Studenten und Auszubildende.“

Karten sind im „kleinen Weinladen“ in Harpstedt sowie bei „bökers am Markt“ in Wildeshausen erhältlich. Das Stück kostet zehn (ermäßigt: sechs) Euro. An der Abendkasse beträgt der Eintritt zwölf Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Große Autoklassiker für kleines Geld

Große Autoklassiker für kleines Geld

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Meistgelesene Artikel

Damit das Geld nicht versickert

Damit das Geld nicht versickert

Nach Inkoop: Pläne für neuen Netto-Markt

Nach Inkoop: Pläne für neuen Netto-Markt

Viele Pläne, aber keine Eile

Viele Pläne, aber keine Eile

Autospiegel demoliert

Autospiegel demoliert

Kommentare