Die ehemals eigenständige Gemeinde besticht durch ein einzigartiges Landschaftsbild und vielerlei Vereinsaktivitäten

Schönes, schönes Schönemoor

Harm Ehlers, Vorsitzender des Orts- und Verkehrsvereins Schönemoor, kennt die Bauernschaft wie seine Westentasche. Hier steht er vor der St. Katharinen Kirche, dem Wahrzeichen des Ortes. ·

Oldenburg - Von Jan SchmidtSCHÖNEMOOR/GANDERKESEE · Harm Ehlers kommt aus dem Grüßen gar nicht mehr heraus. Er hebt die Hand, als er am Dorfkrug vorbeifährt, hebt wieder die Hand, als er die Mühle in Altengraben passiert, und er grüßt zum dritten Mal, als er die St. Katharinen Kirche erreicht. Wenn Ehlers einen Ausflug durch „sein“ Schönemoor unternimmt, kennt er jeden Menschen, jedes Haus, jeden Stein und jedes Bäumchen. Der 42-jährige Frührentner ist verliebt in sein Dorf, und das kann man durchaus verstehen: Schönemoor ist eine malerische Bauernschaft am Rande der Gemeinde Ganderkesee.

„Besonders stolz sind wir hier auf unsere vielen Baumalleen“, erklärt Ehlers. Eine Vielzahl von Baumreihen bestimmt das Ortsbild. Auffällig sind außerdem noch acht Biotope und Teiche sowie mehrere Wallhecken, die sich durch die bäuerlich geprägte Landschaft erstrecken.

„Bis 1972 waren wir eine selbstständige Gemeinde. Dann kam die Gebietsreform, und Schönemoor wurde der Gemeinde Ganderkesee zugeordnet“, erzählt Ehlers. Ungefähr zu dieser Zeit gründete sich auch der Orts- und Verkehrsverein Schönemoor. Ehlers ist heute der Erste Vorsitzende. „Wir gehören gerne zu Ganderkesee. Die Gebietsreform hat viele Vorteile gebracht“, erzählt er. Dennoch sei es ebenso wichtig, die alt eingesessenen Strukturen und Bräuche zu pflegen. Zur Gemeinde Schönemoor gehörten ursprünglich 20 Ortschaften. Einige davon finden sich heute noch offiziell auf Landkarten, andere sind nicht mehr verzeichnet. „Gerade für die älteren Bewohner ist es wichtig, dass die Namen nicht in Vergessenheit geraten“, betont Ehlers. Der Orts- und Verkehrsverein fertigte deshalb für jede der ursprünglichen Ortschaften ein eigenes Namensschild aus Holz an. „Manche der Schilder stehen nur wenige Meter voneinander entfernt. Die Ortschaften Fritzenburg und Schiffstede bestehen beispielsweise nur aus einem einzigen Haus“, berichtet Ehlers. Jede ehemalige Ortschaft bekommt ihr Schild – sogar, wenn es sich um ein einzelnes Haus handelt. Dieses Engagement trifft auf viel Lob, und zwar weit über die nähere Umgebung hinaus: Vor rund einem Monat qualifizierte sich Schönemoor für den Landesentscheid des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“. „Klar freut man sich darüber. Der Verein wartet jetzt nur noch auf den Bericht der Prüfungskommission, damit wir wissen, was es noch zu verbessern gibt.“

Harm Ehlers sprüht nur so vor Tatendrang. „Man muss immer etwas tun“, sagt er. „Aber Veränderungen müssen langsam geschehen. Mit Fingerspitzengefühl. Und es müssen so viele Leute wie möglich dabei mithelfen. Eine funktionierende Gemeinschaft macht das Dorfleben aus.“ Der 42-Jährige hält kurz inne – dann setzt er zu einem Lobgesang auf das Ehrenamt an: Eine schöne Landschaft erfordere sehr viel Pflege. Und diese sei wiederum sehr zeitintensiv. Heutzutage gebe es tendenziell immer weniger Menschen, die sich freiwillig für die Allgemeinheit einsetzten. Auf Schönemoor scheint dieser Trend allerdings nicht zuzutreffen – wie sonst ließe es sich erklären, dass der Orts- und Verkehrsverein zurzeit satte 638 Mitglieder zählt. Seit 2003 gibt es sogar eine Jugendgruppe, aktuell gehören ihr 216 Mädchen und Jungen an.

Geht es um das Vereinsleben, blüht die Ortschaft Schönemoor in allen Farben: Es gibt den Schützenverein, den Ortslandvolkverband, den Sozialverband, den Kameradschaftsbund von 1899, die AWO, den Bürgerverein Heide-Schönemoor, die Freiwillige Feuerwehr Schierbrok-Schönemoor, die Reit- und Fahrgemeinschaft Schönemoor, die Jagdgenossenschaft Schönemoor und Horst, der BDMP-Mönchhof (Bund der Militär- und Polizeischützen), die Gästeführerinnen und schließlich die Kirchengemeinde. Von einem verschlafenen Dorf kann keine Rede sein. „Hier ist immer etwas los“, schmunzelt Ehlers und biegt auf den teilweise verbliebenen Kirchpatt von der Straße „Zur Ollen“ bis Altengraben ein. Am Eingang zur Ortschaft Altengraben steht wieder eines der vielen Schilder aus Holz. Schräg oben links ist das Wappen von Schönemoor eingraviert. Als einzige aller Ortschaften trägt Schönemoor nicht das Ganderkeseer Wappen eines Ganters. „Unser Wappen zeigt in weiß einen nach links schreitenden Säemann mit blauem Hut, rotem Hemd, gelben Sacktuch, blauen Hosen und roten Holzschuhen“, erklärt Ehlers. Der Legende nach wurde Schönemoor von einer Hand voll Bauern gegründet. Aus dem Jahre 1209 stammt die erste Karteneintragung.

Wie so viele der Einwohner ist Harm Ehlers in der Bauernschaft aufgewachsen. Sein Vater und Urgroßvater besaßen einen Hof. Ehlers selber wohnt heute im Ortsteil Heide, direkt an der Grenze zur Stadt Delmenhorst. Aus Schönemoor wegzuziehen war für ihn nie eine ernsthafte Option. „Für mich ist es einfach schön, jeden zu kennen“, sagt er. „So eine Gemeinschaft, über Jahrzehnte gewachsen, ist heute fast unbezahlbar.“

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