RC „Sport“ Harpstedt vor 100 Jahren gegründet / Alliierte zogen nach dem Zweiten Weltkrieg Gründungs- und Geschäftsunterlagen ein

„Es scheint Interesse für diese Sache zu bestehen“

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Abschrift des Gründungsprotokolls aus dem Jahr 1912.

Harpstedt - Als seine Geburtsstunde vor 100 Jahren schlug, schrieb sich der Reitclub „Sport“ Harpstedt noch mit „k“ (Klub) und trug statt des Anhängsels „und Umgebung“ den Zusatz „und Umgegend“. Offizieller Gründungstag war der 21. Juli 1912.

Die Syker Zeitung widmete tags zuvor der Vereinsneugründung eine kurze Ankündigung mit dem Titel „Rennvereine überall“. „Einige junge Landwirte aus Harpstedt und Umgegend beabsichtigen, einen Reitklub zu gründen. Es scheint Interesse für diese Sache zu bestehen“, entnahmen die Leser der Meldung.

Die Gründungsversammlung wählte im damaligen Sanderschen Gasthof Johann Meyer aus Wohlde zum ersten Vorsitzenden und Otto Schorling aus Groß Köhren zum ersten Rittmeister. Die Wirren des Ersten Weltkrieges verhinderten, dass der RC als zartes Pflänzchen „austreiben“ konnte. Von 1914 bis 1918 ruhte das Vereinsleben. Im Anschluss verhalfen einige alte und neue Mitglieder sowie der Vorstand aus den Gründertagen zusammen mit dem neu gewählten Rittmeister Richard Hohnholz aus Dünsen dem RC zu seiner ersten Blüte. Die Vereinsstärke schwoll an. 1921 begann Reitlehrer Weichler aus Bremen mit dem Schulbetrieb. Bernhard Meyer aus Klosterseelte übernahm später diesen Ausbildungsposten. Unter seiner Leitung reifte die „Harpstedter Reiterabteilung“ zu einer der besten im Kreis heran, wie seinerzeit auf Kreisebene erzielte Turnier-Erfolge belegen. Neben Turnieren machte der Verein mit Schnitzeljagden und Reiterbällen auf sich aufmerksam, ehe mit der Nazi-Diktatur der nächste jähe Schnitt kam. 1933/34 trat ein erneuter Stillstand ein, und die Reitervereine wurden in die Reiterstürme der SA überführt. Nicht anders erging es dem RC „Sport“ Harpstedt. Mit dem Einmarsch der Alliierten (1945) kamen sämtliche eingezogenen Gründungs- und Geschäftsunterlagen des Vereins sowie die Standarte abhanden.

Dank unermüdlicher Kleinarbeit von Fritz Meyer aus Wohlde erhielt der RC schon 1946 von der Militärregierung die Genehmigung, das Vereinsleben zu reanimieren. Dem Vorstand saß in dieser „Stunde Null“ Johann Meyer (Wohlde) vor. Die Vereinsgeschäfte führte Hermann Bahrs (Stiftenhöfte), und um die Finanzen kümmerte sich Rechnungsführer August Sanders (Harpstedt). Schon 1946 organisierte der Reitclub die erste Fuchsschwanzjagd. Vorstandsprotokollen aus der Nachkriegszeit lässt sich entnehmen, dass Vereinswirt Klaus Küver zu den Reiterbällen verpflichtet war, eine Kapelle mit zehn Musikern auf seine Kosten zu stellen! Der Verein, der seine sportliche Heimat damals noch auf dem alten Sportplatzgelände „Amtsacker“ hatte, konnte ihm sogar die Renovierung des Saales vorschreiben und damit drohen, sich bei Nichterfüllung der Auflagen eine andere Lokalität für die damals gesellschaftlich bedeutsame Veranstaltung zu suchen. Unterricht in den Abteilungen Dressur und Springen für Großpferde und Ponys sowie im Fahren erteilten ab 1947 die Klosterseelter Heinz Busch-mann, Hermann Kastendiek und Bernhard Meyer. 1948 wurde Paul Schubert aus Bremen mit dieser Aufgabe betraut. 1950 übernahm sie Walter Sander (Groß Köhren). Wegen des enormen Zuwachses an Reitern bekam er Unterstützung von dem ergänzend als Ausbilder eingestellten Heinrich Siemer. Zu den Ereignissen, die aus dem üblichen Rahmen herausragten, zählten 1949 die Beteiligung an der Harpstedter Kulturwoche, 1951 die Weihe der neuen Standarte und 1955 die Mitwirkung an der Kreistierschau. Besonders die Standartenweihe muss ein regelrechtes Schauspiel gewesen sein. Der frühere Lehrer und Rektor Robert Grimsehl widmet ganze 17 Seiten seiner heimatkundlichen Schriften diesem Spektakel.

Und die Syker Zeitung berichtete seinerzeit überaus euphorisch: „Unter Scheinwerfer- und Fackelbeleuchtung – Standartenweihe mit repräsentativem Rahmen: Harpstedt schießt wieder den Vogel ab – Der Festakt des Reitclubs Sport (...) mit repräsentativem Rahmen auf dem idyllischen Marktplatz des heimathistorischen Fleckens wurde zu einem festlichen und denkwürdigen Ereignis in der Geschichte der aufstrebenden Gemeinde und der mit ihr verbundenen Umgebung.“ · Fortsetzung folgt.

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