Bildhauer Franz Robert Czieslik verfasst als Kolumnist „Franz Zehnbier“ Satiren

Scharfe Werkzeuge und spitze Zunge

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Nach einer Lebenskrise hat Franz Robert Czieslik zurück zur Kunst gefunden und diese Skulptur erschaffen.

Gross Ippener - Von Jürgen Bohlken. Urig-rustikal mutet das Häuschen im Wald in Groß Ippener unweit der Straße „Im Langen Tal“ an, wo an der Eingangstür eine Glocke mit Klöppel dazu animiert, läutend statt klingend auf sich aufmerksam zu machen.

Innen springt ein alter Ofen ins Auge. Rundherum im Raum finden sich hölzerne Skulpturen. „Baumturen“ nennt sie der, der dort wohnt und die Werke erschaffen hat: Der Bildhauer und Satiriker Franz Robert Czieslik, gebürtig aus Leipzig und groß geworden in Wismar, entpuppt sich im Gespräch als weltoffener Typ und kreativer Geist, der aus Brüchen in seiner Biografie keinen Hehl macht.

Mit Robinienholz arbeite er besonders gern, erzählt der 47-Jährige. Das komme wohl nicht von ungefähr: „Die Robinie geht nie den geraden Weg. Das hat sie mit mir gemein. Schon seit dem 13. Lebensjahr bin ich bildhauerisch auf dem Holzweg“, verrät Czieslik schmunzelnd. Er erinnert sich an einen Wochenendausflug mit seinen Eltern, der ihn in seiner Kindheit in das Atelierhaus am Heidberg nach Güstrow führte, wo er erstmals mit den Werken Ernst Barlachs in Berührung kam. „Wenn ich groß bin, will ich so etwas auch machen“, habe er sich damals vorgenommen. Heute sehe er die Kunst Barlachs durchaus etwas distanzierter und kritischer.

Noch in seiner Jugend bekam Czieslik in einer „mehrjährigen Grundlagenschule“ Zugang zu den verschiedenen Hölzern und zum richtigen Umgang mit den scharfen Werkzeugen des Holzbildhauers. Walter Strübing, der ambitionierte Kursleiter, ist inzwischen verstorben. „Ein toller Lehrer“, entsinnt sich sein damaliger Eleve. „Er hat uns Sehen gelehrt und uns ermuntert, immer genau hinzuschauen. Das ist ja vielleicht der Grund, warum ich heute noch gern Menschen beobachte, obwohl ich gar nicht mehr so viel figürlich arbeite.“

Wertvolles handwerkliches Rüstzeug bekam Czieslik auch in den frühen 1980-er Jahren während einer Tischlerlehre vermittelt. „Ich habe außerdem schon für die Mecklenburgische Landeskirche Holzrestaurierungen gemacht, letztlich aber festgestellt, dass es eher mein Ding ist,

VHS-Kurse und

offenes Atelier

etwas selbst zu gestalten als nur wiederherzustellen“, sagt der 47-Jährige.

Nach einer Lebenskrise vor etwa fünf Jahren und schweren Depressionen verlor Franz Robert Czieslik gänzlich den Bezug zur Bildhauerei. 2012 fand er zurück zur Kunst. Mit Einwilligung seines Vermieters ließ er neben dem Häuschen im Ippener Wald ein Atelier entstehen, verspürte wieder Lust, die „Seele des Baumes sichtbar zu machen“, und vollendete die erste große „Baumtur“ nach der unfreiwilligen künstlerischen Pause, die, wie er die Arbeit augenzwinkernd deutet, eine „tanzende Muse“ darstellen könnte.

„Ich halt‘ es nicht aus. Ich muss mich einfach selbst fordern“ – mit diesem Vorsatz wandte sich Franz Robert Czieslik an die „regio-VHS Ganderkesee-Hude“ und bot sich als Kursleiter an. Für den 11. und 12. Mai, jeweils von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr, lädt er Interessierte nun im Rahmen einer Volkshochschulveranstaltung zu einer „Begegnung mit der Bildhauerei“ ein. In dem Wochenendworkshop gibt er in seinem Atelier praktische Einblicke in die künstlerische Bearbeitung des Werkstoffes Holz. Zusammen mit den Kursteilnehmern will er auch durch den Wald gehen und mit ihnen nach Formen in der Natur Ausschau halten, aus denen sich Inspiration schöpfen lässt. Ein Ferienkurs „Bildhauerei mit Holz“ unter seiner Leitung folgt ab dem 1. Juli. Für beide Angebote können sich Interessierte ab zwölf Jahren bei der „regio-VHS“ (Tel.: 04222/44 4 44) anmelden.

Bereits am Sonntag, 28. April, macht Czieslik von 14 bis 17 Uhr mit einem „Tag des offenen Ateliers“ auf sich und sein bildhauerisches Schaffen aufmerksam.

Ein zweites, ganz anderes Talent, nämlich seine Fähigkeit, politische und gesellschaftliche Missstände mit hintergründigem Spott und Ironie zu pointieren, offenbart er im August während einer Lesung im Museumszug in Kooperation mit den Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunden und dem Kunst- und Kulturverein (KuK). „Satire kommt zum Zug“ – so lautet der Arbeitstitel dieser noch nicht endgültig terminierten Veranstaltung.

Unter dem Pseudonym „Franz Zehnbier“ ist Czieslik Hörern verschiedener Internet- und Clubradio-Programme als Kolumnist bekannt. Ob Euro-Rettungsschirm, Klimawandel, Stuttgart 21 oder Hamburger Elbphilharmonie – kein aktuelles Thema spart er mit spitzer Zunge aus, wenn er wieder mal nach „Kolumnien“ reist und eigene Satiren für eine Radiokooperation zu Gehör bringt.

„Hätte ich keine Tischlerlehre gemacht, wäre ich wohl Schweinezüchter geworden“, spielt der Wahl-Ippeneraner, der den Draht zu seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern bis heute nicht hat abreißen lassen, auf eine Tätigkeit an, die mittlerweile auch zu seinem Leben gehört: Auf einem Bauernhof in Ganderkesee kümmert er sich in Teilzeitarbeit beim Abferkeln um die Sauen und trägt Sorge für die Tiergesundheit im Ferkelstall.

http://www.franz-zehnbier.de

http://www.skulpturen-holz.de

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