Frank Morscheck betreibt eine Bio-Pilzfarm in Klattenhof / Verarbeitung zu Nahrungsergänzungs-Kapseln

Die Reishi-Ernte kann beginnen

Auf fünf Etagen reift der Reishi unter lange ausgetüfftelten, klimatischen Bedingungen, bis er von Klaudia und Frank Morscheck geerntet wird.

Klattenhof - Von Tanja Schneider· Es herrschen 22 bis 26 Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass der Boden stets ein wenig feucht ist. Dicht an dicht liegen in den Rollregalen über fünf Etagen verteilt Plastikbeutel, aus denen wie abstrakte lange Finger wirkende, dunkelrote Fruchtkörper ragen. Was hier in den Räumen eines umgebauten Schweinestalls in Klattenhof so gut wächst und gedeiht, ist der Reishi. Seit Februar 2008 züchtet Frank Morscheck diesen „Pilz der Unsterblichkeit“, der in Asien als anerkanntes Naturheilmittel weit verbreitet ist. Der Reishi der Klattenhofer Bio-Pilzfarm wird zu Nahrungsergänzungs-Kapseln verarbeitet.

Der Pilz wird in Asien seit etwa 4 000 Jahren als Heilmittel geschätzt und ist in einigen Ländern auch als Medikament zugelassen. „Das ist in Deutschland nicht der Fall, obwohl der Reishi in vielen westlichen Ländern zunehmend an Bedeutung gewinnt“, erklärt Morscheck, der als Hobbyzüchter von Speisepilzen startete. Vor etwa vier Jahren begann er, sich auf Reishi zu spezialisieren. Den Anstoß gab seine an Krebs erkrankte und inzwischen verstorbene Schwie germutter. „Meine Frau Klaudia und ich haben damals recherchiert und nach verschiedenen Heilmethoden gesucht“, erinnert sich Morscheck. So stießen sie auf den Reishi, dem Heilwirkungen bei Leber- und Nierenleiden, Asthma, Allergien und Bluthochdruck sowie bei Diabetes, Magen- und Darmgeschwüren, Schlaflosigkeit und eben auch Krebserkrankungen zugesprochen werden.

Für die Züchtung dieses Vitalpilzes baute das Paar einen Schweinestall in Klattenhof um, den es zuvor von Inge und Willi Stolle pachteten. „Mittlerweile sind wir fast wie eine Familie“, sagt Klaudia Morscheck. Immer mal wieder warfen Stolles einen Blick in die insgesamt 150 Quadratmeter umfassenden Zuchträume, um zu schauen, wie es mit dem Pilzwuchs vorangeht. Denn die Experimentierphase war lang. Welche Temperaturen benötigt der Reishi? Und welches Bewässerungssystem ist das beste? „Wir haben viel ausprobiert, mussten auch aus Fehlern lernen“, berichtet Frank Morscheck. Jetzt habe er das optimale System gefunden. Unterstützung erhielt er dabei von dem Dünsener Carsten Hülsemeyer – dem Mann für „Forschung und Entwicklung“, wie Morscheck sagt.

Für die Pilzzucht legt er das Reishi-Substrat zusammen mit Buchenspänen, Getreideschrot und einem gewissen Anteil Gips in Plastikbeuteln an. Dann heißt es, abwarten, bis sich Fruchtkörper bilden. Auf Düngemittel oder sonstige Chemikalien wird dabei gänzlich verzichtet, weshalb das im Juni 2008 angemeldete Gewerbe vor gut anderthalb Jahren auch die Bioland-Zertifizierung erhielt. Im Februar 2009 erfolgte die Abnahme der Öko-Kontrollstelle. Damit ist die Klattenhofer Pilzzucht laut Morscheck die erste deutsche Bio-Reishi-Farm. Am Markt rechnet er sich deshalb gute Chancen aus. „Wir beliefern jetzt schon einige Heilpraktiker, wollen aber auch an die Apotheken ran“, erläutert Morscheck, der kommende Woche gemeinsam mit seiner Frau Klaudia mit der nächsten Reishi-Ernte beginnen möchte. Aus den insgesamt acht Tonnen Substrat ergeben sich letztendlich 150 bis 200 Kilogramm getrocknete Pilze. Während der sechs bis acht Tage dauernden Trocknung verliert der Reishi etwa 90 Prozent an Gewicht, der Wasseranteil des Pilzes. Anschließend wird das Erntegut gemahlen, zu Pellets gepresst und erneut gemahlen. „So entsteht ein Pulver, das zu den Cellulosekapseln weiter verarbeitet werden kann“, erklärt der Züchter.

Weitere Informationen rund um die Klattenhofer Reishi-Zucht gibt es im Internet unter http://www.biopilzfarm.de. Außerdem ist im Juni der Onlineshop http://www.pilzguru.de an den Start gegangen.

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